Die Elektro-Kette folgt damit ihrer Bruderfirma MediaMarkt, die bereits in Österreich an zwölf Standorten Automaten ausgerollt hat. Allerdings sind Betrieb und Benutzung der Automaten in Deutschland sehr viel komplizierter als in Österreich. Aber wundert das ernsthaft jemanden?
Eigentlich ist die Nachricht recht schnell berichtet: Saturn stellt in den Filialen in Köln, Frankfurt und Dortmund je einen Bitcoin-Automaten (Bitcoin ATM) auf. An diesen kann man, so die Pressemitteilung, „ganz einfach Euro-Scheine in Bitcoins“ und Ether wechseln und auf die eigene Wallet laden. Die Automaten sind Teil eines 6-monatigen Pilotprojekts, in dem die MediaMarktSaturn-Gruppe auslotet, ob sich der dauerhafte Betrieb von Bitcoin-Automaten in den Filialen lohnt.
Die Nachfrage nach Kryptowährungen sei, kommentiert Christian Stephan, Head of Research, „enorm – gerade unter unseren technikbegeisterten Kunden“. Daher passten die Bitcoin-Automaten „perfekt in unser Service-Portfolio“. Dazu setzt Stephan noch die leicht launige Anmerkung, dass das Potenzial groß sei, da auf 80 Millionen Einwohner Deutschlands „gerade einmal rund 40 Automaten für Kryptowährungen“ kämen.
Von wegen Regulierungsweltmeister! In Frankreich gibts noch weniger Bitcoin-ATMs als in Deutschland.
Warum das so ist, ergibt sich relativ einfach, wenn man sich vergegenwärtigt, was in Deutschland „ganz einfach“ bedeutet. Es ist das, was man in anderen Ländern gerne „haarsträubigend kompliziert“ nennt.
Der Betreiber der Automaten ist die Kurant GmbH, eine Tochterfirma von Coinfinity, einem langjährigen Bitcoin-Startup aus Graz, das sich auf die Bitcoin-Automaten fokussiert. Mit MediaMarkt arbeitet Kurant schon seit 2019 zusammen. Damals hat MediaMarkt in einer zentralen Wiener Filiale erstmals einen Automaten eingerichtet. Da dies offenbar gut lief, haben MediaMarkt und Kurant Ende April zwölf weitere österreichische Filialen mit den Automaten ausgestattet.
Um die Automaten auch nach Deutschland zu bringen, musste Kurant zunächst eine weitere Tochterfirma gründen, die Spot9 GmbH. Die Enkelin von Coinfinity arbeitet mit der Hamburger Sutor Bank zusammen, welche als offizieller Anbieter der an den Automaten verkauften Bitcoins fungiert, da nur sie die erforderliche Lizenz besitzt. Den größten Unterschied entdeckt man aber bei den Vorschriften gegen Geldwäsche. Die FAQ von Kurant erklärt zur Kundenverifizierung das Folgende:
„Außerhalb Deutschlands können Beträge bis einschließlich 250 Euro ohne Registrierung oder Verifikation erworben werden. Darüber erfolgt eine einmalige Verifizierung mittels Lichtbildausweis […] Für Deutschland beachten Sie bitte die notwendige Registrierung bei Spot9 ab dem ersten Euro.“
Aber nicht nur, dass man sich in Deutschland ab dem ersten Euro ausweisen muss, während man im Ausland bis 250 Euro einfach so kaufen darf. Auch das Verifizierungsverfahren ist in Deutschland ab dem ersten Euro aufwändiger als das in Österreich bis zu „Großbeträgen.“ Während man dort einfach das Gesicht und den „amtlichen Lichtbildausweis“ am ATM in die eingebaute Kamera hält, muss man sich hierzulande bei Spot9 registrieren, unter anderem auch eine deutsche Meldeadresse angeben, und das KYC-Verfahren von IDNow durchlaufen. Danach kann man sich offenbar eine spezielle Wallet herunterladen, die mit den Automaten funktioniert.
Puh … Angesichts dieser Felsbrocken, die Deutschland den Bitcoin-Automaten in den Weg stellt, kann man nur bewundern, dass Sport9 dennoch bereits 30 Automaten aufgestellt hat. Dem freilich stehen allein in Wien 50 Automaten gegenüber. Regulierung, zeigt sich einmal mehr, funktioniert halt doch.

