Was für eine Achterbahnfahrt. Vor kaum einer Woche stand der Preis noch bei über 1000 Euro, jetzt darf man froh sein, wenn er nicht unter 700 Euro fällt. Schuld an diesen Turbulenzen ist vermutlich die Chinesische Zentralbank, die es diesmal ernst meint mit der Regulierung der Börsen.
Es hätte so schön sein können. Aber wie so oft, folgt auf die Party der Kater und auf den Höhenrausch der Absturz. Bitcoin war auf mehr als 1.000 Euro, aber wie es aussieht, war diese Höhe so fragil, dass ein leichtes Pusten der Chinesischen Volksbank ausreichte, um das Kartenhaus einstürzen zu lassen. Ein Banker in China wirft einen Sack Reis um, und die ganze Welt denkt, Bitcoin wäre kaputt.
Aber beginnen wir mit dem, was wirklich passiert: Den Aktionen der Chinesischen Volksbank, kurz PBOC, People’s Bank of China. Die geht nämlich dieses Mal über bloße Ankündigungen hinaus und beginnt, wirklich zu regulieren. Während die EU und die USA der Regulierung einen jahrelangen Prozess der Gesetzgebung voranstellen, schickt die Zentralbank Chinas kurzerhand Mitarbeiter zu den drei großen Chinesischen Börsen — BTCChina, Huobi und OKCoin –, die ab dem 11. Januar „Feld-Inspektionen“ durchführen.
„Das Ziel ist, festzustellen, ob die Börsen, auf denen Bitcoin und Litecoin gehandelt wird, den Gesetzen und Regeln gerecht werden, unter anderem hinsichtlich der Geldwäsche und der Regulierung von fremdem Börsen und Plattformen,“ so die Ankündigung der PBOC Beijing, wo OKCoin und Huobi sind. Konkreter wird die PBOC Shanghai, dem Sitz von BTCChina (kurz BTCC): „Hauptsächlich geht es darum, zu kontrollieren, ob BTCC 1) über die standesgemäßen Reichweite hinaus operiert und Kredite vergibt, Zahlungen prozessiert oder fremde Währungen tauscht, 2.) den Markt manipuliert, 3.) alle Anti-Geldwäsche-Gesetze beachtet und 4.) Löcher in der Sicherung von Guthaben hat.“
Per twitter kommentiert BTCC, dass „alles gut“ sein. „Nur ein Treffen“.
all good! Just meetings.
— BTCC (@BTCCexchange) January 11, 2017
Genauer, so BTCC, in einer fünfteiligen Twitter-Nachricht:
1/ Eine Gruppe von Regulierern, bestehend aus dem Shanghaier Zweig der PBOC, dem Büro für Finanzangelegenheit von Shanghai und anderen regierungsnahen Agenturen besuchte BTCC
2/ Während des Besuchs haben wir frühere Diskussionen fortgesetzt und Details über unser Geschäftsmodell und unsere Operationen geteilt.
3/ Wir erwarten, dass noch weitere Treffen in dieser Woche folgen werden.
4/ Alle Operationen von BTCC sind normal und wir werden weiterhin aktiv mit den Regulierern zusammenarbeiten, um konform mit den Regeln zu bleiben.
5/ Bis dahin fordern wir unsere Kunden auf, Nachrichten, die über den Besuch spekulieren, mit einer rationalen und vorsichtigen Perspektive zu begegnen.
Und Bobby Lee, Geschäftsführer von BTCC, twitterte, dass er sich freut, dass er endlich offen über diese Dinge reden kann:
Very excited that we can finally openly talk about & acknowledge these important mtgs!
Road to successful Bitcoin regulation is always long. https://t.co/7kyFCFBGAM— Bobby Lee – Ballet: World's EASIEST Cold Storage! (@bobbyclee) January 11, 2017
Auch das chinesische Bitcoin-Portal 8BTC versucht, beruhigend auf die Community einzuwirken: „Diese Nachricht sollte nicht dahingehend missverstanden werden, dass China Bitcoin verbietet oder eine Razzia bei Börsen macht. Es ist ein starkes Signal, dass die Regierung von China den Markt regulieren möchte.“ Allerdings sind alle drei großen chinesischen Börsen, so 8BTC, dafür bekannt, „Handelsvolumen zu fälschen und zu große Hebel anzubieten.“ Daher gebe es die Möglichkeit, „dass die drei Börsen eine Geldstrafe erhalten oder den Betrieb aussetzen müssen, bis sie allen Gesetzen und Regularien gerecht werden.“ Wenn die PBOC vorhabe, die Börsen zu guten Praktiken zu zwingen, sei dies ein begrüßenswerter Zug.
Das Newsportal spekuliert noch über eine andere Möglichkeit. „Laut China Stocks, einem Magazin der offziellen Medien, hält die PBOC die Kommunikation mit den drei Börsen aufrecht, um die Möglichkeit zu diskutieren, eine dritte Partei als Verwalter einzuschalten“ (third party custodian). Hierfür gibt es allerdings noch keine offiziellen Verlautbarungen. Ein solches Vorgehen würde bedeuten, „dass sowohl die Börsen als auch die Investoren ein Treuhandkonto (custodial account) bei dem Institut haben, das das Settlement der Transaktionen der Börsen übernimmt, wodurch die Geldströme die Börsen umgehen und verhindert wird, dass die Börsen die Kundengelder für andere Zwecke verwenden.“Es wäre nicht das erste Mal, dass die PBOC solche Maßnahmen einsetzt, um etwa P2P-Kreditplattforme zu regulieren.
Der Markt reagiert, trotz allem, wenig erfreut. Genau genommen waren die letzten 24 Stunden ein Schlachtfest, in denen der Kurs in vier bis fünf Einbrüchen um fast 150 Euro gefallen ist. Das Vertrauen, dass die chinesischen Börsen den Regularien entsprechen, scheint eher gering zu sein, wie auch die Märkte möglicherweise annehmen, dass ein gemäß chinesischen Regeln regulierter Bitcoin ungefähr ein Drittel weniger wert ist als ein unregulierter Bitcoin.
Vielleicht steht hinter dem Crash auch die Frage, ob die PBOC die Treuhand-Lösung durch eine dritte Partei nicht nur auf Yuan-Überweisungen, sondern auch auf Bitcoin-Transaktionen anwenden will, dass also, wie es bereits bei diversen Dollar-Börsen geschieht, eine dritte Partei für Ein- und Auszahlungen von Bitcoins sowie deren Speicherung verantwortlich ist. Dieses Verfahren stellt bereits jetzt eine kaum mehr hinnehmbare Zentralisierung dar. Sollte sich eine Institution unter Kontrolle der Zentralbank Chinas tatsächlich zum Treuhänder über Bitcoin-Transaktionen erheben, könnte dies in der Tat Grundwerte der Kryptowährung angreifen.
Aber derzeit besteht noch kein Anlass, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

