Seit kurzem gibt es Binaries für Bitcoin-Classic. Der alternative Client, der laut seinen Entwicklern Satoshis Vision von Bitcoin verwirklicht, möchte die maximale Größe der Blöcke durch eine Hardfork auf 2 MB erhöhen. Darüber hinaus soll Classic die Bitcoin-Entwicklung etwas mehr demokratisieren.
Letzten Endes ist der Unterschied zwischen Core und Classic minimal und man fragt sich, was das ganze Drama soll. Classic ist ein von den Kernentwicklern Gavin Andresen und Jeff Garzik sowie von Jonathan Toomin entwickeltes Update für Bitcoin Core, das genau ein Detail ändert, um das seit mehr als einem Jahr gestritten wird: die Blockgröße. Classic möchte die maximale Blockgröße von 1 MB auf 2 MB erhöhen und damit den Weg frei machen für weiteres Wachstum.
Seit einigen Tagen sind nun die Binaries der zweiten Beta-Version verfügbar. Die Installation ist wirklich leicht, vor allem, wenn man bereits Core installiert hat. Einfach die Dateien ziehen und Bitcoin starten. Hat bei mir keine fünf Minuten gedauert.
Bitcoin Classic wird gewissermaßen eine Abstimmung unter den Minern starten. Wenn genügend Miner dafür sind, wird Classic eine Hardfork einleiten, um die Blocksize zu erhöhen. Eine Hardfork bedeutet, dass es neue Regeln für Bitcoin gibt. Die Knoten, die nicht nach diesen Regeln handeln, sind dann draußen. Bisher gibt rund 500 Classic-Nodes. Gemeinsam mit den XT und Unlimited Nodes macht die „2 MB Partei“ rund 14 Prozent aller Nodes aus, die rund 6.000 an der Zahl sind. Alle anderen Nodes werden ungültig, sofern es zur Hardfork kommt und sie nicht updaten.
Für das Auslösen der Hardfork ist die Anzahl der Classic-Nodes egal. Das einzige, das zählt, sind die Miner. Wer also jetzt schon Classic laufen lässt, macht nicht mehr, als seine Meinung auszudrücken. Ansonsten ist Classic exakt wie Core 0.11.2. Spannender als Classic sind daher die Clients Core 0.12 (noch beta) und Unlimited. Aber dazu ein andermal. Hier nun die Details zu Classic, so wie sie Gavin Andresen beschrieben hat:
- die Erhöhung der maximalen Blockgröße von 1 MB auf 2 MB. Dies ist eine konsens-kritische Änderung, die erst unter bestimmten Umständen in Kraft tritt: Wenn 750 der letzten 1000 Blöcke eine Zustimmung zu dieser Änderung enthalten haben und eine 28-tägige „Grace Period“ verstrichen ist. Das bedeutet, Classic ist zunächst 100 Prozent kompatibel zum Netzwerk und es kann eine Weile dauern, bis eine Hard Fork ausgelöst wird. Falls überhaupt.
- Neue Limits für sigop und sighashes. Diese beiden Limits adressieren das Problem der „Monster-Transaktionen“: Es ist möglich, riesige Adressen zu schreiben, die so viele und so komplexe Signaturen enthalten, dass die Nodes extrem lange brauchen, um sie zu validieren. Da die Dauer der Validierung exponentiell zur Blockgröße wachsen kann, sind für 2MB Blöcke neue Limits notwendig, um zu verhindern, dass eine Monster-Transaktion reihenweise Nodes ausknockt bzw. in den Limbus der unendlichen Validierung schickt.
Technisch ist Classic weitgehend unkritisch. Die Resultate des zweiten Scaling-Bitcoin-Workshops im Dezember 2015 waren, dass das Netzwerk genügend Kapazität hat, um 2 MB Blöcke zu propagieren und zu verteilen. Dass dies die Core-Entwickler nicht bewegt hat, die Blocksize zu erhöhen, war der Auslöser, der zu Classic geführt und dafür gesorgt hat, dass der Vorstoß massiven Beifall von Bitcoin-Unternehmen und Minern gefunden hat. Nachdem Andresen nun das Problem der „Monster-Transaktionen“ gelöst hat, dürfte Classic eigentlich ein sicheres Update sein, das die Kapazität des Netzwerkes in einem Moment erhöht, in dem 1 MB Blöcke zunehmend voll sind.
Politisch hingegen ist Classic äußerst brisant. Zum einen möchte Classic der Community mehr Einfluss auf die Entwicklung geben. Dazu wurde eine consider.it-Seite eingereichtet, auf der User für das weitere Vorgehen stimmen können. Was genau passiert, hängt zwar weiterhin von den Entwicklern ab, doch die Stimme der User bekommt so eine Form und kann zur Leitlinie werden. Zum zweiten stellt sich Classic gegen Bitcoin Core, also die Implementierung, die die absolute Mehrheit der Bitcoin-Entwickler vereint. Core hat in der Roadmap explizit eine Blocksize-Erhöhung für 2016 ausgeschlossen, was Classic zu einem Votum wirtschaftlicher Akteure (Börsen, Miner) und User gegen die Kernentwickler macht.
Insgesamt ist der Streit viel mehr politisch als technisch, während er von Personen ausgetragen wird, die viel mehr Techniker als Politiker sind. Das ist wohl genauso ungünstig, wie wenn Politiker technische Entscheidungen treffen. So wird aus einer an sich harmlosen Sache ein Richtungsstreit, der das Bitcoin-Netzwerk in einer Hardfork zerteilen kann. Es ist lächerlich, dass Core nicht einfach 2 MB Blöcke akzeptiert, aber es ist genauso lächerlich, dass Classic den Fahrplan von Core verwirft, bevor dieser gescheitert ist.
Klar ist aber, dass mit Classic nun eine Lösung zu einer einfachen und weitgehend risikolosen Kapazitätserhöhung da ist und bereit steht. Classic ist nicht – wie manchmal behauptet – ein Coup oder ein Staatsstreich. Classic ist eher die Erweiterung des Bitcoin-Pateiensystem von einer Partei auf zwei Parteien. Ob es nun zur Hardfork kommt oder nicht – dies ist an sich eine gesunde Entwicklung.

