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Das wahre Flippening – etwas anders als erwartet

Ein Delfin (Flipper). Bild von Alessandro Caproni via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Es gibt da einen Coin, der im Preis zwar unauffällig ist, aber in zentralen Metriken der Adoption Bitcoin nicht nur einholt – sondern überholt!

Beginnen wir mit einem kleinen Rätsel:

Börsen nehmen mich vom Handel,
Regulierer hemmen mich wo es nur geht,
meine Wallets, die sind so sperrig,
meine Technik grausig kompliziert
Und doch — werd ich immerfort beliebter
Und messe mich sogar mit Bitcoin selbst.
Wer bin ich?

Die Antwort ist für viele offensichtlich: Monero (XMR), der führende Privacycoin, die Währung, die Anonymität und Resistenz gegen Asics und Zentralisierung ernster nimmt als jede andere, der Coin, der die Ideale weiterträgt, die man früher Bitcoin zugeschrieben hat.

Der Preis von Monero ist unauffällig. Im Ranking der Kryptowährungen liegt er mit einer Marktkapitalisierung von knapp drei Milliarden Dollar auf Platz 29. Nichts spricht auf den ersten Blick dafür, dass es nicht um einen weiteren Shitcoin geht – und erst recht nicht, dass wir hier einen Coin haben, der sich auf einigen Gebieten nicht nur mit Bitcoin misst – sondern Bitcoin längst überflügelt hat.

König im Darknet

Im Darknet, also dort, wo Privatsphäre und Anonymität nicht nur ein „Nice to Have“ ist, sondern essenziell, um in Freiheit zu bleiben, ist Monero schon lange auf dem Vormarsch.

Mittlerweile dürfte Monero dort Bitcoin bereits überholt haben. Die meisten Märkte akzeptieren zwei Kryptowährungen, nämlich Bitcoin und Monero. Doch Betreiber empfehlen in der Regel Monero, manche Märkte, etwa DrugHub oder DarkMatter, lassen nur noch Monero zu.

Der Grund ist einfach: Strafverfolger können Monero-Transaktionen nicht nachverfolgen. In manchen Foren wird bereits gefragt, welche Märkte überhaupt noch Bitcoin akzeptieren, worauf die kanonische Antwort ist, dass man Bitcoin nicht benutzen sollte, weil Transaktionen zu transparent sind. Für die Polizei ist der Vormarsch von Monero dementsprechend eine beunruhigende Entwicklung.

Das Darknet war der Bereich, in dem Bitcoin ab 2011 mit der legendären Silk Road groß wurde. Man muss den illegalen Handel mit Drogen und anderen Gütern nicht gutheißen, um ihm zuzugestehen, dass er eine wichtige Rolle in der Geschichte von Bitcoin spielte – und, so ehrlich sollte man sein: auch heute noch spielt.

Man könnte das Darknet allerdings als „special interest“ abtun, als schmuddeligen Sonderbereich, den Bitcoin gerne an den Privacycoin abgibt. Doch auch außerhalb findet man immer häufiger Statistiken, die auf Monero hinweisen.

Aber auch im Klarnet immer beliebter

Da wäre zum Beispiel Silent.Link, ein Shop für anonyme eSIMs. Dort wird Monero laut eigener Statistik mittlerweile bei der Hälfte aller Zahlungen verwendet. Der Rest entfällt auf Bitcoin, onchain und Lightning.

Ähnlich OrangeFren eine Seite, wo man nach KYC-freien Wechseloptionen suchen kann. Mit 31 Prozent ist Monero dort der am häufigsten nachgefragte Coin, gefolgt von Bitcoin mit 21 Prozent.

Nicht viel anders ist es auf Mynymbox. Bei dem anonymen Hosting-Dienstleister stellt Monero mittlerweile sogar 60 Prozent aller Zahlungen.

Noch extremer sind die Zahlen von ShopinBit, einer Handelsplattform, auf der man eigentlich mit Bitcoin allerlei Güter bestellen kann. Mittlerweile verwenden die Kunden in 75 Prozent aller Bestellungen Monero, wie der Betreiber etwas verblüfft konstatiert.

Solche Verhältnisse bilden sich seit Monaten heraus. Doch sie wurden im Einzelnen extremer, und liegen mittlerweile in einer Breite vor, dass man mit Fug und Recht von einem Flippening sprechen kann.

Die unbeabsichtigen Folgen der Regulierung

Gemeinsam haben die meisten der Seiten, auf denen mittlerweile Monero dominiert, dass es um Privatsphäre und Anonymität: Silent.Link, OrangeFren und Mynymbox erlauben es direkt, Leistungen zu beziehen, die normalerweise mit einer Identifizierung der Person einhergehen. Dass die User, die hier ihre Privatsphäre wahren wollen, sie auch beim Bezahlen waren, liegt auf der Hand.

Umso erstaunlicher ist aber der Erfolg von Monero auf ShopinBit. Hier kann man mit Kryptowährungen normale Güter kaufen, die in der Regel an die Postanschrift geliefert werden. Dass gerade hier Monero am häufigsten verwendet wird, kann man mit zwei Vermutungen erklären:

Erstens, diejenigen, die Monero handeln oder aus nicht immer ganz legalen Quellen erwirtschaften nutzen die Plattform um „auszucashen“, ohne einer Finanzinstitution die Identität zu enthüllen. Der Onlineshop wäre damit die Verlängerung des Darknets, das Bindeglied zwischen diesem und dem weißen Netz. Zweitens, und nicht viel anders, kann man Monero kaum noch wo auf Börsen handeln, weshalb viele shoppen anstatt zu verkaufen.

Die zweite Vermutung wirft ein Licht auf eine interessante mögliche, unbeabsichtigte Folge des regulatorischen Drucks: Wenn die Börse Monero delisten, stärkt diese den Umlauf als Zahlungsmittel.

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