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Bitcoin stabilisiert die staatlichen Finanzen von El Salvador

Flagge von El Salvador. Bild von Nicolas Raymond via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Lange wurde gemahnt, die Bitcoin-Strategie werde El Salvador in den Ruin führen. Nun zeigt sich, dass das Gegenteil der Fall ist. Die Rally von Bitcoin löst eine Rally der Staatsanleihen von El Salvador aus – was sogar den IWF beeindruckt.

Kein Staatsführer der Welt hat sich so sehr mit Bitcoin vermählt wie El Salvadors Präsident Nayib Bukele. Er machte Bitcoin in dem kleinen zentralamerikanischen Land zum gesetzlichen Zahlungsmittel und begann, als erster Staatsführer eine Bitcoin-Reserve aufzubauen. Angeblich kauft El Salvador jeden Tag einen Bitcoin

Mittlerweile hat das Land laut nayibtracker.com eine Reserve von 6.182 Bitcoin aufgebaut, die rund 550 Millionen Dollar wert ist. Insgesamt hat El Salvador Schätzungen zufolge mit diesem Investment mehr als 300 Millionen Dollar an – bisher nicht realisierten – Profiten erzielt.

Die Bitcoin-Wette von Nayib Bukel ging glänzend auf. Wie glänzend wird deutlich, wenn man die Profite in Relation setzt. El Salvador hat Staatseinnahmen von rund 7 Milliarden Dollar; die Bitcoin-Kursgewinne entsprechend etwa fünf Prozent davon.

Günstigere Kredite durch Bitcoin

Das Land kann nun einen ersten Effekt dieses Erfolgs genießen. „Das ist das erste Mal in der Geschichte“, freut sich Nayib Bukele, „dass Bitcoin die Staatsanleihen in traditionellen Märkten bewegt hat.“

Kurz zuvor hatte der Börsendienst Bloomberg berichtet, dass die langfristigen Staatsanleihen von El Salvador – mit Laufzeiten bis 2041 beziehungsweise 2035 – mit 93,1 bzw. 97,6 Cent die höchsten Werte seit Jahren erreicht haben. Keine Staatsanleihe hat sich in den letzten Tagen und Wochen so gut entwickelt wie die von El Salvador; auch im Jahresdurchschnitt schneidet das kleine Land hervorragend ab.

Unternehmen wie MicroStrategy und MetaPlanet haben durch Bitcoin-Reserven ihre Aktienkurse erheblich angehoben. Kann es sein, dass sich mit den Staatsanleihen von El Salvador dasselbe nun auf der Ebene der Staaten wiederholt?

Die Bitcoin-Reserve stabilisiert die Finanzen von El Salvador – und hilft dem Land, günstiger Kapital zu erhalten. Diese verbesserte finanzielle Lage des Landes scheint auch das Verhältnis zum Internationalen Währungsfonds (IWF) zu entspannen.

Verhandlungen mit IWF vor Abschluss

El Salvador befindet sich seit Jahren in Verhandlungen mit dem IWF über neue Kreditlinien, die – auch wegen des Bitcoin-Gesetzes des Landes – lange stagnierten. Nun aber stehen die Gespräche laut der Financial Times kurz vor dem Abschluss.

Verhandlungsführer für El Salvador erwarten, in den nächsten zwei bis drei Wochen eine Einigung über ein Darlehen von 1,3 Milliarden Dollar zu erzielen. Dies würde die Rückkehr des zentralamerikanischen Landes in die internationalen Finanzinstitutionen besiegeln, aus denen es sich durch das Bitcoin-Gesetz von 2021 isoliert hatte.

Der IWF sah in El Salvadors Bitcoin-Strategie lange Zeit vor allem ein Risiko für die finanzielle Stabilität und Integrität. Wiederholt drängte er Präsident Bukele, das Gesetz zurückzunehmen. Nun scheint sich die Regierung auf einen Kompromiss einzulassen. Sie wird das Bitcoin-Gesetz als Teil des Deals ein Stück weit entschärfen.

Zwar wird El Salvador weiterhin Bitcoin horten und eine starke pro-Bitcoin-Politik betreiben. Doch es soll kein Zwang mehr für Unternehmen bestehen, Bitcoin zu akzeptieren, womit die Kryptowährung, technisch betrachtet, kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr wäre.

Ohnehin scheint die Adoption von Bitcoin als Zahlungsmittel in El Salvadr ins Stocken geraten zu sein bzw., präziser gesagt, niemals wie gewünscht abgehoben zu haben. Viele Reisende, die versuchen, in El Salvador mit Bitcoin zu bezahlen, kehren enttäuscht zurück. Es scheitert teils an der Technik, teils an der Nachfrage.

Indem El Salvador nun darauf verzichtet, die Akzeptanz von Bitcoin zu erzwingen, gibt es das – bislang gescheiterte – Unterfangen auf, Bitcoin zu einem tatsächlichen Zahlungsmittel zu machen. Die erfolgreicher Geschichte, die Integration von Bitcoin in die Staatsreserven, schreibt das Land jedoch fort. Und dagegen scheint auch der IWF nichts mehr zu haben.

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