Nun hat es Bitcoin wieder in die Lokalpresse geschafft. Ein Rentner hat versucht, Supermärkte zu erpressen und Bitcoins zu kassieren. Das Projekt ging, natürlich, in die Hose, und der 74-Jährige wird neben finanziellen Sorgen auch noch rechtliche Probleme bekommen.
Tja. Hätte meine liebe Lokalpresse vor zwei oder drei Jahren den einen oder anderen positiven, oder auch nur interessierten Artikel über Bitcoin geschrieben, wären vermutlich einige Einwohner meiner Stadt ein Stückchen reicher. Vielleicht müsste der eine oder andere Rentner keine Flaschen sammeln, um Medikamente zu bezahlen. Ist aber nicht passiert, und wie so oft schafft es Bitcoin nur dann in die Lokalzeitung, wenn Verbrechen im Spiel sind.
Aktuell geht es um einen Rentner, der versucht hat, Haribo, Lidl und Kaufland zu erpressen. Der 74-jährige Dortmunder hatte gedroht, Lebensmittel zu vergiften und dafür eine Million Euro in Bitcoins verlangt. Um die Drohung zu unterstreichen, hatte er sogar Löcher in die Verpackungen von Gummibärchen, Pizzas und Pommes gebohrt und einen Zettel darauf geklebt, auf dem stand „Vorsicht Gift!“.
Der Rentner ging sogar soweit, sich im „Darknet“ Zyankali zu bestellen. Dieses wollte er jedoch nicht einsetzen, um die Lebensmittel wirklich zu vergiften, aber als Entschlossenheits-Beweis an die Unternehmen senden. Die Zyankali-Lieferung für 60 Euro kam allerdings niemals an. Erwischt wurde der Erpresser schließlich, weil die E-Mail-Adresse, mit denen er die Lebensmittelfirmen anschrieb, zu seiner IP-Adresse führten.
Aber selbst mit einer anonymen E-Mail-Adresse wäre das Erpressungs-Projekt ein Griff ins Klo gewesen. Denn Bitcoins sind, wie wir hier nochmal erwähnen müssen, NICHT anonym. Einen Grad an Anonymität zu erreichen, mit dem Erträge aus einem Kapitalverbrechen wie Lebensmittelvergiftungs-Erpressung verschleiert werden, dürfte weit jenseits der Fähigkeiten eines 74-Jährigen liegen, der seine IP-Adresse in einer E-Mail verrät und meint, im Darknet wirklich Zyankali bestellen zu können. Falls es überhaupt möglich ist. Spätestens beim „Auscashen“, also der Umwandlung der Bitcoins in Euro, wäre er auf die eine oder andere Weise erwischt worden.
Viel skandalöser und himmelsschreiender als der Fakt, dass mittlerweile sogar Rentner versuchen, Bitcoins für Erpressungen zu verwenden, dürfte jedoch der Grund für die Tat sein: Der Rente hat zum Leben nicht gereicht. Laut eigener Aussage erhielt der Dortmunder eine Rente von 180 Euro. Ja, richtig gelesen, da fehlt keine Null. 180 Euro. In derselben Ausgabe der Lokalzeitung wird übrigens ein ehemaliger Richter dafür gelobt, dass er für „nur 5.000 Euro im Monat“ einen Ausschuss für den Stuttgarter Landtag berät, der über eine Pensionserhöhung der Politiker im Ländle entscheiden soll.
Jeder hat eben seinen eigenen Finanzstil, wenn das Berufsleben vorbei ist. Unsere Renter sah sich eines Tages nicht mehr in der Lage, beim Arzt die Rezeptgebühr zu bezahlen. Er hatte noch 3,41 Euro im Geldbeutel. In diesem Moment beschloss er, sein Monatsbudget mit Bitcoin-Erpressung aufzustocken. Das traurige Ende der Geschichte ist bekannt.

