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Mt. Gox: Erstattung der Gläubiger „final und bindend“

Bild von eXploration Etoile via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Mt. Gox-Konkursverwalter Nobuaki Kobayashi bringt ehemaligen Usern der pleite gegangenen Bitcoin-Börse gute Nachrichten: Sie bekommen einen Teil der Bitcoins, die sie auf der Börse hatten, zurück. Das steht nun fest – und der Markt findet das womöglich gar nicht so toll.

Wer schon länger bei Bitcoin dabei ist, erinnert sich noch an Mt. Gox. Das war in einer Zeit, in der Bitcoin-Börsen noch selten waren, die mit Abstand größte Börse der Welt. Echte Liquidität gab es für die meisten Währungspaare fast ausschließlich auf Mt. Gox. Anfang 2014 kollabierte die Börse dann unter Umständen, die bis heute nicht offiziell geklärt sind.

In jedem Fall gingen ziemlich viele Bitcoins verloren und der Chef der Börse, Mark Karpeles, wurde in Tokio für einige Jahre eingebuchtet. Immerhin gelang es den Konkursverwaltern, einen Teil der verlorenen Bitcoins zu bergen. Dieser Teil sind gut 141.000 Bitcoins, was einem Wert von gut 9,5 Milliarden Dollar entspricht.

Und diese Bitcoins werden nun, beinah acht Jahre später, an die Gläubiger von Mt. Gox verteilt: Also an all jene, die Bitcoins auf der Börse hatten, als diese kollabierte. Dieser Plan besteht schon lange, erhielt nun aber grünes Licht. Er wurde, schreibt der Chef-Konkursverwalter Nobuaki Kobayashi „final und bindend.“

Wann konkret die Auszahlung stattfindet, ist aber noch ebenso unklar, wie ihr konkreter Ablauf. Diejenigen, die einen Accout bei Mt. Gox hatten, erhielten in den letzten Monaten immer wieder E-Mails, in denen sie aufgefordert wurden, sich auf der Webseite mit den Zugangsdaten einzuloggen, die sie auf der Börse verwendet hatten, und ihren Anspruch auf eine Entschädigung zu bestätigen. Die Auszahlung wird in Bitcoin stattfinden, einschließlich der durch die Fork 2017 entstandenen Bitcoin Cash (BCH).

Wer seine damals verwendete E-Mail-Adresse oder die Zugangsdaten zu Mt. Gox verloren hat, hat es schwer, kann aber zumindest versuchen, vom Konkursverwalter einen „Gläubiger-Code“ zu erhalten, durch den er den Anspruch realisieren kann. Wer sich damals mit der vollständigen Identität verifiziert hat, sollte gute Chancen haben, einen Anspruch durchzusetzen.

Auch wenn das „wann“ noch unklar ist, ist „ob“ keine Frage mehr. 141.000 Bitcoins werden auf den Markt fließen. Viele, die gehörige Summen auf Mt. Gox hatten, werden froh sein, ein bereits abgeschriebenes Vermögen zurück zu bekommen.

In gewisser Weise hat Mt. Gox und die Trägheit der japanischen Justiz den ehemaligen Mt. Gox-Usern einen Gefallen getan, indem sie sie dazu zwangen, die Coins zu halten. Die User wurden zu Hodlern wider ihres Willens. Als Mt. Gox zusammenbrach kostete ein Bitcoin etwa 600 Dollar. Der Wert hat sich seitdem verhundertfacht, und nicht jeder hat eine so harte, diamantene Hand, dass er all den Verlockungen widerstanden hätte, im Lauf der letzten acht Jahre zu verkaufen.

Man kann nun annehmen, dass viele, die bald überraschend wieder an ihre Bitcoins kommen, die günstige Entwicklung nutzen werden, um zu verkaufen. Wenn man ein Vermögen, das man schon als verloren vergessen hat, wieder bekommt, ist es wie ein Geschenk, und ein solches nutzt man natürlich, um sich etwas Schönes zu gönnen oder es zumindest in irgendeiner Weise und zu irgendeinem Teil zu realisieren.

Die Märkte teilen diese Vermutung womöglich. Zumindest passt der Zeitpunkt der Bekanntgabe der Finalität des Plans hervorragend zum Einsturz der Kurse. Der Konkursverwalter veröffentlichte die Neuigkeit am 16. November; in der Nacht auf diesen Tag brach der Bitcoin-Kurs empfindlich ein, von gut 57.000 Euro auf kurzzeitig weniger als 52.000 Euro, also um rund 10 Prozent. Aber vielleicht ist das letzte auch nur eine zufällige Korrelation.

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