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Zwei Bitcoin-Miner in Venezuela verhaftet

Innenstadt von Valenzia. Bild von Periergeia. Lizenz: Creative Commons

Venezuela vs. Bitcoin: Für die Bürger Venezuelas ist der Bitcoin extrem nützlich; aufgrund der tiefen Strompreise boomt das Mining. Der Regierung passt das gar nicht. Sie startet eine Anti-Bitcoin-Kampagne und ließ kürzlich zwei Miner verhaften.

Manchmal heißt es, der Bitcoin sei weniger für die Bewohner der ersten, sondern der dritten Welt gemacht. Während wir Speckmaden-Europäer ein umfassendes Bankensystem, relativ geringe Korruptionsquoten und eine weitgehend stabile Währung genießen, leiden die Bewohner von etwa Venezuela unter einer korrupten Regierung, einer fallenden Währung und harten Kapialkontrollen. Wenn der Bitcoin in solchen Ländern den Bürgern nützt, bedeutet dies zugleich, dass er zum Werkzeug gegen die Regierung wird.

Der Bitcoin dürfte für kein anderes Land der Welt so nützlich sein wie für Venezuela. Das südamerikanische sozialistische Land steckt seit langem in einer tiefen Wirtschaftskrise. Seit Ex-Präsident Chavez Kapitalkontrollen verhängt und den Wechselkur des Venezuelanischen Bolivars (VEF) eingefroren hat, klaffen Wunsch der Zentralplaner und Wirklichkeit immer weiter auseinander: Auf dem Dollar ist der Schwarzmarkt um bis zu 100 Mal teurer als die offiziellen Quoten behaupten. Daran ändert auch ein sanfter Kurswechsel von Präsident Maduro nichts. Der neue, als etwas liberaler geltende Präsident hat den Bolivar auf 10 Dollar-cent abgewertet.

Auf dem Schwarzmarkt hingegen kostet ein Dollar gerne 1000 Bolivar. Die tatsächliche Inflation des Bolivars betrug 2015 rund 270 Prozent, Schätzungen gehen davon aus, dass sie 2016 mehr als 700% erreichen. Langsam darf man dies Hyperinflation nennen. Ein Bild, das ein venezuelanischer Bitcoin-User auf bitcointalk gepostet hat, veranschaulicht dies – so viel Papier waren 2015 0,03 btc in Venezuela:

Bitcoin ist für die Venezoelaner aus mehreren Gründen äußerst nützlich: Erstens können sie mit ihm der Inflation entkommen. Zweitens dient der Bitcoin, wenn keine Dollar verfügbar sind, als Mittel, um die Kapialkontrollen zu unterlaufen und / oder Güter im Ausland zu bestellen. Und drittens – und vielleicht am interessantesten – ist das Bitcoin-Mining in Venezuela eine hochprofitable Angelegenheit. Denn wenn es eines gibt, was in dem südamerikanischen Land nicht mangelt, dann ist es Energie. Berichten zufolge hat Venezuela die niedrigste Strompreisen der Welt.

Mining-Farm in Venezuela. Quelle: Venbitcoin.com

Ein Artikel im Bitcoin-Magazine vom 6. Januar 2016 berichtet, dass man in Venezuela für 320 Kilowattstunden rund 6 Dollar-cent bezahlt. Der Betrieb einer Mining-Anlage mit 1 Petahash bringt im Monat eine Stromrechnung von 20 Dollar. Das ist, verglichen mit den Strompreisen in Deutschland, nichts. Wenn man noch dazurechnet, dass das Durchschnittseinkommen in Venezuela unter 20 Dollar im Monat liegt (berechnet nach dem Schwarzmarktpreis für Dollar), dürfte klar sein, dass sich das Mining mit ganz normalen Grafikkarten mehr lohnt als ein Vollzeitjob. Dasselbe gilt für den Verkauf von Signaturen in Foren, das Nutzen von Faucets, das Verdienen mit SearchTrade und, wenn es mal soweit ist, das Verkaufen von Rechenleistung über den 21.com API Marktplatz.

Kursverlauf Bitcoin vs Bolivar. Quelle: Bitcoinity.org

Kein Wunder boomt Bitcoin in Venezuela. Das Handelsvolumen auf localbitcoins hat sich im letzten halben Jahr verdreifacht, der Preis eines Bitcoins ist seit Mai 2015 von 100.000 auf 450.000 Bolivar gestiegen (was den Schwarzmarktpreis des Bolivars perfekt wiederspiegelt). Bitcoin ist nicht nur ein gutes Mittel, um den günstigen Strom in hartes Geld umzuwandeln, sondern auch das oft einzige Zahlungsmittel, mit dem man Bitcoin-Miner im Ausland bestellen kann, um noch mehr Energie in Geld zu verwandeln.

Das Handelsvolumen auf localbitcoin.com in Bolivar. Quelle: Coin.Dance

Der Regierung scheint dies gar nicht zu passen. Anstatt den logischen Schritt zu gehen, selbst Bitcoins zu minen oder riesige Bitcoin-Mining-Farmen zu subventionieren, startet die Regierung eine Kampagne gegen Bitcoins. Schon vor einigen Monaten hat der größte und sich im Staatsbesitz befindende Internetprovider des Landes zahlreiche Bitcoin-Internetseiten blockiert. Nun hat der staatlichen Senders Corporación Venezolana de Televisión auf seiner Webseite einen Artikel veröffentlicht, der Bitcoin als Währung der Cyberkriminellen und Terroristen darstellt. In Venezuela werde der Bitcoin für Steuerflucht und Geldwäsche verwendet und, grundsätzlich, um der venezuelanischen Wirtschaft zu schaden – was angesichts der Rolle der Regierung im Einbruch der Wirtschaft etwas scheinheilig daherkommt.

Während die rechtliche Situation rund um den Bitcoin in Venezuela noch nicht eindeutig ist, mussten zwei Miner kürzlich erfahren, dass sich dies nach Willkür ändern kann. Das venezuelanische Online-Magazin Notitarde.com berichtete am 17. März, dass der venezuelanische Geheimdienst (Sebin) zwei Miner in Valencia, der Hauptstadt des Bundesstaates Carabobo, verhaftet haben. Sie werden „illegelager elektronischer Aktivitäten“ („illicitos electronicos“) angeklagt. Der Geheimdienst hat mehrere Computer-Server sowie vier Laptops beschlagnahmt.

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