Einige Anmerkungen zum Preis, der um 1.000 Euro herum gurkt, und zum MemPool, der mal wieder knüllevoll ist

Berggipfel in der Schweiz. Bild von Allie_Caulfield via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Sowohl Preis als auch MemPool lungern um ein Allzeithoch herum. Das interessanteste daran ist die Ruhe, mit der beides aufgenommen wird. Einige Anmerkungen zu Preis und MemPool mit vielen Charts und Grafiken.

Der Preis bewegt sich mit 1.050 Dollar oder 985 Euro erneut auf einem sehr hohen Niveau. Dass dabei jegliche Euphorie und das extrem starke Handelsvolumen fehlt, die gewöhnlich eine Rally ausmachen, zeigt, dass um die 1.000 Euro nicht ein Ausnahmezustand sind, sondern womöglich die neue Normaliät – und dass wir nicht in der Mitte der Blase stehen, sondern an ihrem Anfang.

Anders als oft gedacht beeinträchtigt es den Preis nicht, wenn Transaktionen länger dauern, die Gebühren steigen und die Blockchain generell am Limit operiert. Ganz im Gegenteil korreliert ein erheblicher Anstieg von Gebühren und Dauer zur Bestätigung mit dem Anstieg des Preises.

MemPool ist die Bezeichnung für den Pool jener Transaktionen, die im Arbeitsspeicher der Knoten liegen (memory) und darauf warten, dass sie bestätigt und damit in die Blockchain geschrieben werden. Seit es regelmäßig Perioden gibt, in denen mehr Transaktionen aufkommen, als die Miner bestätigen können, wird die Betrachtung des MemPools interessant. Wie die Darstellung von Jochen Hoenicke zeigt, liegen derzeit (etwa 17.30 Uhr am Dienstag) rund 60.000 Transaktionen mit der Größe von 40 Megabyte im MemPool. Um sie alleine abzubauen benötigt das Netzwerk gut sechs Stunden Blockzeit.

Ganz natürlich erscheint der Zustand des derzeitigen Mempools nicht. So hat sich am Sonntag sehr plötzlich ein Berg von relativ wenigen, aber sehr großen Transaktionen mit sehr geringen Gebühren aufgetürmt. Dieser Berg ist in Jochen Hoenickes Chart sehr deutlich zu erkennen. Er besteht aus weniger als 1.000 Transaktionen mit Gebühren zwischen 5 und 10 Satoshi je Byte, die rund 18.000 MB Platz im MemPool eingenommen. Zum Vergleich: Gewöhnliche Transaktionen würden weniger als 0,5 MB benötigen.

JoeHoes MemPool im 4-Tages-Schnitt. Jeder Block sägt den MemPool von oben ein, indem er Transaktionen aus ihm nimmt.

Zum selben Zeitpunkt ging das sogenannte UTXO-Set deutlich zurück. Dieses bezeichnet die Gesamtheit der “unspent outputs” und meint damit alle irgendwie auf Adressen liegenden Bitcoins. Also alle die digitalen Münzen, die Bitcoin repräsentieren.

Die am Sonntag in den MemPool eingegangenen Transaktionen sind demnach entweder ein ausgefeilter Spam-Angriff, der mit großen anstatt vielen Transaktionen arbeitet, oder sie sind das Produkt eines Bitcoin-Unternehmens, das an einem Tag wie einem Sonntag, an dem das Bitcoin-Netzwerk gewöhnlich relativ unausgelastet ist, zu geringen Gebühren UTXO abbaut. Dies könnte beispielsweise für Glücksspiel-Unternehmen eine sinnvolle, kostensparende Strategie sein. Sollte dem so sein, dürfte das Unternehmen nun in ziemlichen Problemen stecken, da noch rund 10 MB der Transaktionen im MemPool stecken.

Für alle anderen Teilnehmer bedeutet der große MemPool ein Ärgernis mit zurzeit noch überschaubarer Reichweite. Jochen Hoenickes hübsche Visualisierung des MemPools stellt die unbestätigten Transaktionen in nach Gebühren gestaffelten Schichten dar. Dies zeigt, dass nur in wenigen Momenten mehr als 2.000 Transaktionen mit Gebühren von mehr als 70 Satoshi je Byte warten, was bei gewöhnlichen Transaktionen selbst in extremen Fällen nicht mehr als 35 cent entspricht. Wer bereit ist, so viel zu bezahlen, hat sehr gute Chancen, dass seine Transaktion im Laufe der nächsten 1-3 Blöcke bestätigt wird.

feb07-viabtc

Wem es doch passiert ist, dass seine Transaktion feststeckt, der hat mit dem Transaction Accelerator des Mining-Pools ViaBTC eine Option, um die Bestätigung zu beschleunigen. Der Pool bestätigt je Stunde einhundert Transaktionen mit einer Gebühr von mindestens 10 Satoshi je Byte (0,0001 BTC / Kilobyte) bevorzugt, sofern deren ID eingereicht wurde. Ob er dies allein zu Werbezwecken macht, oder ob er davon profitiert, Daten wie IP-Adressen zu sammeln, ist allerdings nicht zu sagen.

Auch wenn die Situation mit dem MemPool derzeit noch beherrschbar zu sein scheint, zeichnet sich in der längerfristigen Betrachtung von Jochen Hoenickes Darstellung ein etwas besorgniserregendes Bild ab: Die Berge türmen sich in immer rascheren Interwallen auf.

Vor etwa einem Jahr sah der MemPool noch eher wie Niedersachsen aus, also sehr flach und nur in Ausnahmefällen hügelig. Ende des vergangenen Jahres und im Januar wirkte der MemPool wie Hessen oder Baden-Württemberg, also als Gemisch von Flachland und Bergen. In den wenigen bisher vergangenen Februartagen hingegen erscheint der MemPool wie die Schweiz: wie ein Gebirge, in dem das Flachland nahezu vollständig verschwunden ist. Ob dies nur eine vorübergehende Erscheinung ist, wie man hoffen mag, oder der Auftakt zum Fee Event, vor dem Jeff Garzik bereis Ende 2015 gewarnt hat, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

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12 Comments on Einige Anmerkungen zum Preis, der um 1.000 Euro herum gurkt, und zum MemPool, der mal wieder knüllevoll ist

  1. Toller Artikel! Könntest du die Bilder evtl. in Großformat zum anklicken hinterlegen. Danke 🙂

    • Danke für die Idee, gerne! Habe es in diesem Artikel gemacht. Falls ich es künftig mal vergesse, einfach rechtsklicken, “Grafik anzeigen”, und dann in der URL alles nach dem Fragezeichen löschen. (üblicherweise sieht die URL so aus: bcoins.files.wordpress.com/datum/bildname.png?w=1223$h=768 — wenn man alles nach dem .png löscht, bekommt man das Bild in Originalgröße).

  2. Wie kommt es eigentlich dazu,daß das UTXO abgebaut wird ?

    • In dem man Bitcoins die auf verschiedenen Adressen liegen, an einer Adresse schickt.
      Die Adressen auf denen keine Bitcoins mehr liegen, werden dann aus UXTO Set gestrichen.

  3. Dass sich der Mempool auch am Wochenende füllt, ist nicht das erste mal gewesen.
    Meiner Meinung nach ergibt es Sinn, dass man das Wochenende dazu nutzt um große Tx günstig vollziehen zu können.
    U.a. könnte ich mir vorstellen, dass z.B. MMM in Nigeria zu vielen hundertrausenden an kleinen Tx führt, diese kleinen Beträge dann zu einem größeren Betrag gebündelt werden.
    U.a. könnte ich mir vorstellen, dass auch Coinbase oder BitPay seine vielen Beträge die Nutzer an jeweils neu generierten Adressen einzahlen, verteilt auf viele Adressen auf weniger Adressen bündelt, u.a. um die Verwaltung zu vereinfachen.

    • Ja, das klingt plausibel. Aber ob MMM in Nigeria wirklich einen so großen Einfluss hat, bezweifle ich. Im Hebrst 2015 wurde dasselbe von MMM in China gesagt, und als das dann verboten wurde, ist gar nichts passiert.

      • Damit hast du natürlich Recht. Vermutlich ist es eher ein zufälliges Zusammenspiel aus vielen Teilnehmern, u.a. bedingt der immer weniger werdenden günstigen Zeitpunkte.

        Kennst du noch SatoshiDice? 🙂

  4. Verstehe ich das mit der UTXO-Bereinigung also richtig wenn ich zB annehme, dass einige Leute/Unternehmen so ihren “Dust” zuammenfassen, also Minimalbeträge von diversen Adressen bündeln?

  5. Nerd Geitzel // 9. February 2017 at 14:35 // Reply

    Chartanalyse in anderer Interpretation, Respekt, das gefällt mir gut!
    Wenn ich also eines und eins zusammenzähle, sorry für den folgenden Kalauer,
    werde ich gleich mein Verkaufslimit von 1.010 auf 2.020 setzen.

  6. Bitcoin ist am bröckeln.
    Schnell zu Monero wechseln :L

  7. Artur Gilles // 13. February 2017 at 19:16 // Reply

    SATOSHI, BTC, Bitcoin ???

    Lieber Herr Bergmann,

    ich bitte inständig ohnehin Komplizierte Dinge nicht noch weiter zu verkomplizieren. Alles was um das Thema BTC einfach ist, wird von neuen Interessenten gerne wahrgenommen. Um aus Interessenten dann Investoren werden zu lassen, braucht es Vertrauen. Vertrauen geht mit Verstehen einher!

    Deshalb belassen Sie es doch bei den Namen “Bitcoin” oder der Abkürzung “BTC”. Bitte versenken Sie alle anderen Bezeichnungen (Satoshi) irgendwo im Orcus.

    Das wird der Sache mehr dienen als Sie denken!

    Danke schön!

    Viele Grüße

    Artur Gilles

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  1. Ad Astra! -- 

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