Das Startup „21“ hat 116 Millionen Dollar Investmentkapital gesammelt und verlässt den „Stealth Modus“. 21 soll Bitcoin zum Mainstream bringen, aber keiner weiß, wie genau. Die Jobbeschreibungen lassen vermuten, dass es etwas mit Hardware zu tun hat.
Vielleicht haben Kapitalspritzen etwas mit Drogen gemeinsam: die Dosis muss immer weiter erhöht werden, damit es noch einen Effekt gibt. Erst waren 20 Millionen Dollar für BitPay noch eine Sensation, dann 75 Millionen für Coinbase, und nun sind es schon 116 Millionen. Das besondere ist, dass der Empfänger dieser riesigen Geldmenge, das Startup „21“, noch überhaupt nichts gemacht hat und die Öffentlichkeit auch nicht wissen lässt, was es zu tun gedenkt. Außer dass es, wie schon viele Startups vor ihm, Bitcoin in den Mainstream tragen möchte.
Die Investoren hat 21 auf jeden Fall überzeugt. Neben dem allseits präsenten Andreessen Horowitz, der in jeder erfolgsversprechenden US-Bitcoin-Unternehmung beteiligt zu sein scheint, sind unter ihnen RRE Ventures, der chinesische Fonds Yuan Capital, Khosla Ventures, Data Collective und, besonders spektakulär, die Investmentabteilung von Qualcomm, dem drittgrößten Chiphersteller der Welt. Außerdem die Mitgründer von PayPal, eBay und Zynga – Peter Thiel, Jeff Skoll und Mark Pincus – sowie die CEOs von Dropbox und Expedia – Drew Houston und Dara Khosrowshahi. Nicht schlecht, oder?
Einer der Gründer von 21, Matthew Pauker, sagte, es werde in den nächsten Wochen und Monaten spannende Enwicklungen geben in Sachen Software und Hardware, welche den Bitcoin zum Mainstream bringen werde. Pauker sagte weiter, Qualcomms Beteiligung sei der Schlüssel. Er hoffe, die Fähigkeiten der Firma zu Massenmarketing und -produktion nutzen zu können, um eine Suite von Konsumprodukten zu entwickeln, welche die Blockchain integrieren.
Einen Hinweis auf das, was 21 machen will, geben auch die Stellenanzeigen auf der Seite der Firma. Kaum ist das Investmentkapital da, wird eingestellt. Und zwar unter anderem folgende Spezialisten
- Business Development (Hardware): jemand, der die Verträge plant und gestaltet, welche Bitcoin auf die Hardware-Ebene bringen
- Ein Asic-Ingenieur: er soll die Technologie von 21 in neue, mit dem Bitcoin verwandte, Produkte bringen
- 2 Hardware-Ingenieure
- Einen Datacenter Operational Engineer: der soll die verschiedenen Datencenter bereisen und am Laufen halten
- Ein DevOp Ingenieur: er soll die Cloud-Infrastruktur sichern
Das waren nur einige der Stellenanzeigen. Sie zeigen: 21 wird etwas mit Asics machen, mehrere Datacenter führen, Bitcoin in anderen (aber verwandten) Produkten integrieren und eine Cloud-Infrastruktur anbieten.
Die bisherigen Spekulationen gehen in drei Richtungen:
- 21 will ein neues Cloud-Mining-Center aufbauen. Das wäre aber mit einer solchen Investmentsumme etwas überkandidelt.
- 21 will den Bitcoin für das Internet der Dinge nutzen. Man könnte die Blockchain nutzen, um die Interaktionen zwischen Maschinen zu sichern, oder dafür, damit Maschinen Maschinen bezahlen können.
- 21 will mobile Geräte mit einer Hardware-Wallet ausstatten. Bitcoins zu speichern und zu versenden könnte damit auf Hardware-Ebene zu den Grundfunktionen von Smartphones, Tablets, Labtops und vielem mehr gehören.
- 21 will Asic-Chips in ganz ganz viele Geräte einbauen, von Smartphones über Kaffeemaschinen bis zu Taschenrechnern. Eben in alles, was einen Chip hat.
Ich würde mich ja riesig über 4.) freuen. Dass künftig alle Geräte, die einen Chip enthalten – also prinzipiell alle – für deren Besitzer Bitcoins minen, stelle ich mir äußerst reizend vor. Die Bitcoin-Geldschöpfung würde sich so dezentralisieren, und das Netz würde sicherer vor 51-Prozent-Attacken sein. Es wäre darüber hinaus eine echte Pointe der Technikentwicklung, die von keinem geahnt wurde. Oder haben Sie schon mal eine Science-Fiction oder Prognose gehört, dass Dinge durch den reinen Betrieb Geld erzeugen?
Das Einkommen durch solche Chips in Alltagsgeräten wäre selbstverständlich minimal. Ich schätze, ein paar cent je Woche oder Monat. Dennoch wäre einer der wesentlichen Punkte, dass, wenn sich eine solche Technologie von den USA aus durchsetzt, die künftige Bitcoin-Schöpfung komplett nach Amerika fließen würde. Europa würde wohl das Nachsehen haben und sich in 10-20 Jahren wundern, warum alle Bitcoins in den USA gelandet sind.

