Das Ethereum-Startup Slock.it und der deutsche Energiekonzern RWE sind eine Partnerschaft eingegangen. Sie wollen die Blockchain und Smart Contracts für das Laden von Elektroautos nutzen.
Den Klischees zufolge ist RWE ein Erbe der rheinischen Industrialisierung, der die Energiewende verpasst hat und sich nur für Kohle interessiert. Tatsächlich aber interessiert sich der Energiekonzern durchaus auch für neue Technologien. So liegt etwa in der Elektromobilität für den Produzenten von Strom die Chance, der Erdölindustrie breite Marktanteile abzuknöpfen. RWE ist dementsprechend bereits heute einer der wichtigsten Betreiber eines Ladenetzes für Elektroautos, alle 10-20 Kilometer findet man in Deutschland eine der Ladestationen von RWE. Nun möchte der Konzern gemeinsam mit dem Ethereum-Startup Slock.it aus Berlin die Blockchain nutzen, um den Betrieb der Ladestationen zu verbessern.
Man möchte es nicht glauben, aber eines der Probleme, das Ladestationen heute haben, ist das Bezahlen. Vielleicht liegt es daran, dass es, anders als bei Tankstellen, nicht immer einen Kassierer gibt, sondern oft einfach nur eine Station. So findet man also verschiedene Gutschein- und Kartensysteme sowie Apps. Dies macht es kompliziert, ohne gute Vorbereitung oder viel Plastik im Geldbeutel mit dem durch Deutschland zu fahren, von Europa ganz zu schweigen. Mit der Blockchain könnte man nun ein einheitliches Bezahlsystem schaffen, welches unabhängig von Kassierern, Münzschlitzen oder den Vandalismus-anfälligen EC-Kartenschlitzen ist. Eine Kryptowährung ist im Prinzip die beste Lösung für Automaten. Und, vielleicht am besten: Mit einer Blockchain kann das Auto anstatt der Fahrer mit der Ladestation interagieren und ein Automat kann unabhängig Geld empfangen. „Langfristig sollte ein Auto einen Chip haben, auf dem man Kryptowährungen speichert, und dann selbständig die Bezahlung von Strom abzuwickeln,“ erzählt Christoph Jentzsch.
Für den Gründer von slock.it wird der Einsatz von Kryptowährungen beim Laden von Elektroautos aber auch zum Türöffner für ganz neue Anwendungen. „Die Zukunftsvision von RWE ist es, Elektroautos an roten Ampeln zu laden. Mit einer Induktion kann man so in einigen Sekunden etwas Strom laden und vielleicht in Zukunft im Stadtverkehr komplett aufs Laden an Stationen verzichten.“ Um dies zu realisieren, wäre eine Blockchain extrem nützlich. „Mit einer Blockchain kann das Auto nicht nur kleine cent-Beträge bezahlen, sondern sich auch ausweisen. Wir können damit den ganzen Austausch zwischen Ladestation und Auto automatisieren.“
Diese Automatisierung der Zahlung und Identifizierung kann auch helfen, den Betrieb von Ladestationen erheblich zu vereinfachen. Die bestehenden Zahlungssysteme wie Karten, Gutscheine, Münzen oder Apps bedürfen eines gewissen Betreuungsaufwandes. Mit einer Blockchain kann die Zahlung mühelos automatisiert und ins Digitale ausgelagert werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Blockchain zugleich eine verifizierbare Abrechnung dokumeniert, womit auch die Buchhaltung der Ladestationen automatisiert wird. Solche Vereinfachungen sollen dafür sorgen, dass es in Zukunft leichter wird, eine Ladestation unabhängig vom Netz von RWE zu betreiben. „Die Blockchain kann helfen, die Infrastruktur für die Elektromobilität aufzubauen,“ meint Jentzsch.
Der Gründer und seine Kollegen arbeiten derzeit an einem Prototypen. „RWE hat uns eine Ladestation gegeben, und wir bauen da unsere Technologie ein, so dass man mit Ether Strom kaufen kann. Wenn der Prototyp fertig ist werden wir voraussichtlich in eine Testphase gehen. Ich bin gespannt wie sich das Projekt dann weiter entwickelt.“
Das Startup, das Jentzsch mit einigen weiteren Ethereum-Entwicklern gegründet hat, blickt derzeit goldenen Zeiten entgegen. Denn das Interesse an Ethereum ist gewaltig. Neben RWE ist Slock.it in diesem Jahr bereits eine Partnerschaft mit Samsung und Canonical eingegangen. „Wir wollen einen Ethereum Computer bauen, mit dem man die Smart Devices kontrollieren kann, etwa Türschloss oder Steckdosen. Dafür wollen wir das Betriebssystem Ubuntu Core (auch bekannt als Snappy Ubuntu) von Canonical nehmen, weil es sehr robust auf kleinen Geräten läuft, und dieses auf den Artik-Chip von Samsung bauen. Das ist wie ein Mini-Raspberry Pi, nur besser.“ Für dieses Projekt arbeitet slock.it mit Canonical sowie Samsung zusammen.
Neben diesen Projekten freut sich Jentzsch derzeit auf den sale von token für eine DAO. „Bald wird man sich an den Projekten von slock.it beteiligen können. Wir werden eine dezentrale autonome Organisation gründen, eine DAO, in der man per Wahl entscheidet, was man mit seinen Geld macht, alles über Smart Contracts abgesichert. Die DAO handelt selbständig und unabhängig von Slock.it. Wir machen ihr ein Angebot, und sie kann selbst entscheiden ob sie es annimmt.“ Der sale der Token wird in Kürze beginnen und mit Ether und über shapeshift mit Bitcoin und vielen anderen Kryptowährungen möglich sein.

