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Hatte Bitcoin als Zahlungsmittel jemals eine Chance?

Der Weg vom Jugendzimmer der Kiffer in den Mainstream - war er jemals offen? Bild von Ged Carroll via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Bitcoin konnte sich als Zahlungsmittel nicht durchsetzen. Warum? Und wäre es jemals möglich gewesen, dass der Sprung aus dem Underground in den Mainstream gelingt?

Wenn es etwas gibt, über das in der chronisch uneinigen Krypto-Szene Einigkeit herrscht, dann, dass Bitcoin als Zahlungsmittel daran gescheitert ist, im Mainstream angekommen zu sein. Traurig, aber wahr.

Die Akzeptanz im Handel schreitet extrem langsam voran, falls sie nicht sogar rückläufig ist. Man muss Online-Shops, bei denen man mit Bitcoin bezahlen kann, weiterhin mit der Lupe suchen, vom physischen Einzelhandel gar nicht zu reden, und selbst Bitcoin-Fans auf der BTC2022-Konferenz nutzen Bitcoin nur in Ausnahmefällen als Zahlungsmittel. 2014 waren viele verblüfft, wie weit man gekommen ist. 2023 sind viele enttäuscht, wie wenig seitdem geschehen ist.

Wann hat Bitcoin auf dem Weg zur Supermarktkasse den Schwung verloren? Und bestand überhaupt eine Chance?

In den Jahren 2013 bis 2015 sah es aus, als gewinne Bitcoin die Checkouts und Ladenkassen. Damals war Bitcoin noch mit den Schwarzmärkten im Darknet verbunden. Cannabis online zu kaufen galt als Killer-App, die die Nachfrage nach Bitcoin trieb. Mir haben später mehrere Bekannte erzählt, dass sie in dieser Zeit genau dafür Bitcoins gekauft haben.

So sah es auch James A. Donald kommen, die erste Person, die reagierte, als Satoshi Bitcoin in der Cryptographie-Mailingliste ankündigte. James Donald hatte schon Jahren zuvor geschrieben, dass ein digitales Bargeld die User von Schwarzmärkten und Pornographie brauche, da sie die natürlichen Early Adopter seien, die den Weg in den Mainstream ebnen.

Tatsächlich sah es eine Zeitlang so aus, als gelinge dies. Es bildete sich eine Art Kiffer-Ökonomie mit Bitcoin im Zentrum: Kiffer kauften mit Bitcoin Gras im Darknet, und danach, wenn die Waren angekommen war, versüßten sie ihren Rausch mit Computerspielen von Steam, Pizza von Lieferservice.de und Bongs von Growshops. Es war kein Zufall, dass die Bitcoin-Akzeptanz in diesem Bereich ungewöhnlich hoch war. Auf der anderen Seite verkauften viele Growshops Lampen und Dünger gegen Bitcoin, so dass die Dealer Nachschub anbauen konnten, ohne die Coins wechseln zu müssen. Der Kreis schloss sich schon beinahe.

Etwas ähnliches ließ sich in der Krypto-Branche beobachten: Entwickler und Autoren wurden ebenso selbstverständlich mit Bitcoins bezahlt wie Server, VPNs, Domains und auch neue Laptops wie bei Caseking.

Es sah gut aus – doch der Sprung in den Mainstream blieb aus. Die großen Online-Shops akzeptieren Bitcoin noch immer nicht, die Supermärkte und Einzelhändler erst recht nicht, und mittlerweile wird nicht mal mehr davon geträumt. Damals sehnte sich die Szene danach, dass Amazon Bitcoin im Checkout akzeptiert. Heute wünscht sie sich, dass Amazon in Bitcoin investiert.

Heute dürfte das Zeitfenster, in es eine Chance gab, geschlossen sein. Heute bezahlen sich Bitcoin-Startups mit Dollar – mit Stablecoins –, die großen Anbieter von Server und Domains akzeptieren nur in Ausnahmefällen Bitcoin, Caseking und Steam gar nicht mehr. Cannabis wird immer weiter legalisiert, der P2P-Handel ist weitgehend verschwunden, die Börsen hart reguliert, und die Strafverfolgung greift im Darknet immer effizienter durch.

Heute ist der Weg vom Schwarzmarkt in den Mainstream versperrt. Aber war er jemals offen? Und wenn ja – warum wurde er nicht beschritten?

Vielleicht gab es niemals eine Chance. Bitcoin war schon immer zu volatil, um die Masse als Zahlungsmittel zu erreichen. Niemand, der es nicht unbedingt muss, wie eben die Kiffer, die ihr Gras online ordern, benutzt ein solches Geld. Nichts wurde falsch gemacht, alles kam, wie es kommen musste.

Vielleicht aber haben die Skalierungskriege ab 2015 den Weg in den Mainstream abgeschnitten. Die Begrenzung der Blocksize machte es auf absehbare Zeit sinnlos, für Akzeptanz zu werben, ja, schon fast zur Lüge. Der Konflikt innerhalb der Szene kostete Energie und Begeisterung, der Narrativ wandelte sich von „Bitcoin als Zahlungsmittel“ zu „Bitcon als Wertspeicher“, und die Fork von Bitcoin Cash nahm gerade die mit, die am stärksten für das Zahlungsmittel warben. Lightning schließlich machte Bitcoin-Zahlungen konkurrenzlos komplex und unzuverlässig.

Man kann nicht sagen, dass sich Bitcoin als Zahlungsmittel durchgesetzt hätte, wenn man die Blocksize erhöht hätte. Es gab keinen Automatismus, der unterbrochen wurde. Klar ist jedoch, dass die Skalierungskriege die Chance, als Zahlungsmittel im Mainstream anzukommen, reduziert, wenn nicht vollkommen abgebaut haben.

Aber es hilft nicht viel, sich in der Frage zu verbeißen, warum etwas geschah, das nicht mehr zu ändern ist. Wichtiger, als Schuldige oder Unschuldige zu identifizieren, ist, ob, wie und als was sich Bitcoin nun im Mainstream durchsetzen kann. Oder reicht es schon, wenn Bitcoin als digitales Gold Werte über die Zeit erhält, und als ewiges Damoklesschwert über den Zentralbanken die Geldpolitik diszipliniert?

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