Sowohl Preis als auch MemPool lungern um ein Allzeithoch herum. Das interessanteste daran ist die Ruhe, mit der beides aufgenommen wird. Einige Anmerkungen zu Preis und MemPool mit vielen Charts und Grafiken.
Dollar-Chart im Jahresverlauf: Souverän im Allzeithoch. Quelle: Bitcoin.de
Der Preis bewegt sich mit 1.050 Dollar oder 985 Euro erneut auf einem sehr hohen Niveau. Dass dabei jegliche Euphorie und das extrem starke Handelsvolumen fehlt, die gewöhnlich eine Rally ausmachen, zeigt, dass um die 1.000 Euro nicht ein Ausnahmezustand sind, sondern womöglich die neue Normaliät – und dass wir nicht in der Mitte der Blase stehen, sondern an ihrem Anfang.
Durchschnittliche Dauer der Bestätigung von Transaktionen im Jahresverlauf. Quelle: Blockchain.info
Anders als oft gedacht beeinträchtigt es den Preis nicht, wenn Transaktionen länger dauern, die Gebühren steigen und die Blockchain generell am Limit operiert. Ganz im Gegenteil korreliert ein erheblicher Anstieg von Gebühren und Dauer zur Bestätigung mit dem Anstieg des Preises.
Tägliche Einnahmen der Miner aus Transaktionsgebühren in US-Dollar. Quelle: Blockchain.info
MemPool ist die Bezeichnung für den Pool jener Transaktionen, die im Arbeitsspeicher der Knoten liegen (memory) und darauf warten, dass sie bestätigt und damit in die Blockchain geschrieben werden. Seit es regelmäßig Perioden gibt, in denen mehr Transaktionen aufkommen, als die Miner bestätigen können, wird die Betrachtung des MemPools interessant. Wie die Darstellung von Jochen Hoenicke zeigt, liegen derzeit (etwa 17.30 Uhr am Dienstag) rund 60.000 Transaktionen mit der Größe von 40 Megabyte im MemPool. Um sie alleine abzubauen benötigt das Netzwerk gut sechs Stunden Blockzeit.
MemPool in 2-Stunden-Ansicht. Quelle: JoHoe’s MemPool Size Statistics
Ganz natürlich erscheint der Zustand des derzeitigen Mempools nicht. So hat sich am Sonntag sehr plötzlich ein Berg von relativ wenigen, aber sehr großen Transaktionen mit sehr geringen Gebühren aufgetürmt. Dieser Berg ist in Jochen Hoenickes Chart sehr deutlich zu erkennen. Er besteht aus weniger als 1.000 Transaktionen mit Gebühren zwischen 5 und 10 Satoshi je Byte, die rund 18.000 MB Platz im MemPool eingenommen. Zum Vergleich: Gewöhnliche Transaktionen würden weniger als 0,5 MB benötigen.
Zum selben Zeitpunkt ging das sogenannte UTXO-Set deutlich zurück. Dieses bezeichnet die Gesamtheit der „unspent outputs“ und meint damit alle irgendwie auf Adressen liegenden Bitcoins. Also alle die digitalen Münzen, die Bitcoin repräsentieren.
Die am Sonntag in den MemPool eingegangenen Transaktionen sind demnach entweder ein ausgefeilter Spam-Angriff, der mit großen anstatt vielen Transaktionen arbeitet, oder sie sind das Produkt eines Bitcoin-Unternehmens, das an einem Tag wie einem Sonntag, an dem das Bitcoin-Netzwerk gewöhnlich relativ unausgelastet ist, zu geringen Gebühren UTXO abbaut. Dies könnte beispielsweise für Glücksspiel-Unternehmen eine sinnvolle, kostensparende Strategie sein. Sollte dem so sein, dürfte das Unternehmen nun in ziemlichen Problemen stecken, da noch rund 10 MB der Transaktionen im MemPool stecken.
Für alle anderen Teilnehmer bedeutet der große MemPool ein Ärgernis mit zurzeit noch überschaubarer Reichweite. Jochen Hoenickes hübsche Visualisierung des MemPools stellt die unbestätigten Transaktionen in nach Gebühren gestaffelten Schichten dar. Dies zeigt, dass nur in wenigen Momenten mehr als 2.000 Transaktionen mit Gebühren von mehr als 70 Satoshi je Byte warten, was bei gewöhnlichen Transaktionen selbst in extremen Fällen nicht mehr als 35 cent entspricht. Wer bereit ist, so viel zu bezahlen, hat sehr gute Chancen, dass seine Transaktion im Laufe der nächsten 1-3 Blöcke bestätigt wird.
Wem es doch passiert ist, dass seine Transaktion feststeckt, der hat mit dem Transaction Accelerator des Mining-Pools ViaBTC eine Option, um die Bestätigung zu beschleunigen. Der Pool bestätigt je Stunde einhundert Transaktionen mit einer Gebühr von mindestens 10 Satoshi je Byte (0,0001 BTC / Kilobyte) bevorzugt, sofern deren ID eingereicht wurde. Ob er dies allein zu Werbezwecken macht, oder ob er davon profitiert, Daten wie IP-Adressen zu sammeln, ist allerdings nicht zu sagen.
Auch wenn die Situation mit dem MemPool derzeit noch beherrschbar zu sein scheint, zeichnet sich in der längerfristigen Betrachtung von Jochen Hoenickes Darstellung ein etwas besorgniserregendes Bild ab: Die Berge türmen sich in immer rascheren Interwallen auf.
Vor etwa einem Jahr sah der MemPool noch eher wie Niedersachsen aus, also sehr flach und nur in Ausnahmefällen hügelig. Ende des vergangenen Jahres und im Januar wirkte der MemPool wie Hessen oder Baden-Württemberg, also als Gemisch von Flachland und Bergen. In den wenigen bisher vergangenen Februartagen hingegen erscheint der MemPool wie die Schweiz: wie ein Gebirge, in dem das Flachland nahezu vollständig verschwunden ist. Ob dies nur eine vorübergehende Erscheinung ist, wie man hoffen mag, oder der Auftakt zum Fee Event, vor dem Jeff Garzik bereis Ende 2015 gewarnt hat, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

