Website-Icon BitcoinBlog.de – das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen

Ethereum: Weg mit den alten Zöpfen! Hardfork soll heute abend Spam-Problem lösen

Ethereum veranstaltet mal wieder eine Hardfork. Mit einem nicht abwärtskompatiblen Update heute Abend sollen die Spam-Angriffe endgültig abgewehrt werden.

Bei Block 2.463.000 wird es soweit sein. Noch knapp 1.000 Blöcke. Dann wird die Kryptowährung Ethereum ihr Konsens-Protokoll ändern, alte Regeln sowie Clients abschütteln und sich hoffentlich dem Spam entledigen, der das Netzwerk seit einigen Wochen plagt.

Auf dem Blog der Ethereum-Foundation schreibt Hudson Jameson:

Seit dem 18. September wird das Ethereum Netzwerk von einer Person oder einer Gruppe angegriffen. Das Ergebnis sind lange Verzögerungen, bevor Transaktionen prozessiert werden. Gegenwärtig ist das Netzwerk mit schwebenden Transaktionen überfüll. Man kann es sich wie eine Denial of Service (DoS) Attacke auf die Ethereum Blockchain vorstellen.

Der Angreifer ruft wiederholt verschiedene operation codes (opcodes) in einem Smart Contract auf, die für die Clients schwer zu berechnen sind, aber günstig in das Netzwerk aufgenommen werden können. Er nutzt ein Ungleichgewicht in der Gebührenordnung von Ethereum aus.

Um zu verhindern, dass der Angreifer weiterhin das Netzwerk mit günstigen Verträgen flutet, die hohe Computerkosten verursachen, erhöhen wir den Preis bestimmter Operationen.

Da die Gebührenordnung zum Konsens von Ethereum gehört, muss ihre Änderung durch alle Knoten getragen werden. Sie bedarf einer Hardfork.

Die erste Hardfork wird dem Vorschlag EIP 150 folgen und bei Block 2.463.000 die Preise für die opcodes anpassen, die in der Attacke verwendet wurden. Wenn diese Fork erfolgreich verlaufen ist, soll eine zweite Hardfork folgen.

Die zweite Hardfork soll eine Anzahl weniger dringender Themen adressieren. Sie soll etwa die leeren Accounts, die der Angreifer genutzt hat, um das Netzwerk zu fluten, entfernen, da diese die Größe der Blockchain aufblähen. Die zweite Hardfork wird noch diskutiert.

Eine Hardfork ändert das Konsens-Protokoll einer Blockchain, indem sie neue Regeln einführt und alte Regeln aufhebt.

Alle Ethereum Clients müssen upgraden; ansonsten werden sie auf einer inkompatiblen Kette steckenbleiben und den alten Regeln folgen. Die dezentrale Natur von Blockchain-Systemen macht ein Upgrade durch eine Hardfork schwierig. Hardforks einer Blockchain verlangen Kooperation und Kommunikation in der Community, ebenso wie zwischen den Entwicklern der verschiedenen Clients, damit die Überführung reibungslos abläuft.

Die Updates für die verschiedenen Clients sind bereits geschrieben. Für Mist (Ethereum-Wallet), geth, parity und ethereumj.

Im Gegensatz zur letzten Hardfork – der DAO Hardfork – ist von dieser Hardfork zu erwarten, dass sie relativ problemlos über die Bühne geht. Bei der umstrittenen DAO Hardfork wurden die finanziellen Verluste durch einen großen Hack rückgängig gemacht, was nach hitzigen Diskussionen dazu geführt hat, dass nach der Hardfork zwei Blockchains zurückblieben. Ethereum Classic führt die ursprüngliche Blockchain, die den DAO Hack enthält, fort, während Ethereum den Hack gelöscht hat.

Die heute anstehende Fork bietet hingegen wenig Potenzial für Streitigkeiten. Sie optimiert die Preise für Verträge auf der Blockchain und schaltet einige Angriffsvektoren aus. Es sollte keinen Grund geben, sie abzulehnen. Selbst Ethereum Classic, das mittlerweile selbst unter Spam-Beschuss steht, hat die Fork übernommen.

Anders als die Bitcoin-Entwickler, die die abwärtskompatible Softfork zum bevorzugten Vehikel von Upgrades erkoren haben, halten Ethereum-Entwickler an der Methode der alte Zöpfe abschneidenden Hardfork fest, um das Protokoll zu entwickeln. So lauert im Ethereum-Code noch immer die Difficulty Bomb, die die Schwierigkeit des Minings exponentiell ansteigen lässt. Um zu verhindern, dass das Netzwerk nicht einfriert, müssen die Entwickler im Lauf des kommenden Jahres eine weitere Hard Fork veranstalten. Diese soll idealerweise mit den Caspar-Verträgen den Übergang zu Proof-of-Stake vollenden.

Die für heute Abend geplante Hardfork hingegen ist weniger eine Fortentwicklung denn eine Pannenhilfe. Sie trägt dazu bei, die Preise für Verträge zu optimieren und das Spam-Problem zu lösen. Es mag sein, dass sie das perfekte Gleichgewicht der Preise findet. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie nur ein Schritt auf dem von Hardforks gepflasterten Weg zu den perfekten Preisen darstellt. In diesem Weg liegt die Gefahr, dass die Ethereum-Foundation der Versuchung anheimfällt, in Zukunft mit Preisänderungen Wirtschaftspolitik betreiben zu wollen – und mit kontroversen Preisvorstellungen eine weitere Spaltung der Blockchain zu verursachen.

Nicht weniger heikel ist die geplante zweite Hardfork, die auf der Blockchain „aufräumt“. So wichtig es sein mag, den Müll, den ein Angreifer hinterlassen hat, von der Blockchain zu entfernen und die Knoten davon zu entlasten, diesen Müll zu tragen – so haarfein ist auch hier die Grenze zwischen notwendiger Müllabfuhr und Zwangsbeseitigung unliebsamer Verträge. Solange solche Aufräumarbeiten im Freiraum fehlender Abkommen, Verträge und Verfassungen stattfinden, drohen sie immer, in Zensur auszuarten.

Angesichts dieser Erwartungen wird der Vorschlag von Accenture, alte Blockchain-Einträge kontrolliert und transparent zu löschen, interessant (wenn auch in keinster Weise mit dem von Accenture skizzierten Administrator-Modell). Auch der suicide-opcode, der in Ethereum bereits enthalten ist und der einen Vertrag auflösen kann, könnte ein in Zukunft zunehmend wichtiger Teil der Lösung sein, um Müll von der Blockchain zu entfernen.

All die spricht dafür, dass Ethereum noch einige Hardforks auf dem Weg zur endgültigen Gestalt sehen wird.

 

Die mobile Version verlassen