In der Diskussion ums Krypto-Mining wird ein Aspekt gerne übersehen: Die Miner schaffen eine Infrastruktur, die auch für andere nützlich ist. Für den KI-Boom, der Ende 2022 ausbrach, könnte das entscheidend gewesen sein.
Irgendwann im Herbst 2022 rollte der KI-Hype an: OpenAI veröffentichte im September ein neues Dall-E-Modell, mit dem man Bilder generieren kann, im November folgte der Sprachbot ChatGPT. Seitdem ist KI DER Trend der Tech-Branche.
Eine Gemeinsamkeit mit den Krypto-Minern ist der enorme Stromverbrauch: Um die KI-Modelle zu trainieren, braucht es nicht nur große Datenmengen – sondern auch eine massive Hardware-Flotte.
Vieles spricht nun dafür, dass der Hype, den OpenAI entfachte, ohne das Mining gar nicht möglich gewesen wäre. Genauer gesagt: Ohne das Mining von Ethereum – und den Merge, durch den Ethereum Anfang September 2022 auf Proof of Stake wechselte. Der Merge machte geschätzt eine Million Grafikkarten (GPUs) „arbeitslos“. Für sie kam die explodierende Nachfrage durch KI wie ein Geschenk des Himmels.
Mittlerweile verwenden KI-Modelle zwar vor allem spezialisierte Grafikkarten. Aber als Starthilfe dürften die durch den Merge frei werdenden GPUs unersetzbar gewesen sein. Ohne sie hätte OpenAI seine Produkte vermutlich nicht so günstig vermarkten können, und ohne sie hätten alternative KI-Modelle, die seitdem entstehen, wohl kaum rasch Zugriff auf ausreichend Rechenleistung gehabt.
Doch auch die Erfahrung, die die Miner gesammelt haben, dürfte dem KI-Hype in die Hände spielen. Miner sind Experten dafür, günstige Stromquellen aufzuspüren und rasch Rechenzentren aufzubauen. Dank dieser Kompetenzen wurde etwa der Miner Northern Data einer der größten Anbieter von Rechenleistung für KIs.
Aber auch die Hersteller von Hardware haben vom Mining profitiert. Der Aktienkurs des Grafikkarten-Herstellers Nvidia folgte zwischen 2017 und 2022 relativ treu dem Kurs von Kryptowährungen. So sehr, dass die Aktie einen prominenten Rang in einem Krypto-Index einnahm, den die Großbank JP Morgan 2021 auflegen wollte.
Was gut für Ethereum war, war gut für Nvidia. Wenn die Preise boomten, kam Nvidia kaum hinterher, die Nachfrage der Miner zu bedienen, während die Preise für Grafikkarten zum Leidwesen der Gamer explodierten. Die Verbindung zwischen Ethereum und Nvidia war so eng, dass der Chiphersteller sich 2019 sogar in Diskussionen um den Mining-Algorithmus einschaltete.
Heute ist Nvidia der führende Hersteller von speziellen GPUs für KI-Berechnungen. Deren Entwicklung und die notwendigen Produktionslinien wurden auch durch Proof of Work finanziert.
Das Mining und sein Ende auf ETH mit dem Merge haben also den KI-Boom auf mehreren Ebenen ermöglicht: von den Rechenzentren über die verfügbare Hardware zu den Chip-Entwicklern. Gegeben hätte es die KI-Modelle auch ohne Proof of Work – aber sie wären vermutlich später in der Masse angekommen und sie wären teurer und langsamer gewesen.

