In den vergangenen Monaten hört und liest man immer wieder, dass nicht der Bitcoin das Entscheidende sei, sondern die Blockchain. Diese werde bleiben, als bahnbrechende Technologie, während der Bitcoin vielleicht untergehe. Überhaupt sei die Währung nur eine „App“ der Blockchain von vielen und vielleicht nicht mal die wichtigste. Klingt gut, aber ist das wirklich so?
Wer sich in den vergangenen Monaten auf Bitcoin-Konferenzen herumgetrieben oder in Bitcoin-Foren gelesen wird, wird vermutlich auf folgende Ansicht gestoßen sein: Die Technologie hinter dem Bitcoin – die Blockchain – ist brillant und hat das Zeug dazu, die Welt zu verändern; aber der Bitcoin als Währung ist ein Griff ins Klo. Die Transaktionskosten zu teuer, das System zu unflexibel, die Volatilität ob der begrenzten Menge zu groß undsoweiter. Aber die Blockchain – sie ist ein Durchbruch in der digitalen Technologie, und die Möglichkeiten sind grenzenlos: Die Verifizierung von Identität, die Ausgabe von Aktien, die Sicherung von Urheberrechten, die Schaffung bedarfsabhängiger Währungen, das dezentrale Speichern von Dateien und Ausführen von Rechenoperationen in der Cloud und vieles mehr. Sogar der Chef von VISA hat neulich etwas ähnliches gemeint, als er sagte, Bitcoin und die Blockchain seien zwei verschiedene Dinge, die nicht unbedingt zusammengehören.
Richtig ist, dass die Blockchain sehr viel möglich macht. Sie ist eine nicht manipulierbare Datenbank und sie verleiht digitalen Dingen dieselbe Knappheit und Einmaligkeit, wie man sie aus der physischen Welt kennt. Die Möglichkeiten sind in der Tat grenzenlos und bisher kaum ausgelotet. Der Bitcoin dagegen hat sich als Währung noch immer nicht auf breiter Basis durchgesetzt, und die stetige Volatilität spricht auch nicht dafür, dass er so schnell zum Mainstream wird. Man braucht schon eine robuste Spielernatur, um ein Geld zu benutzen, dessen Wert mal hü mal hott ist. Ok.
Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Denn die Blockchain ist ohne den Bitcoin, die Währung, nichts. Die Nicht-Manipulierbarkeit, die die Blockchain so groß macht, beruht darauf, dass Miner alle zehn Minuten Transaktionen in neue Blöcke aufnehmen und diese der Blockchain hinzufügen. Dazu qualifizieren sich die Miner, indem sie Rechenleistung investieren, und die Miner, die am meisten investieren, dürfen am öftesten prüfen, ob alles korrekt ist. So sorgen die Miner in einer Art „Gleichgewicht des Schreckens“ dafür, dass keine Partei die Blockchain „kapern“ kann. Denn wenn jemand mehr als 50 Prozent der Rechenleistung stellt, eröffnen sich ihm Möglichkeiten, die nicht sein sollten. Er kann zum Beispiel Transaktionen duplizieren oder unterdrücken. Die Blockchain wäre damit ruiniert.
Damit ein solches System sicher ist, benötigen die Miner eine Belohnung. Diese Belohnung muss nicht zwingend eine Währung wie der Bitcoin sein, aber sie muss, um die Blockchain wirklich sicher zu machen, sehr viel wert sein. Und dies leistet bislang nur der Bitcoin.
