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Nun aber wirklich: SEC genehmigt Bitcoin ETFs

Der Mond sieht nur aus wie aus Gold, ist aber nicht aus dem Edelmetall. Gut für die Stock-to-Flow-Ratio von Gold. Bild von Dan Meineck via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Es war die perfekte Überraschung: Auf die Fake-News über die ETF-Zulassung folgt einen Tag später — die tatsächliche Zulassung.

Nun ist es also, im Ernst, passiert: Die US-Börsenaufsicht SEC hat eine Vielzahl an Bitcoin Spot-ETFs zugelassen, und diese werden voraussichtlich noch diese Woche auf den Börsen aufschlagen.

Ein „Spot-ETF“ bedeutet, dass das Wertpapier den sogenannten „Spot-Preis“ von Bitcoin abbildet, also den Preis, zu dem Bitcoin auf Börsen gehandelt werden, im Unterschied zu beispielsweise Future-ETFs.

Die offizielle Zulassung erklärt, dass mehrere Börsen, etwa die New Yorker Nasdaq, sowie die Cboe und BZX aus Chicago, eine Vielzahl an ETFs angemeldet haben:

„Dieser Bescheid“, erklärt das Dokument, „genehmigt die Anmeldungen auf einer beschleunigten Basis.“ Nachdem die SEC rund zehn Jahre jeden ETF blockiert hat, scheint es nun plötzlich eilig geworden zu sein.

Das ist aber längst nicht das einzige merkwürdige an dieser Zulassung. Es beginnt damit, dass die SEC noch gestern Nacht, nachdem ihr Twitter-Account gehackt wurde, schrieb, sie habe keine ETFs zugelassen und diesen Tweet auch heute noch nicht korrigiert hat.

 

Sie musste doch gestern Nacht schon gewusst haben, dass eine Zulassung unmittelbar bevorsteht. Warum behauptete sie dann das Gegenteil? Sie hätte es doch auch anders formulieren können. Und ist es wirklich nur Zufall, dass der Accout genau einen Tag vor der Zulassung gehackt wurde, um eben diese zu erfinden?

Dann sind da die Statements von SEC-Boss Gary Gensler und seinem Gegenpart, der SEC-Kommissarin Hester M. Peirce. Sie ersetzen die bisher fehlenden offizielle Pressemitteilung und sind beide irritierend meinungslastig. Gensler auf der einen Seite lässt keinen Zweifel, dass er den ETF nur ungern und auf Druck erlaubt hat, während Peirce keinen Hehl daraus macht, dass sie noch immer darüber empört ist, dass der ETF erst jetzt zugelassen wurde.

Zulassung mit Zähneknirschen

Gensler erklärt, dass die SEC seit 2018 mehr als 20 Anmeldungen für einen ETF abgelehnt hat, und räumt ein, dass die nun zugelassenen Anträge „denen ähneln, die wir früher abgelehnt haben. Allerdings haben sich die Umstände geändert.“ Damit meint er aber nicht, dass die Bitcoin-Märkte regulierter, transparenter und ordentlicher geworden wären – was er früher verlangt hatte -, sondern dass ein US-Gericht „entschieden hat, dass die SEC es nicht geschafft hat, adäquat zu erklären, warum sie den von Grayscale vorgeschlagenen ETF abgelehnt hat.“

Nicht Überzeugung, sondern juristischer Druck hat also die Wende gebracht. Immerhin, so Gensler weiter, habe ein ETF auch Vorteile. Denn Investoren können schon heute auf zahlreichen Wegen in Bitcoin investieren. Mit der Zulassung von ETFs genießen sie nun einen höheren Schutz, da ETFs strengen Informationspflichten unterliegen, auf vollständig regulierten Börsen gehandelt und von der SEC gründlich überwacht werden.

Nach diesem eher zähneknirschen vorgetragenen Zugeständnis betont Gensler aber, was die Zulassung nicht bedeutet: Sie heißt erstens „in keinster Weise, dass die Kommission bereit ist, solche Anträge für andere Crypto Asset Securities zuzulassen.“ Die weite Mehrheit der Krypto Assets seien, betont Gensler mal wieder, „Investment-Verträge und fallen unter das föderale Wertpappiergesetz.“ Sie können per Definition nicht zur Grundlage eines ETFs werden.

Zweitens bedeutet die Zulassung nicht, dass die SEC Bitcoin zulässt oder befürwortet. „Während die unterliegenden Assets von Metall-ETFs Anwendungen für Nutzer und Unternehmen haben, ist Bitcoin in erster Linie ein spekulatives, volatiles Assets, das auch für illegale Aktivitäten genutzt wird, darunter Ransomware, Geldwäsche, Sanktionsumgehung und Terrorifinanzierung.“

Ein Stückchen Bitterkeit über diese verlorene Schlacht klingt da mit, oder? Aber auch Genslers Gegenpart, die liberale, kryptofreundliche Hester M. Peirce, reagiert nicht weniger bitter auf diesen Sieg.

„Kein Ausgleich für vergangene Schäden“

Endlich habe die Kommission die Anmeldungen der Spot-ETFs genehmigt, schreibt Hester Peirce, nach einer Dekade, und hätte nicht das Gericht geurteilt, hätte es noch länger gedauert.

Der Schaden, den das Zögern der SEC verursacht hat, sei immens. Sie habe „Privatinvestoren zu weniger effizienten Mitteln getrieben, um in Bitcoin zu investieren,“ etwa durch Aktien von Unternehmen, die Bitcoins halten oder minen. Die Kommissarin beklagt, dass die SEC schon 2022 einen ETF auf Bitcoin-Futures genehmigt hat, obwohl diese komplexer und schwieriger zu managen sei als ein Spot-ETF.

Selbst nun, klagt Peirce weiter, da die SEC ihre Meinung geändert hat, gibt sie keinen Fehler zu, sondern flüchtet sich in schwache Ausreden. Und auch die Zulassung selbst sei spürbar widerwillig geschehen, was man etwa daran erkenne, dass die SEC einen Korrelations-Test verlangt, auf den sie bei anderen ETFs verzichtet, und die Abwicklung nur in Cash, also in Dollar, zulässt.

Daher, schließt sie, „macht der heutige Bescheid nicht den Schaden gut, den die unfaire Behandlung von Spot-Bitcoin-Produkten angerichtet hat.“ So richtig freudig klingt das nicht.

„Wir erwarten einen Bitcoin-Preis von 100.000 Dollar bis Ende des Jahres“

Nicht so richtig freudig wirkt auch der Bitcoin-Kurs. Während er in nach dem Fake-Tweet kurz explodiert ist, nahm er die tatsächliche Zulassung mit Gleichmut auf. Man muss schon sehr genau suchen, um überhaupt eine Regung zu finden. Der Kurs stand vor 24 Stunden bei 41.700 Euro, heute steht er bei fast 42.200. Dazwischen sackte er mal auf 40.850 Euro ab und stieg auf 43.400. Alles im üblichen Kanal.

Das wirft die Frage auf, ob ein Bitcoin-ETF ein gewaltiger Nothing-Burger ist, zwei pappige Brotscheiben mit einem gewaltigen Nichts dazwischen, weil alle Welt eh schon Bitcoin gekauft hat und der ETF-Effekt längst eingepreist ist.

Dem widerspricht das Magazin Coindesk. Anlässlich der Zulassung der ETFs erinnert es daran, welchen Einfluss die Einführung von Gold-ETFs vor zwei Jahrzehnten auf den Goldpreis hatten. Auch schon zuvor konnte jeder, der wollte, in Gold investieren, direkt, in Münzen und Barren, oder auch durch Papiere auf eingelagertes Gold. Der ETF hatte dennoch einen enormen Effekt.

„Der Goldpreis hat sich in den sieben Jahren nach der Einführung 2004 mehr als vervierfacht“, erklärt Coindesk, und zitiert eine Experten der Bank Standard Chartered mit der Erwartung, „dass Bitcoin als Folge der Zulassung eines Sport ETFs in den USA Kursgewinne genießt, die in einer ähnlichen Größenordnung liegen.“ Er geht aber davon aus, dass sich diese Gewinne in einer kürzeren Zeit materialisieren, etwa ein bis zwei Jahre. Die Bank erwartet, dass Bitcoin noch in diesem Jahr auf 100.000 Dollar ansteigt.

Wir sind gespannt.

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