Der Kreditkartenanbieter Mastercard wird noch in diesem Jahr Kryptowährungen in seine Infrastruktur integrieren. Das kann ein gigantischer Schritt werden, der Kryptowährungen überall hinbringt, wo Mastercard akzeptiert wird – also wortwörtlich überall. Doch die Sache hat einen ziemlich spitzen Haken …
Aber, aber … man kann mit Kryptowährungen doch so gut wie nirgendwo bezahlen? Was bringt eine digitale Währung, wenn man sie in Euro umtauschen muss, um mit ihr etwas zu kaufen? Kritik in dieser Art hört man seit Jahren, und sie ist, zugegeben, gar nicht so sehr an den Haaren herbeigezogen. Nun verspricht der Kreditkartenanbieter Mastercard, dieser Kritik noch in diesem Jahr die Zähne zu ziehen: „Mastercard wird beginnen, ausgewählte Kryptowährungen direkt in unserem Netzwerk zu prozessieren“, schreibt eine Pressemitteilung.
Der Zahlungsanbieter stellt dabei in aller Deutlichkeit klar, dass er nur auf einen Trend reagieren. Welche Meinung man auch immer zu Kryptowährungen habe – ob man ein hartgesottener Fan oder unverbesserlicher Skeptiker sei – „es ist eine Tatsache, dass diese digitalen Assets in der Welt der Zahlungen immer wichtiger werden.“ Mastercard sehe, dass Kunden immer häufiger Kryptowährungen durch Kreditkartenzahlungen kaufe, und das Unternehmen sehe, dass die User immer öfter Krypto-Karten benutzen, um Kryptowährungen in Fiatwährungen zu wecheln und per Karte auszugeben. Der Trend sei nicht zu übersehen.
Daher reagiert Mastercard darauf und bringt Kryptowährungen direkt in sein System. Händler werden Kryptowährungen annehmen können und Kunden werden mit Kryptowährungen bezahlen können. Während man bisher seine Kryptowährungen wecheln muss, damit Mastercard eine Zahlung durch Fiatwährungen verbucht, werden die Kryptowährungen künftig als Recheneinheit wie Euro oder Dollar nativ verwendet werden. Man kann also mit einer Wallet, die eine Mastercard herausgibt, in einem Onlineshop mit Kryptowährungen bezahlen, ohne diese zuerst zu wechseln. Kryptowährungen werden zur Recheneinheit.
Wie genau die Integration aussehen wird, ist noch nicht klar. Die Änderung wird, verspricht Mastercard, „viele Ineffizienzen beseitigen und es sowohl Händlern als auch Käufern ermöglichen, es zu vermeiden, zwischen Krypto und traditionellen Währungen zu wechseln, um Käufe abzuschließen.“ Für Mastercard wird dies „eine große Änderung, die eine Menge Arbeit verlangt.“ Es geht dem Kreditkartenanbieter dabei nicht um bestimmte Kryptowährungen: „Unsere Philosophie ist die: Es geht um die Wahl … Unsere Aufgabe ist es, Kunden und Händlern zu ermöglichen, digitale Werte – seien sie traditionell oder Krypto – so zu bewegen, wie sie es wollen.“
Bei Kryptowährungen wird die Wahl natürlich nicht unbegrenzt sein. „Wir werden sehr gründlich darüber nachdenken, welche Assets wir unterstützen.“ Die Auswahl basiere auf mehreren Prinzipien, welche sich vor allem am Verbraucherschutz und der Regulierung orientieren. „Während Stablecoins heute zuverlässiger und besser reguliert sind als in der Vergangenheit“, präzisiert Mastercard, „müssen viele der hunderte digitaler Assets, die im Umlauf sind, ihre Maßnahmen zur regulatorischen Konformität stärken.“
Was erwartet Mastercard von einer Kryptowährung? „Am wichtigsten ist uns der Schutz der Verbraucher, einschließlich der Privatsphäre und der Sicherheit der Kundeninformationen. Wir benötigen dieselbe Sicherheit, die die Leute erwarten, wenn sie Kreditkarten verwenden.“ Danach folgt die Regulierungs-Compliance: „Strikte Protokolle sind notwendig, darunter die Identifizierung von Kunden (Know Your Customer), eine Anforderung, die dazu da ist, um in Zahlungsnetzwerken illegale Aktivitäten und Täuschung auszulöschen.“ Schließlich müssen die Assets den Gesetzen und der Regulierung der Regionen gehorchen, in denen sie benutzt werden. Und natürlich müssen die Assets in der Lage sein, für Zahlungen verwendet zu werden. Darunter versteht Mastercard vor allem „die Stabilität, die Leute von einem Vehikel erwarten, das fürs Bezahlen da ist, nicht fürs Investment.“
Das alles klingt plötzlich gar nicht mehr so spannend. Keine Volatilität, Regulierung auf Protokollebene – welche Kryptowährungen bleiben da noch übrig? Bleibt überhaupt eine übrig? „Wir erwarten, dass die Verbraucher und Unternehmen sich den Kryptoassets zuwenden wird, die Zuverlässigkeit und Stabilität bieten“, deutet Mastercard an, „und das sind genau die Stablecoins, von denen wir erwarten, sie in unser Netzwerk zu bringen.“
Stablecoins also. Stablecoins mit integrierter Regulierung. Das klingt alles stark nach Stablecoins wie Tether oder USDC, die auf einem Smart Contract laufen, der es erlaubt, Adressen auf eine Blacklist zu setzen und Coins einzufrieren. Wobei Tether vielleicht noch zu wild ist, da die Herausgeber außerhalb der US-Jurisdiktion sind. Bliebe also noch USDC, der Dollar-Stablecoin, den Coinbase und Circle herausgeben.
Mastercard will also, bleibt zu fürchten, nur die Kryptowährungen benutzen, die eine wundervolle Technologie missbrauchen, um einen neuen PayPal-Klon zu schaffen – während das Original, PayPal, schon einen Schritt weiter ist und Kryptowährungen selbst ins System integriert.

