Gestern Abend hat Lisk das Mainnet gestartet. Damit ist die Blockchain, die dezentrale Anwendungen (Dapps) auf Sidechains bringen will, online. Die Freigabe der vorverkauften Token hat erwartungsgemäß zu Kurs-Turbulenzen geführt.
Manche Blockchain-Projekte demonstrieren noch vor dem Start, dass es auch ohne Banken geht. Lisk hat im Frühjahr allein durch den Verkauf von Token mehr als 10 Millionen Euro in Bitcoin eingesammelt, um eine Blockchain zu entwickeln, die Dapps auf Sidechains bringt. Konzeptionell führt Lisk das Krypto-Projekt Crypti fort, das die Miner durch 99 Delegierte ersetzt hat, die ohne Proof-of-Work Blöcke bilden.
Gestern Abend ging die Main-Blockchain dann online. Diejenigen, die sich im Crowdsale Token gekauft haben, können diese nun versenden, indem sie sich mit ihrer Passphrase einloggen. Teilweise hängt das Überweisen in der Wallet auf lisk.io. In diesem Fall hilft es, die Wallet über die IP-Adresse 37.97.177.81:8000 anzusteuern und den Add-Blocker auszuschalten.
Neben einer Webwallet gibt es auch eine Wallet für den PC. Die Installation ist gut dokumentiert und gelingt auch auf Linux problemlos. Das graphische Interface hat bislang noch etwas wenig Funktionen. So vermisse ich etwa eine command line wie in Core oder die Möglichkeit, private Schlüssel zu exportieren. Dapps enthält die Wallet noch nicht, und mir ist auch nicht ganz klar, wie und wo man sie installieren kann. Für Programmierer gibt es eine umfangreiche Dokumentation, der zufolge jeder, der NodeJS und Html/CSS/Javascript beherrscht, Dapps entwickeln kann. Die Doku listet einige Beispiele für Dapps wie eine Messanger-App.
Auf den Märkten hat Lisk für Turbulenzen gesorgt. Kurz vor dem offiziellen Launch hat Lisk in einer Pressemitteilung angekündigt, dass die Lisk-Token derzeit einen Wert von 2,5 Dollar je Einheit haben, womit Lisk eine Marktkapitalisierung von 250 Millionen Dollar aufweist – und damit zur drittwertvollsten Kryptowährung wird. Noch bevor es sie überhaupt gibt.
Dass die Märkte dies bestrafen, war eigentlich klar. Kurz nach dem Launch stieg der Kurs der im Crowdsale für etwa 0,0002 Bitcoin verkauften Token auf bis zu 0,017, um danach auf gut 0,0006 Bitcoin abzustürzen – was aber immer noch deutlich über dem ursprünglichen Preis liegt. Für einige Zeit stand auch das Netzwerk still, was Transaktionen eingefroren hat. Grund war angeblich ein koordinierter DoS-Angriff.
Lisk/Bitcoin: Der 24-Stunden-Chart zeigt, wie sich der Kurs kurz aufschwingt, um danach sehr tief zu fallen. Wer gestern Abend gekauft hat, schaut in die Röhre.
Gehandelt werden Lisk derzeit mit nennenswertem Volumen auf BloomBit und YoBit. Ich habe YoBit ausprobiert und war einigermaßen zufrieden. Wie bei allen Altcoin-Märkten sollte man diese jedoch in keinem Fall als Wallet benutzen, sondern nur die Beträge dorthin überweisen, die man zum direkten Traden verwenden möchte.
Update: Max Kordek, CEO von Lisk, kommentiert den Launch:
Nach einem etwas holprigen Start, bei dem unser zur Verfügung gestellter Weblogin mit einer massiven DDoS Attacke lahmgelegt wurde, können wir rückblickend sagen: Unser Netzwerk, was natürlich komplett unabhängig von einem einzelnen Weblogin ist, läuft seit Launch perfekt. Es gab nicht einen Fork und mit 350 Peers haben wir schon jetzt ein gut funktionierendes, dezentrales System.

