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„Unser Ziel ist es, als Stimme der Bitcoin-Branche die Politik zu erreichen.“

Philipp Hartmannsgruber in der Kuppel des deutschen Bundestags. Bildrechte vollständig bei Philipp Hartmannsgruber, für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt.

Derzeit wird der Bitcoin Bundesverband gegründet. Er soll die Interessen der Bitcoin-Branche in Deutschland vertreten. Wir haben mit dem angehenden Vorsitzenden Philipp Hartmannsgruber (33) gesprochen.

Hallo Philipp. Wie lautet denn dein Titel im Bitcoin Bundesverband konkret?

Es gibt noch keinen Titel, da wir noch in der Gründungsphase sind. Ich bin mit Daniel Wingen Mitgründer und Initiator. Der Vorstand wird am 26. September 2024 in der Gründungsversammlung gewählt und ich kandidiere als Vorsitzender, derzeit als einziger.

Was macht dich zum geeigneten Vorstandsvorsitzenden?

Ich war vier Jahre lang beim Blockchain Bundesverband aktiv, dem „Bundesblock“, darunter zwei Jahre und 4 Monate als Vorstand. Schon während meines Studims in Wirtschaftswissenschaft war ich Vorsitzender eines Börsenvereins. Danach habe ich ab 2018 als IT-Projektleiter, im Finanzbereich sowie mit digitalen Assets gearbeitet. Ich habe etwa für ein Finanzinstitut die Kryptoverwahrgeschäftslizenz beantragt, für die VR Bank Bayern Mitte die Entwicklung eines Bitcoin-Portals geleitet und mehr.

Das ist ja ziemlich viel in wenigen Jahren. Wie schafft man das?

Viel Arbeit, wenig Schlaf.

Wie kam es dann, dass du vom Bundesblock weg bist, um den Bitcoin-Verband zu gründen, von Blockchain zu Bitcoin?

Ich habe beruflich gemerkt, dass es gut ist, sich zu spezialisieren. Anfangs habe ich mich mit vielen Kryptowährungen beschäftigt, aber je tiefer ich mich informiert und nachgedacht habe, desto klarer wurde mir, dass Bitcoin die einzige Kryptowährung ist, die Sinn ergibt. Von der Blockchain-Technologie bin ich enttäuscht; so gut wie nichts, was versprochen wurde hat sich bewahrheitet. Die Revolution von digitalen Identitäten oder der Supply Chain durch Blockchain ist bis heute ausgeblieben, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Hat sich in diesem Zug auch deine Sicht auf Geld und das Leben verändert?

Definitiv. Sparen (in Bitcoin) wurde wichtiger, weil mir klar wurde, dass Sparen gleichzeitig ein Investment in Bitcoin ist. Ich investiere jeden Monat, jede Woche und jede Stunde etwas in Bitcoin, insgesamt rund 75 Prozent meines derzeitigen Einkommens.

Hat es heute oder gestern weh getan, als der Preis so stark gefallen ist?

Nein, im Gegenteil! Ich freue mich und habe relativ viel nachgekauft. Je stärker und schneller der Kurs sinkt, desto schneller werde ich ein Wholecoiner.

Du meinst mit „Wholecoiner“ jemanden, der mindestens einen ganzen Bitcoin hat. Hat also der künftige Vorstand des Bitcoin-Verbundes noch keinen ganzen Bitcoin?

Nein, leider nicht. Ich habe von relativ früh gekauften Bitcoin den Private Key verloren und hatte gehofft, dass ich den bei einem Umzug finde. Zuerst dachte ich, er wäre in einem Tresor, händisch geschrieben, aber er war nicht da. Das war aber auch nicht so wahnsinnig viel, eine in Euro gemessene vierstellige Summe.

Euer Verein wird den alten Bundesverband Bitcoin ersetzen, wenn ich es richtig verstehe?

Es gibt einen Bundesverband Bitcoin e.V., der 2013/14 gegründet wurde, aber seit 2018 inaktiv ist und derzeit aufgelöst wird. Wir als Bitcoin Bundesverband ersetzen ihn nicht, sondern treten in die Lücke, die er hinterlässt. Wir hatten gehofft, dass wir den alten Verband reaktivieren können, aber das ist gescheitert, daher habenen wir uns dazu entschlossen, mit neuem Fokus neu zu gründen.

Was kann man vom Bitcoin Bundesverband erwarten?

Wir vertreten grundsätzlich die Interessen unserer Mitglieder, das sind in der Regel Unternehmen, die sich mit Bitcoin beschäftigen. Auch natürliche Personen können beitreten, haben aber kein Stimmrecht.

Derzeit haben wir 42 Zusagen von 25 Unternehmen und 17 natürlichen Personen. Unter den Unternehmen sind etwa 21Bitcoin aus Österreich, Blocksize GmbH, Munich International Mining und 21 Energy. Unter den Personen dürften etwa Marc Friedrich, Alex von Frankenberg oder Joana Cotar bekannt sein.

Wie kann man sich die Interessenvertretung vorstellen?

Wenn Regierungen Gesetze ändern oder erlassen, hat das Auswirkungen auf Unternehmen. Anders als in anderen Branchen haben Bitcoin-Unternehmen aber keine Stimme, um in diesem Prozess mitzureden. Unser Ziel ist es, als Stimme der Bitcoin-Branche die Politik zu erreichen und etwa Stellungnahmen zu veröffentlichen oder auch direkt ins Gespräch zu kommen.

Ihr macht also klassischen Lobbyismus?

Ja, auch wenn Lobbyismus oft negativ konnotiert ist, was es eigentlich gar nicht sein sollte. Trotzdem sprechen wir lieber von “Interessenvertretung” als Lobbyismus. Wir informieren vor allem, Politiker sind ja keine Fachleute, daher ist das oft willkommen. Aber wir wollen auch über die Politik hinaus Aufklärungsarbeit leisten und bestehende Netzwerke fördern, also die innere Integration der Bitcoin-Community stärken.

Was wäre deine Vorstellung von angemessenen Gesetzen zu Bitcoin?

Man muss unterscheiden zwischen meinen persönlichen Interessen und denen des Verbandes, der seine Mitglieder vertritt. Es gibt viele Themen, etwa Mining oder Steuern. Wenn man Bitcoin als Zahlungsmittel verwendet, ist die Besteuerung von Haltegewinnen sehr lästig. Sie gar nicht zu besteuern wäre unrealistisch, aber man könnte, wie teilweise heute schon in den USA, eine Freigrenze für Zahlungen bis zu 1000 Euro ins Spiel bringen.

Beim Mining ist viel Aufklärung zu leisten, etwa dass das Mining schon jetzt grüner ist als viele andere Industrien, und dass geschickt eingesetzte Miner die Energienetze stärken können.

Oft sind es aber internationale Gesetze. So hat die FATF etwa die Travel Rule beschlossen, die dann zu EU-Recht und schließlich zu nationalem Recht wurde. Gibt es hier überhaupt Spielraum?

Die Umsetzung der EU-Regeln geschieht oft national unterschiedlich. In Deutschland etwa ist die Aufsicht, die BaFin, oft strikter als andere. Das sollte man harmonisieren, es kann nicht sein, dass es in Deutschland schwieriger ist als in anderen EU-Ländern, mit Bitcoin zu arbeiten. Dazu habe ich  bereits in der Vergangenheit Gespräche mit der BaFin geführt, auch zum gegenseitigen Verständnis, wie wir ihnen helfen können.

Wie ist deine Vorstellung, wohin es mit Bitcoin langfristig geht?

Das hängt vom Zeithorizont ab. Kurzfristig, also die nächten 10-20 Jahre, wird sich vermutlich nicht viel ändern, und der Euro wird weiter bestehen. Mittelfristig wird der Euro aber wie alle Fiat-Währungen scheitern. Dann werden wir als Zwischenschritt eine weitere Fiatwährung haben, und wenn die ebenfalls scheitert, in spätestens 50-100 Jahren, werden wir einen Bitcoin-Standard bekommen.

In der Zwischenzeit werden große Nationalstaaten Bitcoin in die Reserve aufnehmen. Das sehe ich aber negativ, da der Staat so mehr Einfluss auf Bitcoin hat, als es gut ist. Staat und Geld sollten getrennt sein.

Welche segensreichen Entwicklungen wird Bitcoin auf die Gesellschaft ausüben?

Menschen werden den Wert von Geld besser verstehen, sie werden mehr sparen, und wir werden ein besseres, nachhaltigeres Leben führen – weg vom unnötigen Konsumieren zum nachhaltigen Genießen.

Wie können sich Leute im neuen Bitcoin Bundesverband engagieren?

Man kann sich einfach über die Webseite http://www.bitcoin-bundesverband.de melden oder mich direkt fragen. Wir freuen uns über jedes weitere Gründungsmitglied, insbesondere Unternehmen, und auch über weitere Vorstandskandidaten. Zudem ist jeder willkommen, der uns operativ unterstützen will. Wir versuchen so transparent wie möglich zu sein (siehe dazu unsere Website und X-Account) und da wir derzeit noch im Entstehen sind, kann sich jeder einbringen.

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