Die Entwickler-Teams von Bitcoin Cash trafen sich in London. Die beiden wichtigsten davon, ABC und Unlimited, haben nun jeweils ihre Roadmaps für die mittelfristige Zukunft vorgestellt. In ihnen findet man spannende, aber eventuell auch gewagte Ideen.
Sieben Entwicklerteams haben sich vor kurzem in London zusammen gesetzt, um über die Zukunft von Bitcoin Cash zu diskutieren: Bitcoin ABC, Bitcrust, Bitprim, Bitcoin Unlimited, ElectrumX, nChain und Parity. Das klingt nach mehr, als es ist, verdeutlicht aber den Anspruch von Bitcoin Cash, ein gemeinsames Projekt verschiedener Teams zu sein.
„Wir sind alle von einer gemeinsam Vision begeistert – dass Bitcoin Cash massiv skaliert und ein schnelles, günstiges, globales elektronisches Peer-to-Peer-Bargeld wird,“ berichtet Bitcoin Unlimited auf der Webseite.
Das führende Team ist aber Bitcoin ABC, das sich bisher bei Protokoll-Änderungen noch immer durchgesetzt hat. Dementsprechend dürfte auch die Roadmap, die ABC vor kurzem für die „mittelfristige Zukunft“ vorgestellt hat, am wichtigsten sein. Zunächst bekennt sich ABC ebenfalls zu der von Unlimited vorgestellten Vision: „Unsere Top-Priorität für Bitcoin Cash ist es, es als ein großartiges Geld weiter zu verbessern. Wir wollen es zuverlässiger und besser skalierbar machen, mit geringen Gebühren und bereit für ein rapides Wachstum. Es soll ‚einfach nur funktionieren‘, ohne Komplikationen oder Umstände. Es soll bereit sein, für die weltweite Anwendung durch Mainstream-User, und eine solide Basis bieten, auf die sich Unternehmen verlassen können.“
Konkret bedeutet dies, dass ABC zwei Mal im nächsten Jahr eine Hardfork plant – die Roadmap nennt es „Protokoll Upgrades“: Am 15. Mai und am 15. November. Der Code dafür soll jeweils drei Monate vor der Hardfork vorliegen.
Für das nächste Upgrade plant ABC die folgenden Features:
- Das Blocksize-Limit soll weiter erhöht und eventuell zu einem „adaptiven Blocksize-Limit“ umgebaut werden, ähnlich wie es Bitcoin Unlimited bereits hat.
- Weiter soll eine kanonische Ordnung der Transaktionen eingerichtet werden, was wohl gut für die Skalierbarkeit ist, da es Features wie Graphene ermöglichen würde.
- Zudem plant ABC, den Difficulty Adjustment Algorithmus weiter zu verbessern,
- und einige deaktivierte Opcodes wieder zu aktivieren.
Die sogenannten „Opcodes“ sind Skriptbefehle für die Verarbeitung von Bitcoin-Transaktionen. Aus Sicherheitsgründen hat Satoshi einige der Befehle schon in der Frühzeit von Bitcoin deaktiviert. Um die durch sie ermöglichten Features zu erkunden, möchte ABC die Codes vorsichtig wieder einschalten.
Ähnlich – und etwas weiter – plant die Roadmap von Bitcoin Unlimited. Die Entwickler kündigen schon mal an, das halbjährliche Upgrade durch Hardforks zu unterstützen.
- Neben der Erhöhung der Blocksize möchte Bitcoin Unlimited auch die Kapazität erhöhen, indem man die Blockintervalle auf 1, 2 oder 2,5 Minuten senkt. Dies soll gleichzeitig die Usererfahrung verbessern, da Transaktionen schneller bestätigt werden.
- Das Team ist auch für die Aktivierung alter Opcodes,
- schlägt aber auch vor, neue Opcodes zu implementieren, wie OP_GROUP und OP_DATASIGVERIFY, welche „repräsentative Token und binäre Contracts“ ermöglichen sollen.
- Wie ABC möchte auch BU noch im Frühjahr ein neues Adressformat einführen, um in Zukunft Verwirrungen zu verhindern, die daraus erwachsen, dass jemand Bitcoin Cash an eine Bitcoin-Adresse sendet.
- Zudem will BU erkunden, ob man mit „Bobtail“ die Varianz der Blockintervalle reduzieren und vieles, etwa die Resistenz gegen Double Spends, verbessern kann.
- Auch die kanonischen Order von Transaktionen möchte BU prüfen, mit dem Ziel, eventuell Graphene einzuführen.
Die Roadmaps, die hier zusammenkommen, sind engagiert und greifen verschiedene Ideen auf, die derzeit rund um die Skalierbarkeit von Bitcoin kursieren. Graphene und Bobtail wurden erst kürzlich auf dem Scaling Bitcoin Workshop in Stanford vorgestellt, die Videos zu den Präsentationen dieser Technologien könnt ihr hier sehen, ich selbst weiß noch nicht so viel darüber.
Bei der Idee, die Blockintervalle zu kürzen, bin ich mir etwas unsicher. Einerseits wäre es bestimmt sinnvoll, aber andererseits gehört es irgendwie zu Bitcoin, dass es nur etwa alle 10 Minuten einen Block gibt.
Die Aktivierung alter und die Einführung neuer Opcodes könnte ein spannendes Projekt werden, das Bitcoin Cash helfen könnte, in manchen Bereichen mit Ethereum zu konkurrieren. Token, die mit OP_Group geschaffen werden, könnte etwa ähnlich gut funktionieren wie ERC20-Token und – anders als Colored Coins – direkt von Minern verifiziert werden. Allerdings muss man gerade hier anmerken, dass gute, gründliche Tests unerlässlich sein werden, da neue Skripte immer auch bedeuten, dass es neue Angriffe gibt.
Ob es den Entwicklern gelingen wird, diese mittelfristige Roadmap umzusetzen, wird man sehen müssen. Sie ist zumindest einmal ein Start, um mit Bitcoin Cash einen eigenständigen Weg zu gehen, der mehr ist als „Bitcoin mit größeren, aber leeren Blöcken“.
