Martin „The One“ Frost veröffentlicht mit „Out of the Dark“ ein Buch über seine Zeit als Administrator des Darknet-Marktplatzes WallStreet Market. Das mitreissende und mutige Buch erzählt die Geschichte eines Kriminellen, der nach außen wirkt wie Du und Ich.
Eine Wohnung in Stuttgart, ein fester Job bei einem Automobilhersteller, zuhause Frau und Kind, in der Garage einen getuneten Mercedes, dazu ein Nebenjob mit Internetmarketing – so sieht er aus, der fleißige Schwabe, eine Stütze der Gesellschaft.
Sollte man meinen.
Denn das, was Martin Frost von Feierabend bis spät in die Nacht am Computer machte, hatte kaum etwas mit Internetmarketing zu tun. Er war eher ein umgekehrter Batman: Am Tag ein unbescholtener Bürger, in der Nacht einer der drei Köpfe hinter dem Darknetmarktplatz Wall Street Market. Er sammelte mehr Bitcoins, als man ausgeben kann, und er ermöglichte den Handel mit mehr Drogen, als eine Großfamilie im Leben einwerfen kann.
Doch schließlich flog Martin auf. Die Blase, in der er bisher gelebt hatte, platzte, und er fiel. Der Schild der vermeintlichen Unangreifbarkeit, den der Monitor zwischen sich und die Welt gesetzt hatte, zersplitterte: Die Polizei stellte ihn in der Tiefgarage, als er in seinen AMG-Mercedes einstieg.
Irgendwann während der Untersuchungshaft begriff Martin, dass er ein nahezu perfekter Archetyp einer neuen Art Verbrecher ist: Ein Verbrecher, der rein physisch gesehen exakt dasselbe macht, wie alle anderen auch – er bewegt die Maus und drückt Tasten –, so dass noch nicht einmal die eigene Freundin mitbekommt, was er da macht; ein Verbrecher, der niemals physischen Kontakt zu anderen Kriminellen oder Opfern hatte, und für den das Verbrechen eher wie ein Computerspiel als harte Wirklichkeit war.
Martin wurde klar, dass er etwas zu erzählen hatte, und dass die Flucht nach vorne, Hals über Kopf in die Öffentlichkeit, zwar nicht seine Freiheit retten würde, aber vielleicht seine Seele und seinen Verstand. Und so entstand ein faszinierendes Buch, das Martin mit dem Autor D. P. Ginowski für den Münchner Finanzbuchverlag geschrieben hat.
An „Out of the Dark“ beeindruckt vieles. Am meisten vielleicht die Schonungslosigkeit, mit der Martin Frost mit sich selbst ins Gericht geht. Er flüchtet sich an keiner Stelle darin, den Umständen – den Eltern, der Erziehung, dem schlechten Umgang – die Schuld zu geben, oder versucht, sein Handeln ideologisch zu rechtfertigen. Stattdessen erkennt er die Schuld an und hofft, daraus zu lernen.
Das schön komponierte Buch, das zwischen Biographie und Sachbuch oszilliert, ist für jeden, der sich über Bitcoin hinaus für das Darknet und den Cybercrime interessiert, ein Gewinn.
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Das Buch kann man direkt beim Finanzbuchverlag zu bestellen.

