Und es geschah noch im Jahr 2016: Der Bitcoin-Preis erhebt sich, die Marktkapitalisierung übersteigt 14 Milliarden Dollar und erreicht damit ein Allzeithoch. Mit einem Kurs von fast 850 Euro bekommen die Bitcoiner ihr Weihnachtsgeschenk schon heute. Man wünschte, dass so jedes Jahr ausklingt!
Wer derzeit in Bitcoin investiert ist, muss nicht darauf warten, dass sich die Familie um den kunterbunten Christbaum versammelt und einer auf dem Klavier die ersten Takte anschlägt. Ein Lied wie „Lasst und froh und munter sein …“ kommt auch ganz ohne das ganze Weihnachtsbrimborium von Herzen. Denn Gründe, froh zu sein, gibt dieser prachtvolle Jahresausklang in rauen Mengen.
Zum Beispiel die 750. Oder die 760. Oder 770, 780, 800 und 810.
Der Bitcoin-Preis im 1-Monats-Chart von Bitcoin.de
Oder, wie heute morgen: 845.
Der 48-Stunden-Chart von Bitcoin.de
Die letzten Tage haben es Bitcoinern wirklich schwer gemacht, nicht strahlend durch die Welt zu hüpfen. Eine Schnute zu ziehen oder grimmig dreinzuschauen erfordert höchste Konzentration und ist wahrhaft Arbeit, wenn der Kurs nichts besseres zu tun hat, als Tag für Tag nach oben zu ziehen.
Was da passiert, könnt ihr in den Charts nachlesen und in Echtzeit verfolgen. In den letzten 30 Tagen ist der Preis um 20 Prozent gestiegen. Im Lauf der letzten 12 Monate um 100 Prozent. Und im Lauf der letzten 24 Monate hat er sich ungefähr verdreifacht. Hurra!
Schafft ein Stückchen mehr Kontext: Der 3-Jahres-Kursverlauf.
Und die Marktkapitalisierung — Preis des Bitcoins (880 Dollar) * Anzahl Bitcoins (16.057.213) — ist heute morgen auf über 14 Milliarden Dollar gesprungen. Hurra! Bitcoin war noch nie so gut wie heute!
Alles, was ich dem vielleicht noch hinzufügen kann, sind einige Ideen, warum das passiert. Warum explodiert der Bitcoin-Preis? Warum gerade jetzt? Hat die Sache Hand und Fuß, oder ist es nur ein Pump and Dump?
Also. Einige mögliche Gründe, weshalb der Bitcoin-Kurs derzeit durch die Decke springt:
- Das Halving im Juli: Im Juli hat sich die Anzahl Bitcoins, die die Miner alle zehn Minuten erzeugen, von 25 auf 12,5 halbiert. Offenbar hat es eben doch einen Effekt, wenn man die Schöpfung des Angebots reduziert, während die Nachfrage gleich bleibt – oder wächst.
- Die Papier- und Fiat-Währungen sind einfach dazu verdammt, an Wert zu verlieren. Allen Mahnungen vor einer fürchterlichen Deflation zum Trotz beweist das die Geschichte. Bitcoin muss einfach nur weiter existieren, um gegenüber Euro, Dollar und Co an Wert zu gewinnen. Und Ende 2016 hat Bitcoin das verflixte siebte Jahr überstanden, was Hoffnung gibt, dass es so weitergeht.
- Bitcoin erreicht mehr und mehr Länder dieser Welt. In diesem Jahr scheinen einige südamerikanische und afrikanische Länder, die Türkei und vor allem Indien den Bitcoin entdeckt zu haben. Nicht nur steigt die Nachfrage nach der begrenzten Menge Bitcoins, wenn mehr Länder Bitcoins entdecken – es steigt auch die Nützlichkeit von Bitcoin im Allgemeinen. Je mehr Möglichkeiten es gibt, Bitcoins in aller Welt zu verkaufen, desto besser ist der Bitcoin als Weltgeld. Und die Anzahl von Börsen, Wechselstuben und ATMs in aller Herren Länder nimmt rapide zu.
- Die ersten institutionellen Investoren beginnen, Bitcoin als ernsthafte Wertanlage zu betrachten. Einige Finanzinstrumente wie der XBT Tracker stehen dafür bereit, vielleicht gibt es im nächsten Jahr den ersten ETF.
- Bitcoin wurde weder in Russland noch in China verboten. Das allein ist eine gute Nachricht.
- Cybercrime boomt. Kein unbedingt charmanter Grund, aber man muss das auch sehen. Da Bitcoin auch die Währung des Cybercrimes ist, wächst die Nachfrage nach ihr, je größer der Markt der DoS-Erpresser, der Ransomware, der Leaks, der gehackten Datenbanken und der Online-Drogenmärkte wird.
- Auch das Bitcoin-Remittance scheint zu boomen. Es gibt immer mehr Berichte davon, dass Leute Bitcoins für internationale Überweisungen vor allem in asiatischen Ländern benutzen.
- Der „Och, das gibt’s ja immer noch“-Effekt: Wer zum ersten Mal von Bitcoin hört, denkt sich meistens etwas wie „Ach ja, spannend, aber zu unsicher.“ Wer dann zwei Jahre später zufällig erneut von Bitcoin hört, denkt sich: „Och nee, das gibt’s ja immer noch? Und das ist ja auch noch viel mehr wert? Jetzt investiere ich aber mal was!“.
Vermutlich könnte ich noch ein Weilchen so weitermachen. Aber ich glaube, fürs erste waren das genügend Gründe, um zu erkären, warum wir zum Jahresausklang in eine Rally reingerattert sind.
Natürlich könnte ich auch eine Menge Gründe nennen, warum ihr vorsichtig sein solltet. Warum Bitcoins volatil sind, ein hochspekulatives Investment. Warum ihr eure privaten Schlüssel verlieren könntet, warum Börsen gehackt werden können, warum die rechtliche Lage alles andere als eindeutig, angesichts der kommenden EU-Regulierung sogar unsicher ist, und warum Bitcoin aus technischen Gründen scheitern könnte.
Mache ich heute aber nicht. Ich freue mich einfach nur. Und wünsche euch allen fröhliche Weihnachten!

