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Emanzipierte Gemüseküche trifft Bitcoin

Sternekoch Sebastian Frank. Bild von Robert Schlesinger, alle Rechte bei ihm, für diesen Artikel zur Verfügung gestellt.

Das Berliner Restaurant Horváth ist das erste Sternerestaurant, in dem man mit Bitcoin bezahlen kann. Küchenchef und Besitzer Sebastian Frank erzählt, wie er dazu kam – und was die von ihm servierte „emanzipierte Gemüseküche“ meint.

Sebastian Frank ist Sternekoch, 42 Jahre – und ein vielleicht typischer Vertreter einer neuen Generation von Bitcoinern.

Der Österreicher kocht, seit er 14 Jahre alt ist, und zog für die Liebe nach Berlin. Dort wurde er 2010 Küchenchef im Restaurant Horváth, das er und seine Frau 2014 übernahmen. Der Name passt gut, fast zu gut.

Das Restaurant ist nach dem ungarischen Schriftsteller Ödön von Horváth benannt, der auch in Österreich und Deutschland lebte, und nach wenigen grandiosen, ewig lesenswerten Werken viel zu früh in Paris von einem herabfallenden Ast erschlagen wurde. Das Restaurant Horváth stand für eine gehobenere österreichische Küche, an welche Sebastian nach und nach weitere Einflüsse aus der Region Pannonien anknüpfte, eine Mischung aus österreichisch und ungarisch.

Mittlerweile hat Sebastian Frank schon zwei Michelin-Sterne erhalten. Das tragende Motto seines Restaurants ist die „emanzipierte Gemüseküche.“ Als einer der ersten Sterneköche überhaupt hat er begonnen, hauptsächlich vegetarisch zu kochen. „Das kam wegen des Standortes“, meint er, und lacht: „Aber nicht, weil in Berlin so viele Ökos leben, sondern weil es hier schwierig ist, frisches, qualitativ hochwertiges Fleisch zu bekommen. Gemüse dagegen wächst im Umland genug.“

Gastraum im Restaurant Horvath. Bild von White Kitchen Studios, alle Rechte dort, für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt.

In der emanzipierten Gemüseküche wird Gemüse gleichwertig wie Fleisch oder Fisch behandelt. Ein Radieschen ist so wertig wie Kaviar; Sellerie so edel wie Parmesan. „Als Österreicher habe ich zudem entschieden, nur noch mit Produkten zu arbeiten, die auch in Österreich üblich sein. Also Kürbiskernöl statt Olivenöl, Zwetschgen statt Mango und so weiter. Ich nenne das ‚Kreativität durch Zensur'“.

Bitcoin-Maximalisten dürfte das Konzept bekannt vorkommen: Die Beschränkung auf eine Kryptowährung – auf Bitcoin – und die Enthaltsamkeit beim Zocken, Traden, Gamblen wecken Kreativität, inspirieren zu tiefer geldpolitischer Bildung, und kräftigen den Beschluss, entschieden zu halten. Sich nicht zu verzetteln ist oft der erste Schritt zur Wirksamkeit.

„Ich habe mein gesamtes Portfolio verkauft, alle Altcoins, Aktien, und bin komplett in Bitcoin gegangen.“

Zu Bitcoin fand Küchenchef Sebastian Frank erst Mitte 2020. „Das war ziemlich klassisch. Wegen Corona war das Restaurant geschlossen, ich habe begonnen, in Aktien zu investieren, und habe, ohne viel nachzudenken, auch eine Bitcoin-Position ins Depot gelegt.“ Um was es dabei ging, wusste er zu diesem Zeitpunkt kaum. Erst als der Preis abrauschte, er kurz davor war, wieder zu verkaufen, beschloss er, sich mit Bitcoin zu beschäftigen, bevor er die Coins abstieß – und fiel in den bekannten Kaninchenbau, aus dem man nicht als derselbe herausfindet.

„Ich habe Podcasts gehört, einen nach dem anderen, und nach und nach hat es mich am eigenen Leben gepackt. Ich fand Antworten auf Fragen, die ich vorher nie verstanden habe. Etwa, wie es früher möglich war, dass einer arbeitet, und beide in einem Haus wohnen; meiner Frau und mir geht es zwar gut, aber wir müssen für unseren Lebensstandard sehr viel ackern.“ Die Beschäftigung mit Bitcoin half ihm, das Geldsystem besser zu verstehen.

Potato Tagliatelle mit Zwiebelschaum und Weißfisch-Kaviar. Bild von René Riis, alle Rechte bei ihm, für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt.

An Verkaufen war nun selbstverständlich nicht mehr zu denken. Im Gegenteil. Sebastian machte Nägel mit Köpfen und der Geldbeutel folgte der Erkenntnis: „Ich habe mein gesamtes Portfolio verkauft, alle Altcoins, Aktien, und bin komplett in Bitcoin gegangen.“ Nun natürlich nicht mehr über Finanzprodukte in der Trading-App, sondern, wie es sich gehört, direkt, mit echten Bitcoins, sicher in einer Hardware-Wallet. Er kauft regelmäßig nach, wenn der Kurs fällt, sorgt er sich nicht, sondern freut sich, weil es so günstig ist.

Schließlich kam der Gedanke auf, Bitcoins nicht nur zu kaufen – sondern zu verdienen. Das wäre am einfachsten und in gewisser Weise am authentischsten. Über einen Podcast erfuhr er vom Zahlungsdienstleister Lipa, der auf der Innsbrucker BTC2023 für die Gastronomie die Zahlungen abwickelte. Das kann ich auch, dachte sich Sebastian, kontaktierte die Veranstalter, um in Zukunft auf der Konferenz zu kochen, erfuhr aber, dass sie 2024 leider nicht stattfinden würde.

Dafür aber integrierte er Lipa in sein Restaurant, wo man mit Bitcoin onchain oder per Lightning nun bezahlen kann. Nun ist Sebastian der erste 2-Sternekoch weltweit, der Bitcoins akzeptiert. Sein Ziel ist es, künftig die Coins in einer Betriebswallet zu halten, und in Zukunft versuchen, Bitcoin im Mainstream zu etablieren, beispielsweise durch Sparpläne oder Boni für Mitarbeiter.

Wer also in Berlin Lust hat, richtig gut und auch nicht ganz billig zu essen – oder einen Gutschein dafür zu verschenken – und all das mit Bitcoin zu bezahlen – der weiß nun, wo er hin muss.

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