Laut einer unbestätigten Meldung wird PayPal in den kommenden Monaten die Option einführen, Kryptowährungen zu kaufen, zu verkaufen und zu speichern.
PayPal, der Titan der Online-Zahlungen, plant laut einem Artikel von Coindesk, im Lauf der kommenden drei Monate Kryptowährungen in die Accounts zu bringen. Bisher hat das Unternehmen den Bericht weder bestätigt noch dementiert, was dafür spricht, dass er nicht ganz aus der Luft gegriffen ist.
Eine „hervorragend positionierte Quelle aus der Branche“ hat dem Magazin erzählt, dass die Kunden von PayPal und Venmo direkt aus ihren Accounts Kryptowährungen kaufen und verkaufen können werden. Es werde eine Art von integrierter Wallet geben, so dass man die Coins auch im Account speichern kann. Eine weitere namentlich nicht genannte Quelle bestätigt dies und ergänzt, dass der Service im Lauf der kommenden drei Monate, „vielleicht auch früher“, verfügbar sein solle.
Wieviele und welche Kryptowährungen in den PayPal-Account kommen, ist derzeit noch unklar. Laut der Quelle von Coindesk werde PayPal mit verschiedenen Börsen zusammenarbeiten, um Liquidität zu bündeln. Als Börsen wurden dabei BitStamp und Coinbase genannt. Wie schon PayPal selbst lehnten diese es ab, die Gerüchte zu kommentieren.
PayPal war lange eine Art „Erzfeind“ von Bitcoin, da die Kryptowährung den Anspruch hatte, Online-Zahlungen der Hand zentralisierter Dienstleister zu entreissen. Als PayPal 2010 Spenden an WikiLeaks blockierte, war dies mit ein Grund, weshalb Bitcoin erstmals die Aufmerksamkeit der Medien dafür erhielt, ein zensurresistentes Online-Zahlungsmittel zu sein. Seitdem empört sich die Krypto-Szene immer wieder darüber, dass PayPal Kunden den Account sperrt, die zuviel mit Bitcoin zu tun haben, was oft als Zeichen dafür verstanden wurde, dass PayPal die neue, dezentrale Konkurrenz fürchtet.
Im Lauf der vergangenen Jahre haben sich diese Wellen jedoch gelegt. Wie alle Tech-Unternehmen sprang PayPal ein Stück weit auf den „Blockchain“-Zug auf. So hat der CTO von PayPal, Sri Shivananda, in einem Interview gegenüber Coindesk unlängst gesagt, das Unternehmen entwickle eine eigene Perspektive auf Blockchain-Technologie und erkenne, wie sie „uns helfen kann, zu dem Konzept beizutragen, dass es eine offene Plattform für digitale Zahlungen gibt, die jedem zur Verfügung steht.“ Der CTO äußerte sich nicht zu konkreten Plänen, betonte aber, dass PayPal vom Potenzial der Technologie überzeugt sei.
Zur gleichen Zeit hat Bitcoin vorübergehend den Anspruch aufgegeben, mit PayPal, Mastercard und anderen verbreiteten digitalen Zahlungsmethoden zu konkurrieren. Bitcoin-Zahlungen sind langsam, teuer und damit sehr viel weniger komfortabel als PayPal-Zahlungen. Das mag sich mit Lightning ändern, doch bislang ist die Usererfahrung von Lightning sowohl für Bezahlende als auch Zahlungsempfänger noch weit davon entfernt, auch nur im Ansatz das Potenzial zu haben, PayPal Konkurrenz zu machen. Andere Kryptowährungen haben es nicht geschafft, vergleichbare Netzwerkeffekte aufzubauen, weshalb PayPal gegenüber dem dezentralen Geld eine sehr entspannte Haltung an den Tag legen kann. Die Disruption der zentralen Zahlungsdienstleister scheint ausgeblieben zu sein.
Dementsprechend haben in den letzten Jahren mehrere Mitbewerber von PayPal bereits Kryptowährungen integriert. Am bekanntesten dürfte die Cash App von Twitter-Gründer Jack Dorseys Square sein, die den Kauf von Bitcoin in der App erlaubt und damit beträchtliche Einnahmen erwirtschaftet. Aber auch andere Fintech-Apps wie Revolut oder Robinhood haben sich auf Bitcoin und andere Kryptowährungen eingelassen.
PayPal zieht nun also mit Verspätung nach. Es ist annehmen, dass der Zahlungsdienstleister Kryptowährungen wie Bitcoin eher als „Assets“ integrieren wird: Also als Anlageinstrument; eventuell möchte das Unternehmen Trader bedienen, die Bitcoins von Börsen ein- und auszahlen. Denkbar wäre auch, dass PayPal Ether und Token auf Ethereum in die Accounts bringt, um sich Smart Contracts, Security Token Offerings und DeFi gegenüber vorsichtig zu öffnen. Es könnte für das Unternehmen attraktiv sein, wenn es dank der Blockchain Wertpapiere oder Zinsen in die Accounts bringen kann, ohne dafür auf die direkte Hilfe einer Bank oder eines Brokers angewiesen zu sein.
Unter Umständen könnte PayPal Kryptowährungen schließlich nutzen, um die eigenen Zahlungen in Grenzbereichen zu optimieren, etwa indem es die Kosten internationaler Überweisungen oder Mikrozahlungen senkt. Hierfür wäre aber vermutlich weniger eine native Kryptowährung relevant, sondern vielmehr Stablecoins, die auf Blockchains mit niedrigen Gebühren laufen.
Das gute an all dieser Spekulation ist: Wir werden es voraussichtlich in den kommenden Monaten sehen.

