Möglicherweise wird Balaji Srinivasan, Chef des Bitcoin-Startups 21.co, Leiter der amerikanischen Lebens- und Arzneimittelaufsicht. Überhaupt finden sich im Team des angehenden Präsidenten Donald Trump überraschend viele Fans von Bitcoin und Blockchain.
Ab einem gewissen Level ist Erfolg nicht zwingend Voraussetzung für mehr Erfolg. So wie zahlreiche Supermanager ungeachtet ihrer (Mis-)Erfolge an die Spitze anderer Unternehmen berufen werden, nachdem sie mit hohen Abfindungen ihren bisherigen Arbeitgeber verlassen, so muss ein Serienunternehmer wie Balaji Srinivasan keine Erfolge vorweisen, um sich für höhere Weihen zu qualifizieren.
Vor kurzem hat der angehende US-Präsident Donald Trump erklärt, dass der Gründer und Chef des Bitcoin-Unternehmens 21.co möglicherweise Leiter der Food and Drug Administration wird. Die FDA abgekürzte Behörde ist für Lebensmittelüberwachung sowie die Zulassung von Arzneimitteln zuständig.
Entscheidend für die Kandidatur dürften kaum Srinivasans Erfolge mit dem von ihm gegründeten Bitcoin-Startup 21.co gewesen sein. Zwar gelang des dem Unternehmer, mit 116 Millionen Dollar die bis dato höchste Kapitalspritze für die Unternehmung zu erhalten, einen speziellen Mining-Chip in alle Geräte zu bringen, doch das, was es letztendlich lieferte, blieb weiter unter den Erwartungen.
Der 21-Bitcoin-Computer ist ein überteuerter Raspberry, dessen implementierter Mining-Chip in der Regel nicht einmal die Stromkosten einspielt; die Plattform, durch die 21.co den Handel mit Mikrodienstleistungen von Computern gegen Bitcoins eröffnen möchte, stagniert größtenteils; die Software, um Computerleistung zu kaufen oder zu verkaufen, ist weiterhin im Alpha- oder Betastadium; und auf dem Blog hat die Firma seit Juni 2016 nichts Neues mehr angekündigt. Sieht nicht nach der Revolution aus, die Srinivasan den Investoren versprochen hat, und vielleicht sind die schleppenden Erfolge der Grund, weshalb er sich eine neue Aufgabe ohne Bitcoins sucht.
Für den Job als Leiter der FDA qualifiziert sich Srinivasan weniger durch Erfolge mit 21.co als durch seine vorherigen Unternehmungen sowie seine politische Haltung. So hat der Unternehmer zuvor die Biotech-Firma Counsyl mitgegründet und geholfen, einen Test zu entwickeln, mit dem noch während der Schwangerschaft geprüft werden kann, ob ein Kind am Down-Syndrom oder anderen schweren, genetisch bedingten Behinderungen leiden wird. Srinivasan ist zudem für seine liberale Einstellung bekannt, die er bevorzugt über ein Medium kundtut, das auch dem angehenden US-Präsidenten gefällt: twitter. Mit der Nominierung für die Leitung der FDA hat Srinivasan allerdings seine bisherigen Tweets gelöscht. Viele davon sind jedoch nach wie vor über archive.is zu finden; das Magazin Gizmode zitiert einige von ihnen, aus denen hervorgeht, dass Srinivasan die Behörde für Arzneimittelzulassungen vor allem als Hemmschuh für Innovationen ansieht und ihr am liebsten die Zähne ziehen würde.
Diese liberale bzw. libertäre Einstellung sowie eine gewisse Bekanntschaft in Unternehmer-Kreisen scheint die wichtigste Qualifikation von Srinivasan zu sein. Er ist nicht der erste Bitcoin-freundliche Kandidat, den der künftige Präsidenten für hohe Ämter nominiert. So hat Trump den deutschstämmigen Milliardär, PayPal-Gründer und Investor Peter Thiel in das „Presidential Transition Team Executive Committee“ geholt. Thiel hatte schon zuvor mehr als eine Million Dollar für Trumps Wahlkampf gespendet. Für ihn hat Bitcoin mit der Schaffung einer neuen Währung das erreicht, was PayPal nicht geschafft hat; er schreibt der Kryptowährung des Potenzial zu, die Welt zu verändern, und hat mehrere Millionen in den Bitcoin-Payment-Processor BitPay und – obacht: Balaji Srinivasans 21.co investiert.
Am vielleicht deutlichsten Pro-Bitcoin ist jedoch der von Trump als Chef des Office of Management and Budget nominierte Mick Mulvaney. Der Republikaner hat bereits gelobt, dass Bitcoin nicht durch den Staat manipuliert werden kann; er hat mit dem Abgeordneten Jared Polis „Bitcoin Caucus“ gegründet, eine Initiative, die Bitcoin in Washington bekannt machen soll; nachdem er und Polis seit zwei Jahren mit der Lobbygruppe Coin Center kooperieren, rühmt ihn diese als „vorwärts schauenden Anführer.“ Neben Bitcoin hält Mulvaney große Stücke auf die „Blockchain-Technologie“, der er das Potenzial zuschreibt, „die Finanzindustrie, die US-Wirtschaft und die Bereitstellung von Regierungsdienstleistungen zu revolutinieren.“
Auch die Tech-Unternehmer Elon Musk (Tesla), Travis Kalanick (Uber) und Indra Nooyi (PepsiCo), die Trump zu Strategie-Beratern berufen hat, scheinen offen für Bitcoin zu sein. In jedem Fall erkennen sie das Potenzial der Blockchain-Technologie. Ob Donald Trump für die Welt und die USA eine gute Nachricht ist, ob Srinivasan eine gute Wahl für ein Amt ist, oder nicht, ist die eine, offene Frage. Hingegen scheint klar zu sein, dass die Präsidentschaft Trump für Bitcoin und Blockchain eher keine Katastrophe werden wird.

