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ENS versteigert neue Adressen für Ethereum

Das Ethereum Name System (ENS) verteilt derzeit ENS-Adressen wie exchange.eth, die man anstelle der bisherigen public keys benutzen kann. Ein Smart Contract auf der Blockchain vergibt diese Adressen und löst sie auf. Das Top-Gebot für eine Adresse liegt derzeit bei 6.660 Ether, was rund eine halbe Million Euro ist.

Wer schon einmal Ether versendet hat, weiß, dass die Ethereum-Adressen nicht eben einfach zu merken sind. Eine ziemlich lange Folge von zufälligen Hexadezimalzahlen, die mit 0x beginnen. Zum Beispiel, willkürlich bei Etherscan.io angeklickt:

0x52bc44d5378309EE2abF1539BF71dE1b7d7bE3b5

Eine Prüfsumme gibt es nicht, weswegen es, anders als bei Bitcoin oder der IBAN-Nummer, leicht möglich ist, sich zu vertippen. Mit dem Ethereum Name System (ENS) kann man diese Adressen nun in besser lesbare Adressen übersetzen. Beispielsweise „bergmann.eth“, „bundeskanzlerin.eth“ oder „gebuehrenzentrale.eth“. Erlaubt ist alles, was – bisher – mindestens 7 Buchstaben hat und mit „.eth“ oder „.test“ endet.

Das ENS ist kein Domain System im eigentlichen Sinne des Worten. Es wird nicht von der ICANN vergeben und ist daher auch kein Anrecht auf eine echte „.eth“ Top Level Domain im World Wide Web. Die Ethereum-Browsern wie Mist oder Metamask können die ENS-Adressen jedoch in vergleichbarer Weise verwenden. Etwa indem sie Geld oder Token an diese anstatt an die bisherigen Adressen senden.

Wie es funktioniert

Das ENS ist keine Organisation, sondern ein Smart Contract, der auf der Ethereum-Blockchain automatisch ausgeführt wird. Der „Registrar“ genannte Vertrag definiert die Regeln, wie die ENS-Adressen vergeben werden. Er besteht ferner aus zwei Teilen: Einem Register, in welchem eingetragen ist, wer welchen Namen mit welchem Account / Contract hält, und einem Resolver, der die bisherige Adresse in die neue, besser lesbare übersetzt.

Hinter dem ENS Contract steht ein Team von mehreren Entwicklern aus dem Umfeld der Ethereum Foundation. Sieben von ihnen (damit beauftragte) teilen per Multisig den Masterkey, mit dem man die Regeln des Vertrags erweitern kann.

Wie die Adressen vergeben werden

Der Registry-Contract verteilt die Adressen automatisch nach bereits definierten Regeln. Die Adressen werden weder verkauft noch verliehen noch verpachtet. Stattdessen hinterlegt der Adressnehmer lediglich einen vorher gebotenen Betrag Ether.

Der genaue Prozess ist relativ kompliziert. Wer mitmachen will, sollte ihn sich unbedingt in Ruhe durchlesen. Er dauert fünf Tage und umfasst mehrere Transaktionen in einem „blinden“ Auktionsverfahren. Es läuft etwa so ab: Der User eröffnet eine öffentliche Auktion für einen Namen, den er möchte. Jeder, der interessiert ist, kann drei Tage lang mitbieten, indem er eine spezielle Transaktion sendet, danach erfolgt eine zweitäge Phase, in der die Teilnehmer ihr Gebot öffentlich enthüllen müssen. Der mit dem höchstem Gebot wird Registrant, hinterlegt aber das Gebot des Zweiten.

Danach enthält der Sieger der Auktion die Reche, die Domain zu benutzen, Subdomains anzulegen und weitere Ethereum-Adressen damit zu verbinden. Nach Ablauf eines Jahres kann der ENS-Domain-Besitzer die Domain wieder auf den Markt werfen und die deponierten Ether zurückziehen.

Noch sind nur wenige Domains zu erwerben. Die Suche im ENS-Registrar zeigt: Die Domain bitcoinblog.eth wird erst in 26 Tagen verfügbar sein, die Domain etherking.eth hingegen schon in 4 Tagen. „Das ENS Team schlug einen weichen Launch vor, und die Root-Keyholder haben es akzeptiert,“ erklärt Entwickler Chris Remus zum Launch, „Ein Ergebnis ist, dass nicht alle Domain Namen zur selben Zeit verfügbar sind.“ Die Namen werden im Lauf von 8 Wochen freigeschaltet. In der Registrar-Suche kann man herausfinden, ob der gewünschte Name schon verfügbar ist.

Auf auf beliebten Onlinewallet MyEtherWallet kann man Domains suchen und wohl auch schon benutzen.

Erste Adressen und Rekorde

Die erste Adresse, die registriert wurde, heißt rilxxlir.eth. Die Übersicht bei codetract.io zeigt, was seitdem passiert ist: 10 Prozent aller möglichen Namen sind freigegeben, 14.000 Auktionen haben begonnen, 6.000 Gebote wurden eingereicht und rund 70.000 Ether hinterlegt. Es passiert etwas. Die ersten 111 Domains sind schon vergeben.

Für 200 Ether (etwa 16.000 Euro) wurden die Domains bitfury.eth und bittrex.eth gesichert, für 150 Ether hat sich jemand die Domain zhifubao geholt, was Alipay auf chinesisch heißt. Alipay ist das PayPal Chinas. Unter den laufenden Auktionen ist exchange.eth mit 6.660 Ether (gut eine halbe Million Euro) auf klarem Rekordkurs, aber auch mozilla.eth (200 Ether) und foundation.eth (300 Ether) sind gut dabei. Und überraschenderweise finden wir auch die huffingtonpost.eth mit mehr als 100 Ether.

Auf eine gewisse Weise sind die Auktionen ein Nobrainer, sofern man weiß, was man macht und keine Ether versenkt. Denn die Ether sind ja nicht weg, sondern nur für ein Jahr eingeschlossen, wie ein Geldmarktkonto oder so. Wer sowieso vorhat, Ether für ein Jahr zu bunkern, risikiert nicht viel, bekommt aber dafür eine Domain, die er entweder selbst nutzen oder lukrativ weiter verkaufen kann. Sofern man eben weiß, was man macht.

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