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Die Orangepiller in Innsbruck

Schon recht schön: Innsbruck. Bild von Neil Williamson via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Was sagt eine Konferenz darüber aus, was Leute mit Bitcoin machen? Ein offener Bericht über die BTC 2022 – über orangene Pillen, den Kaninchenbau und El Salvador.

1. Morpheus

Vielleicht bringt ein Bild den Geist der BTC 2022 am stärksten zum Ausdruck:

Roman Reher, der Blocktrainer, sitzt auf einem Sessel auf der Bühne. Er trägt eine runde Sonnenbrille und einen schwarzen Ledermantel. Seine Hände ruhen auf den Lehnen des Sessels. Hinter ihm, auf einer Leinwand, fallen orangerote Zeichenketten herab. Dann spricht Roman:

„Das ist deine letzte Chance. Nimm die blaue Pille: Die Geschichte endet, du wachst in deinem Bett auf und glaubst, was immer du glauben willst. Nimm die orangene Pille: Du bleibst hier im Wunderland und ich werde dir zeigen, wie tief der Bitcoin-Kaninchenbau reicht.“

Ironie ist nicht wirklich zu erkennen.

Roman ist relativ zentral für die Veranstaltung. Er war ständig auf der Bühne, als Sprecher, Moderator, Diskussionsteilnehmer. Immer wieder wird ihm versichert, er sei der wichtigste Bitcoin-Influencer. Deutschlands bester Orangepiller.

Und so, wie Roman der personelle Mittelpunkt der BTC 2022 ist, stehen zwei Ideen in ihrem Zentrum: die „Orangene Pille“ und der „Kaninchenbau.“

2. Was Bitcoin ist

Bitcoin ist das, was die Leute daraus machen. Ob Zahlungsmittel, Wertspeicher oder Rechnungswesen; ob digitales Geld oder digitales Gold: Bitcoin kann vieles sein. Was es ist, hängt davon, als was es die Leute ansehen.

Auf der BTC 2022 trafen sich 700 Teilnehmer 2-3 Tage, um von Morgens bis in tiefster Nacht über Bitcoin zu sprechen. Und zwar nur über Bitcoin, denn die BTC 2022 war eine „Bitcoin-Only“-Konferenz.

Also, ihr Bitcoiner Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Was macht ihr aus Bitcoin?

3. Die Konferenz

Die Konferenz war, um das vorauszuschicken, professionell organisiert, und die Stimmung war klasse. Sie war ohne Zweifel der Auftakt einer Marke mit einer großen Zukunft.

Das Ambiente war stilvoll, Bild- und Tontechnik perfekt, die gastronomische Versorgung gut, und die Bezahlung per Lightning lief wie geschmiert.

Das Programm war abwechslungsreich und inspirierend. Es bestand im Kern aus Bitcoin-Lobreden, mischte diese aber geschickt mit Selbstreflexion, technischen Vorträgen und Exkursen in etwa Sport oder Zauberei. Erfrischend war zudem der ständige Wechsel zwischen Vortrag, Kamingespräch und Diskussion.

Mit Michael Saylor, Saiffedean Ammous und Jimmy Song traten international hochkarätige Speaker auf, wenn auch zum Teil nur per Video, und aus El Salvador reisten sogar zwei Ministerinnen an.

Auf der Bühne führten Niko Jilch, Roman Reher und Debbi als Moderatoren sympathisch und gekonnt durch das Programm.

Die Veranstalter legten Wert darauf, dass Sponsoren und Aussteller „Bitcoin Only“ waren. Das gelang nicht zu 100 Prozent, aber beachtlich weitgehend. Vor allem Coinfinity als Hauptsponsor trug wesentlich zur Veranstaltung bei. An ihrem Stand gab es am Abend Drinks und Snacks, und sie stellten einen Bitcoin-Automaten vor, der auch auf Lightning auszahlen kann, wovon die Teilnehmer dankbar Gebrauch machten.

Laut Flurfunk haben die Veranstalter ein großzügiges Sponsoring einer internationalen Börse in den Wind gejagt, weil man dort zu viele Shitcoins handeln kann. Man muss diese Hygiene nicht notwendig finden. Aber sie verdient Respekt und prägt die Veranstaltung.

Die Bitcoiner hier sind, das ist vielleicht die erste Erkenntnis, Monotheisten. Sie verabscheuen ein Pantheon von Kryptowährungen und akzeptieren nur ein Geld.

Und damit wären wir beim Thema.

4. Die Moral

Denn um Bitcoin herum ging es, so mein Eindruck, noch nie so sektiererisch zu wie auf der BTC 2022.

Lasst mich das am Beitrag von Jimmy Song erklären. Jimmy ist ein asiatisch-amerikanischer Bitcoin-Lehrer, dessen Marke ein großer Cowboyhut ist. Er sprach über Bitcoin und Moral und teilte dabei, wie es sich in Glaubenssystemen gehört, die Welt in Schwarz und Weiß, Gut und Böse.

Altcoins sind böse. Darüber herrscht hier Konsens. Jimmy begründete dies moralisch: Altcoins werden nur herausgebracht, damit die Gründer Geld verdienen.

Diese Abneigung dagegen, Geld verdienen zu wollen, hört man auf der BTC 2022 immer wieder, meist, wenn es um Altcoins und Börsen geht. Eine wirtschaftliche Transaktion wird nicht durch den Wunsch legitimiert, Geld zu verdienen, sondern durch moralische Gründe.

Bei Bitcoin läuft das erstaunlicherweise andersherum. Bitcoin sei moralisch, erklärt Jimmy, weil es den Zugriff des Staates auf das Geld begrenzt. Selbst dann, so sein Beispiel, wenn ein Mann im Zuge einer Scheidung sein Geld vor einer Frau versteckt. Bitcoin reduziert die Fähigkeit des Staates, Transaktionen aus anderen Gründen als Geld – etwa aus Moral – zu legitimieren.

Bei Altcoins ist es unmoralisch, bei Bitcoin moralisch. Schwarz und Weiß, Gut und Böse.

Noch kühner wird Jimmy bei der persönlichen Moral. Ja, sagt er, Bitcoin mache den Einzelnen moralischer. Denn Bitcoiner haben eine niedrigere Zeitpräferenz. Sie denken weiter voraus. Sie sparen mehr und planen weiter.

Auch dies hört man auf der BTC 2022 immer wieder. Die Zeitpräferenz ist die moralische Stütze der Bitcoiner. Sie ist ein wesentlicher Grund, weshalb Bitcoiner als bessere Menschen aus dem Kaninchenbau zurückkehren.

Jimmys Vortag hat mich etwas wütend gemacht. Mir fällt es schwer, zu erkennen, warum. Ich gehe zum Stand von Coinfinity, rede dort ein wenig, bezahle einen Kaffee mit Lightning, und denke nach.

5. Selbstkritik

Bitcoiner schlucken also eine Orangene Pille, pilgern dann durch den Kaninchenbau und kehren geläutert als moralischere Menschen zurück. Das erinnert mich an religiöse Geschichten, vom Gilgamesch-Epos bis zu Paulus Interpretation des Todes Jesu.

Dieses religiöse Gebahren der Bitcoin-Szene ist kein neues Thema. Ich habe ihm schon 2018 in meinem Buch einige Seiten gewidmet.

Auch die BTC 2022 schenkt ihm etwas Zeit. Manuel Bassler und Jonas Hofmeister, beide vom Bitcoin-Verstehen Podcast, fragen, ob Bitcoin eine Religion ist. Es verdient viel Respekt, dass die Konferenz bereit war, diese Art der Selbstreflexion zuzulassen.

Auf der einen Seite erkennen Manuel und Jonas viele Anzeichen dafür, dass Bitcoin eine Religion ist: Es gibt eine heilige Schrift (das Whitepaper), Schreine (Full Nodes), Dogmen (Not your Keys, not your coins), Feiertage (Genesis-Day), Hohepriester und natürlich den unbedingten Missionierungswillen der Bitcoiner.

Auf der anderen Seite basiere Bitcoin aber nicht auf Glauben, sondern auf Wissenschaft. Das sei ein KO-Kriterium. Bitcoin könne also keine Religion sein, aber es zeige, einigen sie sich, im Sozialen Anzeichen einer solchen. Und das sei vielleicht gar nicht schlecht.

Ijoma Mangold, ein ZEIT-Literaturkritiker, der vor einiger Zeit ebenfalls die „orangene Pille“ geschluckt hat, setzt die kritische Selbstreflexion fort. Er fordert in einem fulminanten Vortrag dazu auf, niemals aufzuhören, offen für Kritik zu bleiben.

Man solle immer, ganz in der Tradition der Österreicher Schule, vom Nicht-Wissen ausgehen, anstatt sich definitives Wissen anzumaßen. Die „Hyperbitcoinisierung“ sei möglich, aber nicht, wie es gelegentlich heißt, unvermeidbar.

Die Zukunft wird gemacht, und wer nicht darauf vorbereitet ist, dass sie auch anders kommen kann, verliert.

6. Trockenschwimmen

Die Szene schenkt Ijoma einen tosenden Applaus. Sie stimmt voll zu. Man sollte offen für Kritik bleiben. Unbedingt.

Dankbarerweise hat Ijoma seine Aufforderung rein theoretisch formuliert. So kann sein Publikum ein abstraktes Bekenntnis ablegen, kritikfähig zu bleiben, erspart sich aber die Mühe, dies zu praktizieren.

Die Szene lechze geradezu nach „legitimer“ Kritik, doch leider finde man diese nirgendwo, sagte Ijoma oder jemand anderes. Man hört dies immer wieder, was es nicht weniger falsch macht. Es gibt sehr wohl legitime Kritik an Bitcoin, auch wenn Bitcoiner dies gerne bestreiten.

Auf der BTC 2022 findet man so eine Kritik allerdings nicht, und weder Publikum noch Speaker scheinen ernsthaft offen für sie zu sein.

Ein Detail dazu prangert der Journalist Nils Wischmeyer an, ein Journalist, der in letzter Zeit mit einer Kritik an Bitcoin auffiel, die tatsächlich nicht wirklich legitim ist: Es gab keine Fragen nach den Vorträgen.

Natürlich konnte man die Speaker danach in eine Diskussion verwickeln. Aber das ersetzt keine öffentliche kritische Diskussion ersetzen. Es macht einen großen Unterschied, ob Kritik auf einem öffentlichen Podium vor hunderten von Leuten vorgetragen oder unter vier bis acht Augen diskutiert wird.

7. Orange Pillen I

Was die Szene von Kritik hält, zeigte sich etwa im Podiumsgespräch „Die Orange Pille für die Massen.“

Daniel Wingen, Alex von Frankenberg und der Blocktrainer Roman Reher dachten zusammen darüber nach, wie man die „orange pill“ für die Massen findet.

Wie bringt man die Masse dazu, genauso verzückt von Bitcoin zu werden wie man selbst? Wie macht man die derzeitigen „Nocoiner“ auch zu Bitcoiner? Wie lockt man sie in den Kaninchenbau?

Die Frage scheint auf der BTC 2022 enorm wichtig zu sein. Die orangene Pille ist so etwas wie ein Leitthema. Neben dem Gespräch gab es auch einen Workshop zum Orangepillen, den ich leider verpasst habe.

Mich irritiert die Fragestellung etwas, vielleicht, weil es mir zu missionarisch daherkommt. Warum ist es für Bitcoiner so wichtig, die orangene Pille weiterzugeben? Daniel Wingen erklärt dies auf dem Podium. Zunächst stimmt er Ijoma Mangold zu, dass Hyperbitcoinisierung nicht gottgegeben sei, doch dann widerspricht er im gleichen Atemzug, denn wenn man alle Anreize erkenne und mathematisch verbinde, dann gebe es keine andere Alternative. Daher versuche er, sein Umfeld zu überzeugen, Bitcoins zu halten, um gut vorbereitet zu sein.

Es geht als nicht darum, den Preis der eigenen Bitcoins hochzutreiben, denke ich erleichtert, weil andere auch Bitcoins kaufen. Das hätte ein Geschmäckle von Netzwerkmarketing und Pyramidenspiel. Es geht vielmehr darum, den anderen etwas Gutes zu tun, indem man ihnen die Türe zur Wahrheit öffnet. Aber andererseits – könnte das nicht auch nur eine Methode sein, sich selbst etwas vorzumachen?

Ein wenig erinnert mich das Gespräch auf dem Podium an einen Verkaufs-Workshop. Man einigte sich darauf, dass man die Leute abholen muss. Über die meisten Dinge sind sich Menschen einig: Sie erkennen dieselben Probleme und haben nicht dieselben Ziele. Doch sie verstehen nicht die wahre Natur von dem, was dazwischen liegt, so, wie Bitcoiner sie verstanden haben: dass zentrale Autoritäten nicht die Lösung, sondern die Ursache gesellschaftlicher Probleme seien.

Wenn es gelingt, dass die Leute das begreifen, haben sie die orangene Pille bereits geschluckt.

8. Orange Pillen II

Der Begriff der orangenen Pille ist hier ein stehender Begriff. Er wird in der Regel englisch verwendet (orange pill) und gerne denglisch zum Verb gemacht: orangepillen oder, im Passiv, georangepilled.

Wer das Bild nicht versteht: Im Film Matrix bietet Morpheus dem Hacker Neo zwei Pillen an. Eine rote und eine blaue. Wählt Neo die blaue, vergisst er, Morpheus getroffen zu haben, und sein Leben geht weiter wie bisher. Wählt er die rote, erwacht er aus der Matrix und erkennt, wie das Leben wirklich ist.

Die Orangene Pille lässt einen nun die Wahrheit über Bitcoin, über Geld, Wirtschaft, Politik und vieles mehr erkennen. Man fällt, um den zweiten Kernbegriff zu erklären, in den „Kaninchenbau.“

Das kommt ebenfalls aus einem Film, bzw. einem Buch: Alice in Wonderland. Die kleine Alice folgt einem weißen Kaninchen in dessen Bau, wo ein sagenhaftes Abenteuer beginnt, das sie für immer verändert.

Der Kaninchenbau ist ebenfalls ein stehender Begriff auf der BTC 2022. So erklären etwa Debbi und Lina Seiche in einem ein Kamingespräch, wie man Newbies „den Weg durch den Kaninchenbau“ weist.

Wer die orangene Pille geschluckt hat, pilgert durch den Kaninchenbau. Orientierung geben ihm Bücher über Bitcoin, wie sie im Foyer am Stand des Apycot-Verlags angeboten werden, Podcasts wie „Bitcoin Verstehen“ und Youtube-Videos, vor allem vom Blocktrainer.

Wer aus dem Kaninchenbau zurückkehrt, ist ein anderer Mensch. Vielleicht ein Erleuchteter oder Ausgewählter. Seine Zeitpräferenz sinkt. Er wird Konsumausgaben meiden, indem er etwa im Plebs-Camp zeltet, anstatt im Hotel zu schlafen, und er wird jeden freien Cent in „Sats“ stecken, also in Bruchteile von Bitcoin. Der Gedanke erweckt in mir ein starkes Unbehagen.

Vor allem aber wird der solcherart Georangepillte ein unstillbares Bedürfnis haben, auch andere Menschen zu orangepillen.

9. Kritikfähigkeit

Das Gegenstück zur orangenen Pille ist die blaue Pille. Daniel Wingen fragt in die Runde, was die blaue Pille bei Bitcoin sei. Was hindert die anderen daran, zu begreifen, was man selbst begriffen hat? Was stößt sie geradezu von Bitcoin ab?

Diese Gründe können, da sind sich alle einig, nur irrational sein. Das ist ein Axiom. Einen Grund bilden, auch darüber herrscht Einigkeit, die Bitcoiner selbst. Ihre extreme Begeisterung und ihre starke Überzeugung könne abschrecken und hinderlich sein. Da ist es wieder, das Thema der Sekte.

Interessanterweise ist aber nicht das Sektenhafte selbst ein Problem. Ein Problem ist lediglich, dass es zum Hindernis wird, um andere in den Kaninchenbau zu treiben.

Ähnlich beim Energieverbrauch der Miner. Das Thema ist mehr oder weniger DIE Kritik an Bitcoin, und gerade, wegen des Merges von Ethereum, auch brandaktuell. Nachdem Ethereum das Mining abgelegt hat, steht man als Bitcoiner unter einem gewissen Rechtfertigungsdruck. Warum muss Bitcoin soviel Strom verbrauchen wie ein mittelgroßes Land, während Ethereum das nicht mehr nötig hat?

Auf der BTC 2022 wird der Stromverbrauch durchaus als Problem ernst genommen – aber allein als Hindernis beim Orangepillen. Nicht der Stromverbrauch an sich und seine Folgen für die Umwelt ist ein Problem – sondern dass Leute ihn für ein Problem halten.

Ich habe mit vielen im Publikum über diese Frage gesprochen. So gut wie nie war mein Gesprächspartner in der Lage, die Kritik am Stromverbrauch argumentativ zu entkräftigen. Es ist ein komplexes Thema, über das ich wieder und wieder geschrieben habe. Mein Eindruck auf der BTC 2022 war, dass kaum jemand hier die Komplexität des Themas auch nur erfasst.
Dennoch war jeder überzeugt, dass der Stromverbrauch kein Problem sei.

Wie soll die Szene also kritikfähig sein? Wenn sie eine Kritik selbst dann blockt, wenn sie keine Argumente kennt, um sie zu entkräftigen?

10. Bitcoin benutzen

Es gab eine zweite Frage, die ich vielen im Publikum gestellt habe. Benutzt ihr Bitcoin?

Mike, der später einen Vortrag über Privacy hält, benutzt Bitcoin. Er bekommt sein Einkommen in Bitcoin.

Außer ihm finde ich aber so gut wie niemanden, der Bitcoin benutzt. Ich frage den Geschäftsführer einer Art Bitcoin-Akademie. Nein. Die Kunden bezahlen in Euro, und die Mitarbeiter bekommen ihr Gehalt in Euro. Für die Kunden ist Bitcoin klar ein Wertspeicher.

Ähnlich eine Gruppe von Kölnern, die regelmäßig Meetups und Stammtische besuchen. Sie benutzen Bitcoins manchmal unter sich, und eben auf Konferenzen, wie hier, wo man mit Lightning alles bezahlen kann.

Etwa dasselbe höre ich fast überall. Manche wirken regelrecht irritiert, dass ich überhaupt frage.

Niemand ist in seinem Alltag auf Bitcoin angewiesen. Die meisten haben noch nicht mal eine Verwendung dafür. Es würde keinen hier ernsthaft stören, Kaffee, Brezeln und Bier mit Euro zu bezahlen. Dass man auf der Konferenz seine Lightning-Wallet entsperrt, den QR-Code scannt und zufrieden lächelt, wenn die Transaktion innerhalb weniger Sekunden ankommt, ist eher ein Gimmick.

Man könnte sagen: Das Bezahlen ist vor allem Marketing, um zu zeigen, dass Bitcoin funktioniert.

Im Alltag ist die Verbreitung von Bitcoin als Zahlungsmittel eher rückläufig. Und das nicht nur im Mainstream, sondern unter den Georangepillten selbst.

11. El Salvador

Eines Highlights der Veranstaltung offenbarte eine weitverbreitete Doppelmoral. Eine Delegation aus El Salvador, dem Bitcoin-Land aus Mittelamerika, tritt auf.

Die Wirtschaftsministerin Maria Luisa Hayem sowie die Vizeaußenministerin Adriana Mira sind angereist. Sie halten beide einen Vortrag und stellen sich danach den Fragen des Coinspondenten Friedemann Brenneis. Der hatte die Ehre, als einziger ein Stück ernst gemeinte Kritik in die Veranstaltung zu tragen.

El Salvador hat eine faszinierend junge und auch weibliche Regierung. Vielleicht ist nicht alles, was die Regierenden machen, gut, aber ich habe den starken Eindruck, dass sie den Willen und die Kompetenz haben, das Land zu modernisieren und zu verbessern.

Friedemann bohrt: Warum ist die Adoption so schleppend? Nur 20 Prozent der Händler akzeptieren Bitcoin. Der Anteil der Zahlungen ist weiterhin winzig. Was ging da schief? Woran hakt es? Wie geht man mit den Verlusten durch die Bitcoin-Spekulationen des Präsidenten um? Warum ist der staatliche Bitcoin-Fond so intransparent?

Das sind berechtigte Fragen. Doch die beiden Frauen beantworten sie nicht. Sie wickeln einige Floskeln und wiederholen dann immer wieder dasselbe: Seit dem Bitcoin-Gesetz haben sich die Investitionen in El Salvador vervielfacht. Der Tourismus ist gewachsen, es haben sich mehr als 60 Krypto-Firmen registriert, und die Wirtschaft wächst erheblich, der globalen Krise zum Trotz.

Die beiden Frauen sind politische Profis. Sie werben für Investitionen.

Doch ich begreife: Sie haben ja recht. Bitcoin ist für sie ein Erfolg. Sie haben damit schon etwas erreicht. Die Vize-Außenministerin sagt: Zuvor hat niemand El Salvador gekannt. Heute kennt uns jeder. Jeder weiß, dass wir offen für neue Technologien sind. Wir waren das erste Land, das Bitcoin zum offiziellen Zahlungsmittel gemacht hat. Das kann uns keiner mehr nehmen.

Die Strategie von El Salvador funktioniert. Aber eben nicht so, wie wir es uns gewünscht haben. Bitcoin ist für El Salvador weniger ein Zahlungsmittel, sondern ein Instrument des Marketings.

Und dann wird mir klar, wie sehr wir mit doppeltem Maß messen. Die Leute hier, im Publikum, benutzen Bitcoin praktisch gar nicht. Sie horten Bitcoin, und das Bezahlen per Lightning ist für sie vor allem eine Marketing-Show.

Doch wenn El Salvador dasselbe macht, um das Land voranzubringen, reagiert man irritiert. Irgendwie erwartet man, dass Bitcoin, das man hier begreift, aber nicht benutzt, in einem anderen Land mehr harte Wirklichkeit ist.

12. Was machen wir also aus Bitcoin?

Natürlich gäbe es noch mehr zu sagen. Viel mehr.

Etwa darüber, dass Michael Saylor seine übliche Litanei predigt, Ethereum sei ein Security, und dass viele im Publikum, mit denen ich rede, das wir ein Glaubensbekenntnis im Mund führen. Oder dass Proof of Work geradezu kultisch verklärt wird, was vermutlich ebenfalls eine Reaktion auf den Merge ist.

Man sollte aber fairerweise sagen, dass Ijoma Mangold sehr recht hat, wenn er sagt, ihn habe der globale Pool an Intelligenz fasziniert, der hinter Bitcoin stehe. Die Menschen hier sind intelligent und gebildet.

Die Teilnehmer könnten auch Netflix glotzen, Fußballspiele besuchen oder irgendetwas machen. Aber stattdessen beschäftigen sie sich mit dem Geldsystem, mit Informatik, Politik, Ökonomie, Dezentralisierung, Netzwerken und so vielem mehr. Und sie lesen sogar Bücher!

Viele Vorträge waren durchaus gehaltvoll und clever. Wenn Roman Reher etwa über die Kardaschow-Skala redet und schlussfolgert, dass die Difficulty des Minings ein Gradmesser für die Stufe sei, auf der eine galaktische Zivilisation stehe, ist das enorm faszinierend. Oder wenn Jörg Hermsdorf anhand von Planck-Konstanten, Atomen, Energie und Hashes erklärt, weshalb Bitcoin effektiv ein neues Element im Periodensystem darstellt.

Solche Thesen sind intellektuell herausfordernd und inspirierend. Und die Gespräche abseits der Vorträge gehen rasch tief. Wo sonst kann man mit jemandem über die Feinheiten von Taro reden? Wo findet man Menschen, die die Geldgeschichte ebenso gut kennen wie physikalische Prinzipien?

Die Frage dagegen, was die Anwesenden nun aus Bitcoin machen, ist schwer zu beantworten. Bitcoin ist klar ein Wertspeicher, und kein Zahlungsmittel; eine Rechnungseinheit in der Theorie („der universelle Denominator“), aber keineswegs in der Praxis (da rechnet man selbst hier weiterhin mit dem instabilen Euro).

Bitcoin ist ein Investment, aber auch eine mentale Leuchte. Was zählt ist weniger der tatsächliche, sondern der intellektuelle Profit, und wichtiger als das tatsächliche Benutzen von Bitcoin ist es, darüber nachzudenken und sich inspirieren zu lassen.

Bitcoin wurde, so ist mein Eindruck, stärker zur reinen Idee als je zuvor.


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16 Kommentare zu Die Orangepiller in Innsbruck

  1. Hm, danke für den wie immer wundervollen kritischen aber auch selbstkritischen Einblick. Jetzt finde ich es schade, es nicht selbst erlebt zu haben.

    Das Bitcoin auch eine Religion ist unverkennbar. Ergänzen würde ich nur, dass dies für das gesamte Kryptoökosystem (einschliesslich der Altcoins) und oft auch für die Kryptogegner gilt.

    Und nur, weil viele Menschen den Wettergott anbeten, ist das Wetter selbst ja noch lange keine religiöse Fiktion.

    Religion blüht immer, wo Fakten, z.B. die wie sich das Experiment auf unsere Gesellschaften am Ende auswirken wird, rar gesäht sind.

  2. Sarah Schädeli // 21. September 2022 um 19:27 // Antworten

    Danke für den Bericht und den Einblick. Frage zu Punkt 3: Hat Debbi auch einen Nachnamen?

  3. Vielen Dank für diesen Artikel! Viel zu oft verwirrt es mich, wie dogmatisch die Szene geworden ist. Es wird immer gepredigt, dass es Bitcoin egal sei, wer du bist und was du denkst, aber sind es nicht die Menschen dahinter, die einer Sache eine Seele geben? Bitcoin ist es vielleicht egal an was du glaubst und wofür du stehst, aber am Ende sind es Menschen, die ihn nutzen sollen. Daher überkommt mich eine Gänsehaut, wenn ich die Kommentarspalten in Twitter lese, wie selbstverständlich einige ohne Widerspruch ihre ideologischen Überzeugungen herausposaunen können. Und wenn du doch mal Kritik äußerst, wird es nicht lange dauern, dass jemand dir sagt, du sollst doch keine „FUD“ verbreiten. Das stimmt mich traurig, aber ich bin guter Dinge, dass die Zukunft von Bitcoin wird differenzierter wird und Probleme und Kritiken ernster genommen werden.

  4. Vielen Dank für den interessanten Einblick! Zum Glück blieb mir das erspart…

    Ich kann jede Begeisterung für Bitcoin verstehen, war selbst sogar einige Jahre Maximalist, bis mir das religiöse Gehabe spätestens bei den Block Size Kriegen komplett gegen den Strich gegangen ist, mit dem „neuen“ Narrativ des „digitalen Goldes“ kann ich gar nichts anfangen, denn eine Sache wird nicht alleine werthaltig, nur weil sie selten ist. In der Geschichte wurden dies nur Dinge, die auch tatsächlich gebraucht wurden, allerdings z.B. beim Gold auch durchaus für religiöse Zwecke. Bitcoiner verehren dabei zumeist Satoshi und das Whitepaper, ohne sich tatsächlich mit seinen Ausführungen auseinandergesetzt zu haben, sei es zur Block Size / Skalierbarkeit oder auch Privatsphäre, man ignoriert diese regelrecht. Die meisten „Bitcoiner“ kennen die Überschrift des Whitepapers nicht einmal. Religion hat in der Geschichte meistens zu nichts Gutem geführt…

    Lasst mich das am Beitrag von Jimmy Song erklären. Das ist ein asiatisch-amerikanischer Bitcoin-Lehrer, dessen Marke ein großer Cowboyhut ist. Er sprach über Bitcoin und Moral und teilte dabei, wie es sich in Glaubenssystemen gehört, die Welt in Schwarz und Weiß, Gut und Böse.

    Fehlt nur noch Zucco *ichblockejedendereineanderemeinunghat* und Max Keiser als Clown. Dass keine Publikumsfragen erlaubt waren, wundert mich nicht, sonst würde ein Jimmy erst gar nicht auftreten, sonst könnte seine Blase noch Schaden nehmen.

    Ich bin z.B. auch kein Fan von PoS und allgemein Ethereum mit ihrem ICO Launch etc. aber ich beobachte die Änderung des Konsensalgorithmus mit Interesse, denn das ist die erste Blockchain, auf der sich alle Arten von Angriffen lohnen können. Insbesondere die Zentralisierung der Block Builder auf große zentrale Exchanges (und Relays) ist nicht gerade optimal, dürfte sich aber wahrscheinlich noch verschärfen. Immerhin gibt sie Einblick, wie viele Coins tatsächlich auf Börsen gehalten werden, statt in einer eigenen Wallet. Die Zensierbarkeit ist bei Börsen extrem hoch, da Regulierer ohnehin schon in engem Kontakt mit diesen stehen und wie am Beispiel „Privacy Coins“ Börsen durchaus dazu drängen können, nichtexistente Gesetze doch umzusetzen oder man setzt eben ein paar Adressen auf die Blocklist wie bei Tornado Cash geschehen.

    • Die meisten „Bitcoiner“ kennen die Überschrift des Whitepapers nicht einmal.

      Hm, Überschrift oder gar den Inhalt des Whitepapers muss man auch nicht unbedingt kennen.
      Das ist ja nicht die heilige Schrift und Satoshi auch nicht Jesus, oder?

      • Da stimme ich Dir gerne zu, doch die meisten dieser Bitcoiner berufen sich auf die Grundprinzipien genau dieses Whitepapers, obwohl sie es gar nicht gelesen, geschweige denn verstanden haben.

      • Aber ist das denn überhaupt so wichtig? Verstehen muss man es doch nur dann, wenn man drunter leidet, und es ändern möchte.

        Ich bin eher entspannt, und denke die Erfindung des Internetes ist eine viel grundlegendere und revolutionärere Erfindung als die von Bitcoin, trotzdem wälze ich nicht stundenlang alte RFCs, um zu schauen ob wir das Ziel dieser RFCs auch ganz genau erreicht haben. Die Nutzung verändert sich und Ziele verfeinern sich mit der Zeit.
        Die Frage ist doch ob Bitcoin/… so wie es ist unseren heutigen Ansprüchen genügt, und nicht etwa denen die Satoshi 2009 gehabt hat.

      • Der Vergleich mit dem Internet ist gut, tatsächlich ist Bitcoin deutlich weniger bedeutend dafür, obwohl ein freies Geld sehr verbunden mit freier Meinung ist. Siehe Wikileaks, denen das Funding von Seiten der Banken / Zahlungsdienstleister gekappt wurde und eine der ersten realen Adoptions für Bitcoin wurde.

        Die Frage ist doch ob Bitcoin/… so wie es ist unseren heutigen Ansprüchen genügt, und nicht etwa denen die Satoshi 2009 gehabt hat.

        Die Frage beantworte ich gerne mit einem klaren nein. Selbst Satoshi hat damals Bedenken zur mangelnden Privatsphäre geäußert, Hal Finney sogar wenige Tage nach dem Launch nach Verbesserungen dieser gesucht:
        https://twitter.com/halfin/status/1136749815
        Die größten Probleme des Bitcoins sind nach 13 Jahren ungelöst: Skalierbarkeit, Privatsphäre und damit einhergehende Zensurresistenz. Sehr ernüchternd für jemanden wie mich, der seine ersten Bitcoin Erfahrungen 2011 gemacht hat, damals auch wegen einer Willkür von PayPal. Wir stehen weiterhin am Ausgangspunkt, obwohl dieser von Satoshi und den Leuten um ihn herum bereits als mangelhaft definiert worden war, Bitcoin war und ist ein MVP, das nicht mehr sinnvoll weiterentwickelt wurde, Layer2 kann keine Lösung für ein brüchiges Fundament sein. Die Spekulationsblase hat dies nur verschlimmert…

      • Die Frage beantworte ich gerne mit einem klaren nein.

        Ich glaube die Frage beantwortet jeder anders. Das Momentum (oder der Durchschnitt der Meinungen) spricht im Moment eher klar für Bitcoin.

        Bitcoin war und ist ein MVP, das nicht mehr sinnvoll weiterentwickelt wurde, Layer2 kann keine Lösung für ein brüchiges Fundament sein.

        Hm, da würde ich einfach mal sagen, abwarten. Die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende, sondern beginnt jetzt erst richtig spannend zu werden.

        Das nächste Kapitel im Buch heisst jetzt scheinbar ersteinmal „Regulierung“.

      • Siehst Du aktuell wirklich ein Momentum bei Bitcoin?

        Ich sah dieses als die dunklen Kanäle oder Wikileaks Bitcoin adoptiert hatten, als Microsoft und andere große Publisher nachgezogen sind. Seit gefühlt 8 Jahren sehe ich kein Momentum für Bitcoin mehr, ich sehe eines, das vergleichbar mit den Anfängen Bitcoins ist, bei Monero. Bitcoin Adoption als Zahlungsmittel ist seit Jahren rückläufig, die dunklen Marktplätze setzen mittlerweile fast alle auf Monero-only und ich kenne nach dem Hydra Shutdown keinen großen Marktplatz, der Bitcoin akzeptieren würde. Ich kann mittlerweile mit Monero gefühlt mehr Dinge bezahlen als mit Bitcoin, insbesondere bei Online-Services. Coincards, Travala & Co. veröffentlichen Statistiken zur Nutzung einzelner Coins, überall sieht man eine stark steigende Tendenz zu Monero und wenn jemand schon Bitcoin nutzt, dann traditionell OnChain, nicht übers Lightning Netzwerk, deren Nutzung eher im statistischen Fehler liegt.

        Im Falle Regulierung, die Du ansprichst, hat Bitcoin auch ziemlich schlechte Karten, denn anders als bisher muss man keinen Vollzugriff auf Kontendaten haben, um alles zu wissen. Ohne eingebaute erzwungene Privatsphäre wird Bitcoin lediglich als Spekulationsobjekt „brauchbar“ sein. Wie gesagt, ohne langfristige Skalierbarkeit und Privatsphäre sehe ich Bitcoin in 10 Jahren nicht mehr wirklich auf dem Schirm. Es war ein MVP.

  5. Hut ab, einer deiner besten Artikel bis jetzt 🙂

  6. Kann viele Gedanken und Empfindungen nachvollziehen. Und trotzdem stellen Maximalisten, gerade für Leute, die neu in den Space kommen, eine Art Verbraucherschutzdienstleistung dar. Im Altcoinspace kann man verschiedene Ideen gut und interessant finden, doch mangelt es all zu oft an aufrichtigen Gründern, wie schon zu häufig zu beobachten war.
    Niemand mag Nörgler oder militante Veganer. Aber was würden Sie als Veganer dazu sagen, wenn auf dem Braten im Supermarkt „vegan“ draufstehen würde.

    Und bzgl. Energie: Erkennt man keinen Mehrwert in der Umgehung des Oracle Problems und des double Spending Problems, der Zensurresistenz (peer to peer), der Dezentralität und eben Sicherheit des Netzwerkes, was in unserem privilegiertem Umfeld gar nicht so realitätsfern ist, muss man sich auf die Energie oder schlechte Adoption oder Verteilung hierzulande berufen. Dabei ist der CO2 Fußabdruck paradoxerweise in einem deflationären System vermutlich derart geringer, dass die zum Minen aufgebrachte Energie nicht ins Gewicht fiele. Whataboutism gefällt mir nicht, deshalb lasse ich das auch in Bezug auf Energie. Es kommt halt auf den Nutzen an, den man in der Sache erkennt- jetzt schreibe ich es doch: Stichwort Kreuzfahrt oder Trockner.
    Auch darf man ruhig hervorheben, dass Btc schon für die eine oder andere Innovation gesorgt hat, die uns effizienter und umweltfreundlicher machen- hört man nie.
    60% werden des Mining wird mit erneuerbaren Energien betrieben, die sauberste mir bekannte Industrie. Reize werden gesetzt, Mining als Subvention der Erneuerbaren. Kann an dieser Stelle ein Interview von Btc verstehen mit Herrn Prof. Sander empfehlen, sie nehmen die „Problematik“ genauer unter die Lupe.

    Auch zeigt der Blocksizewar auf, wie wichtig es ist, dass die Grundprinzipien der Technologie verteidigt werden. Btc Cash interessiert niemanden mehr.
    Lange Rede kurzer Sinn: Ein DEZENTRALES Netzwerk braucht seine Beschützer, da dahinter kein Unternehmen und auch keine Lobby steckt, ganz im Gegensatz zu den Altcoins.

    • Und bzgl. Energie: Erkennt man keinen Mehrwert in der Umgehung des Oracle Problems und des double Spending Problems, der Zensurresistenz (peer to peer), der Dezentralität und eben Sicherheit des Netzwerkes, was in unserem privilegiertem Umfeld gar nicht so realitätsfern ist, muss man sich auf die Energie oder schlechte Adoption oder Verteilung hierzulande berufen.

      Schlechte Adoption ist doch ein selbstgemachtes Problem der beschränkten Blocksize.

      60% werden des Mining wird mit erneuerbaren Energien betrieben, die sauberste mir bekannte Industrie.

      Mir fallen auf Anhieb deutlich „sauberere“ Industriezweige ein, insbesondere viele Hosting Anbieter setzen zu 100% auf erneuerbare Energien. Beim Mining von 60% erneuerbarer auszugehen ist meiner Meinung nach töricht, es könnten genausogut 90% oder 10% sein. Wer in Deutschland mined, wird zu annähernd 100% auf PV setzen, hingegen einer der größten Miner der USA, Riot setzt zu 100% auf fossile Energiequellen.

      Auch zeigt der Blocksizewar auf, wie wichtig es ist, dass die Grundprinzipien der Technologie verteidigt werden.

      Dazu fällt mir mittlerweile nichts mehr ein. Es gab keine Blocksize Beschränkung bei Bitcoin, außer der Message Size, die das technische Limit bei knapp 32MB gesetzt hätte. Die 1MB wurden (imho temporär, leider im Git Commit nicht begründet) wegen des Satoshi Dice „Spams“ eingeführt. Man sollte auch nicht verkennen, wie stark die Bandbreite und Festplattenkapazität in den letzten 13 Jahren gestiegen ist, damals war hierzulande VDSL50 das höchste der Gefühle, heute sind 1Gbit Leitungen fast flächendeckend verfügbar und können in Business Tarifen auch locker auf 10Gbit aufgestuft werden. Die 1MB sind tatsächlich ein entscheidender Teil der Religion, nicht zuletzt verbreitet durch die Leute um Blockstream, die Bitcoin gefühlt seit 10 Jahren übernommen haben und jegliche sinnvolle Entwicklung verhindern, um ihren proprietären Scam Liquid durchzuboxen (zum Glück ohne größeren Erfolg).

  7. Lange Rede kurzer Sinn: Ein DEZENTRALES Netzwerk braucht seine Beschützer,

    Ich hoffe mal, es stellt sich weiterhin heraus, das dezentrale Netzwerk braucht KEINE Beschützer, da es sich ganz gut selbst verteidigt.

  8. Naja, für eine Religion fehlt ja nu doch noch das was praktisch alle Religionen dieser Welt gemeinsam haben. Nämlich das Versprechen auf ein ewiges Leben nach dem Tod – nur bei einem gottgefälligen diesseitigen Leben natürlich – und die ewige Verdammnis für die Ungläubigen.

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