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Zinsen für Kryptowährungen und Stablecoins: Viel höher als bei der Bank

"Sparschwein mit Geld - Zoom". Bild von Christoph Scholz via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Zinsen, die die Bank für Euro-Guthaben bezahlt, sind ziemlich niederschmetternd. Wer dagegen Kryptowährungen hält, kann Zinsen erhalten, von denen man bei der Bank nur träumen kann. Das Monopol auf den Geldmarkt, an das die Banken gewohnt sind, ist damit offiziell gebrochen.

Ja mei. Bei den Zinssätzen kann man es gleich. Wer heute Geld bei der Bank mit einem Sparbuch anlegt, bekommt, wenn es gut läuft, jämmerliche 0,5 Prozent. Bei den meisten Banken kann man sogar froh sein, wenn man 0,1 Prozent bekommt. Wenn ihr also 10.000 Euro anlegt, bekommt ihr dafür Zinsen von im allerbesten Fall 50 Euro im Jahr.

Wer heute seine Euro für sich arbeiten lassen will, muss Aktien oder Anleihen kaufen. Für die meisten ist das zu riskant und zu kompliziert. Wer kennt sich schon gut genug mit den Unternehmen aus, um in sie zu investieren? Und wer weiß, wann es wieder eine Corona-artige Krise gibt, die in einer Woche mal 10-20 Prozent des Kapitals vernichtet? Ohnehin lohnen sich Aktienkäufe nur, wenn man größere Summen investiert, weil ansonsten die Broker-Gebühren zu viel wegfressen. Und wer dann alles auf ein Papier setzt, um Gebühren zu sparen, erhöht sein Risiko.

Dieses System ist schreiend ungerecht. Investieren lohnt sich nur, wenn man größere Summen hat und wenn man sich auskennt. Diejenigen, die sechs- oder siebenstellige Beträge investieren, verdienen an ihrem Kapital weiterhin ordentlich – während diejenigen, die nicht so viel auf der hohen Kante liegen haben, sehen dürfen, wo sie bleiben. Dass dadurch die Ungleichheit weiter steigt, ist eigentlich selbstverständlich.

Glücklicherweise könnt ihr diesem System mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen entkommen. Sobald ihr aus der Komfortzone „Bankkonto“ rausgeht, könnt ihr plötzlich Zinssätze erhalten, von denen euer Bankberater nicht mal zu flüstern wagt.

Ihr gebt damit natürlich den Einlagenschutz auf, und es könnte, im schlechtesten aller Fälle, dazu kommen, dass ihr alles verliert. Das sollte euch klar sein.

Im Folgenden stelle ich euch ein paar Methoden vor, durch die ihr Geld im Kryptomarkt verzinsen könnt.

4%: Bitwala verzinst Bitcoins

Das Berliner Bitcoin-Startup Bitwala hat vor kurzem Zinsen für Bitcoins eingeführt. Bitwala ist die weltweit erste und einzige Zusammenführung eines Bankkontos und einer Bitcoin-Wallet. Wer darin Bitcoins liegen hat, kann diese investieren und erhält dafür Zinssätze von derzeit rund 4 Prozent im Jahr. Ausgezahlt werden die Zinsen einmal wöchentlich in Bitcoins, das Investment ist jederzeit kündbar.

Wer also bei Bitwala 10.000 Euro in Bitcoin investiert, erhält nicht wie auf der Bank 20-50 Euro, sondern eben mal 400 im Jahr. Das ist attraktiv, oder? Anders als beim Euro-Guthaben bei Bitwala gilt hier natürlich nicht die Einlagensicherung. Man kann bei Bitwala zwar auch direkt Euro einzahlen und dort Bitcoins kaufen, aber die Gebühren sind relativ hoch. Deutlich günstiger ist es, die Bitcoins bei Bitcoin.de zu kaufen und dann auf das Bitwala-Konto zu überweisen, um sie dort verzinsen zu lassen.

Wie schafft Bitwala das? Die Antwort liegt im Celsius-Netzwerk.

3 zu 10%: Direkt beim Celsius Netzwerk

Prinzipiell kann man sich auch direkt beim Celsius-Netzwerk anmelden. Denn über dieses legt Bitwala die Kunden-Bitcoins an. Celsius ist ein britisches Startup, das eine Wallet für viele Kryptowährungen anbietet – und die Coins, die darin liegen, auf Kundenwunsch verzinst. Möglich ist es, die Celsius-Wallet mit einigen der wichtigsten Kryptowährungen aufzuladen, etwa mit Bitcoin, Ethereum, Ripple, Stellar, Bitcoin Cash und Dash, sowie mit allen gängigen Stablecoins, von Tether über USDC und Paxos zu Dai.

Anschließend bekommt man hübsche Zinssätze für die Coins. Für Bitcoin sind es heute 4 Prozent, für Ether 3,82, für Dash sogar mehr als 6. Richtig lukrativ werden jedoch Stablecoins. Wer Tether, Paxos oder USDC in seiner Wallet hat, bekommt dafür satte 8,69 Prozent Zinsen im Jahr. Optional kann man sich die Erträge in Celsius-Token (CEL) auszahlen lassen, wodurch sich die Verzinsung um weitere 2-3 Prozent erhöht. Noch besser als die Zinssätze sind die Konditionen: Es gibt keine Mindestsumme, und man kann jederzeit kündigen.

Wie macht Celsius das? In einem Blogpost erklärt das Startup, dass es kein „magisches Geheimnis“ gäbe. Denn Banken könnten ebenfalls so hohe Zinsen bezahlen, doch „sie wollen es einfach nicht“. Warum sollten sie auch, wenn die Kunden ihnen ihr Geld zu Minimal-Zinsen anvertrauen, während sie den Großteil der Profite für sich behalten? Wenn Banken Geld verleihen, verlangen sie in der Regel einen Zinssatz von 14-25 Prozent. Der absolute Großteil davon fließt an die Aktionäre, während die Sparer nicht einmal 10 Prozent davon erhalten. Celsius dagegen zahlt 80 Prozent der Zinsen an die Sparer aus, während sie Geld zu den bei Banken üblichen Konditionen an „Hedge Fonds, Börsen und institutionelle Trader“ ausleihen, in Form von „Asset-Backed Loans“ mit durchschnittlich 9 Prozent Verzinsung.

Anstatt Bitwala könnte man natürlich auch direkt bei Celsius Geld verleihen. Vor allem Stablecoins sind eine attraktive Variante, da man hier nicht die Volatilität von Kryptowährungen in Kauf nehmen muss und zudem bessere Zinssätze bekommt. Wer aber lediglich Bitcoins verzinsen will, ist mit Bitwala gut beraten. Das Startup gibt offenbar den vollen Zinssatz weiter – ich nehme an, sie bekommen bessere Konditionen durch Celsius – und man genießt zudem den Vorteil eines vollständig regulierten deutschen Partners.

0,5-10%: DeFis – Zinsen ohne Bank

Natürlich ist das Angebot von Bitwala bzw. Celsius hochgradig zentralisiert. Ihr habt nicht eure privaten Schlüssel für die Coins, sondern vertraut sie jemandem anderen an. Wäre es nicht traumhaft, wenn man auch ohne einen solchen Mittelsmann Zinsen bekommen könnte?

Dank den DeFis auf Ethereum ist das auch möglich. Mittlerweile gibt es zahlreiche Smart Contracts, die einen Geldmarkt abbilden. Ihr könnt dort Ether und Token auf Ethereum verleihen, um Liquidität auf Märkte für Derivate oder Token zu geben oder einfach nur, weil jemand die Coins leihen möchte. Gesichert werden diese Darlehen durch ein Kollateral, also ein Pfand, das automatisch liquidiert wird, wenn die Rückzahlung platzt. Daher gibt es für euch so gut wie kein Risiko, solange ihr den privaten Schlüssel nicht vergeigt.

Die Webseite DefiRates zeigt an, wo ihr wie viele Zinsen einsacken könnt. Am attraktivsten sind auch hier Stablecoins. Für die USDC als Token auf Ethereum bekommt ihr auf dem dezentralen Nuo Network heute mehr als 9 Prozent im Jahr. Für die DAI-Dollar dagegen bewegen sich die Zinssätze eher bei 2-3 Prozent, für Ether selbst sind es in der Regel weniger als 1 Prozent. DefiRates zeigt sowohl dezentrale Smart Contracts als Plattformen an wie auch zentralisierte Angebote. Dabei fällt auf, dass die Zinsen bei den dezentralen Plattformen geringer sind, eventuell, weil das Risiko wegfällt, dass eine zentralisierte Plattform pleite geht.

Defi-Pulse hingegen zeigt 11 Smart Contracts an, bei denen ihr dezentral Geld verleihen könnt. Bei Compound könnt ihr dort derzeit DAI-Dollar für 0,9 Prozent und Tether-Dollar für 1 Prozent verleihen; bei Aave gibt es heute für Stablecoins 2-5 Prozent Zinsen; beim Nuo Network schwanken sie zwischen 0,8 und 9 Prozent. Auch in diesem Bereich fällt auf, dass zentralisierte Stablecoins mehr Zinsen geben als der dezentrale DAI-Dollar, was eventuell daran liegt, dass der Markt bei den zentralisierten Dollar-Coins das Risiko einpreist, dass die Anbieter pleite gehen. Generell geben Stablecoins deutlich höhere Zinsen als Kryptowährungen; für Ether bekommt man oft nicht einmal 0,5 Prozent. Eine Ausnahme ist Fulcrum, wo Ether mit 2,5 Prozent verzinst wird.

Die elegenateste Lösung für Zinsen ohne Mittelsmann wäre es, seine Ether auf einem dezentralen Marktplatz gegen DAI-Dollar zu tauschen und diese mit einem Smart Contract zu verleihen. Die Zinsen dafür sind derzeit etwas niedrig, sie waren aber auch mal höher. Dies hängt wohl auch von der Stability Fee der Maker-DAO ab, die derzeit bei gut 8 Prozent hängt, aber auch schon mal mehr als 20 Prozent betrug. Problematisch sind hierfür aber auch die derzeit hohen Gebühren bei Ethereum, die die Exekution der beteiligten Smart Contracts relativ teuer machen. Jede der Operationen kann leicht auf 5-10 Euro Gebühr kommen.

Dennoch ist es enorm faszinierend, zu sehen, dass es bereits möglich ist, Zinsen zu erhalten, ohne dass ein Mittelsmann involviert ist. Die Smart Contracts auf Ethereum für das Leihen und Verleihen treten damit auf dem ureigensten Feld der Banken mit diesen in Konkurrenz.

5-20%: Lending für Margin Trading

Die dritte Möglichkeit, seine Kryptowährungen und Stablecoins zu verzinsen, ist wieder zentralisiert: Man kann sie bei Börsen an Margin-Trader verleihen. Margin Trading meint, dass man sich Geld leiht, um eine Position zu traden. Oft sind diese Positionen „gehebelt“, was bedeutet, dass sich die Gewinne und Verluste durch Kursbewegungen multiplizieren.

Während Margin Trading selbst ein enorm riskantes Glücksspiel ist, verschafft das Verleihen an Geld für Margin Trader ein relativ risikofreies Einkommen. Denn wenn sich jemand auf einer Börse Geld leiht, muss er dies durch ein Kollateral hinterlegen. So kann jemand beispielsweise weiterhin Bitcoin halten, aber sich Dollar leihen, um auf einen Kursverlust von Bitcoin zu wetten. Wenn er die Wette verliert, verkauft er Bitcoins im Gegenwert zum Verlust. Daher ist es gar nicht möglich, dass ein solcher Kredit platzt. Das einzige Risiko hierbei ist, dass die Börse pleite geht, etwa weil sie gehackt wurde.

Das deutsche Startup Coinlend hilft euch dabei, eure Coins auf fünf Plattformen zu verleihen: Bitfinex, Poloniex, Liquid, Celsius, Nexo. Das kostet lediglich 1-3 Dollar in der Woche sowie fünf Prozent der vereinnahmten Zinsen. Dafür gebt ihr Coinlend die entsprechenden API-Schlüssel eurer Accounts auf den Börsen, und deren Bots wählen für euch zeitnah die besten Zinssätze aus. Natürlich kann man es auch selbst machen, um die Kosten zu reduzieren. In dem Fall müsst ihr euch eben bei den entsprechenden Börsen regelmäßig einloggen, um dafür zu sorgen, dass euer Kapital nicht schlafend herumliegt.

Laut den Statistiken von Coinlend sind die Zinssätze für Fiatwährungen auch hier deutlich höher als für Kryptowährungen. So bekommt man bei Bitfinex und Liquid heute mehr als 20 Prozent für Yapanische Yen, bei Bitfinex auch gut 20 Prozent für Dollar. Anders als bei den bisher vorgestellten Optionen kann man hier nämlich nicht nur Kryptowährungen und Stablecoins verleihen, sondern auch das Guthaben in einer Fiatwährungen auf dem Account der Börse. Für diese sind Zinssätze von 6-20 Prozent im Jahr eher die Regel als selten. Für Kryptowährungen sind die Sätze gewöhnlich niedriger, aber zumindest bei Poloniex und Bitfinex sind gerne mal 2-5 Prozent drin; falls ihr eine Rally eines speziellen Coins erwischt, bekommt ihr für einige Tage auch sehr viel höhere Zinssätze. Insgesamt aber dürftet ihr bei Bitcoin über das Margin Lending nicht wesentlich besser fahren als mit dem Verleihen durch Bitwala, was eine wesentlich komfortablere Option ist.

Alles ist besser als bei der Bank

Auf dem Bankkonto genießt man die Einlagensicherung. Das war es aber auch schon mit den Vorteilen. Wenn es um Zinsen geht, schneiden Krypto-Produkte je nach Vergleich 10-100 Mal besser ab.

Am schönsten wäre es natürlich, Kryptowährungen auf eine vollständig dezentrale Weise zu verleihen. Dies ist nur mit Ethereum oder Token auf Ethereum möglich. Ähnlich elegant wäre es, Ether in DAI-Dollar zu wechseln und diese verzinsen zu lassen. So behält man stets den privaten Schlüssel unter seiner Kontrolle und ist auch von keiner Instanz abhängig, die den Stablecoin ausgibt. Allerdings sind die Zinsen bei dieser Methode etwas geringer als sonst. Wer eine DeFi wählt, um seine Schlüssel zu behalten, bekommt derzeit die besten Zinsen mit zentralisierten Stablecoins wie Tether oder USDC.

Wenn man Bitcoins halten, aber verzinsen will, sind Bitwala und Celsius die beste Option. Bei letzterem kann man auch zahlreiche weitere Kryptowährungen verzinsen lassen. Stärkere Profite machen jedoch auch bei Celsius Stablecoins mit bis zu 10 Prozent; wer den Weg des Margin Lendings geht, um Fiat-Guthaben zu verleihen, hat auch Chancen auf Erträge von vorübergehend bis zu 20 Prozent oder mehr.

Egal welche Methode man wählt: Jede davon ist um ein Vielfaches besser als das Bankkonto. Solange man das Risiko kennt – es gibt keine Einlagensicherung – gibt es eigentlich keinen Grund, dem Bankwesen nicht zu zeigen, dass es mittlerweile eine Konkurrenz auf dem Geldmarkt gibt.

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