Die Pro-Bitcoin-Senatorin Cynthia Lummis möchte mit dem BITCOIN Act die USA zur Bitcoin-Supermacht machen. Dazu plant sie den Aufbau eines neuen, dezentralen und transparenten Fort Knox.
Auf der Bitcoin2024 in Nashville vergangene Woche hat nicht nur Donald Trump gesprochen, sondern auch die republikanische Senatorin Cynthia Lummis. Lummis gilt seit langem als ausgesprochen Bitcoin-freundlich, weshalb es wenig wundert, dass ihre Bitcoin-Pläne die von Trump bei weitem überflügeln.
Konkret übersteigt der von ihr vorgeschlagene „BITCOIN Act“ alle Wünsche der Bitcoiner. Er ist ein großer Wurf – und, genau besehen, ein realistischer Plan für die dauerhafte finanzielle Vorherrschaft der USA.
Bitcoins, um die finanzielle Führung der USA zu stärken
Der „Boosting Innovation, Technology, and Competitiveness through Optimized Investment Nationwide Act of 2024“ – kurz: „BITCOIN ACT of 2024“ – soll „eine Strategische Bitcoin-Reserve aufbauen und mit weiteren PRogrammen sicherstellen, dass die Bitcoin-Bestände der Regierung transparent verwaltet werden.“
Der Senat solle, so der Entwurf, anerkennen, „dass die globale Finanzlandschaft sich rapide entwickelt und digitale Assets eine wachsende Rolle in der Weltwirtschaft spielen“. Bitcoin habe Resilienz bewiesen und etabliere sich seit einem Jahrzehnt als Zahlungsmittel und Wertspeicher.
So wie „eine Gold-Reserve historisch als Grundpfeiler einer nationalen finanziellen Sicherheit gedient hat, repräsentiert Bitcoin ein Asset des digitalen Zeitalters, das in der Lage ist, die finanzielle Führung und Sicherheit der Vereinigten Staaten in der globalen Wirtschaft des 21. Jahrhunderts zu stärken.“
Hui – und wie wahr. Eine Bitcoin-Reserve kann – womöglich muss sie sogar – die Basis künftiger globaler finanzieller Bedeutung sein. Aus diesem Grund fordert Lummis „den Erwerb und die langfristige Speicherung substanzieller Mengen an Bitcoins durch die Vereinigten Staaten.“
„Ein dezentrales Netzwerk sicherer Bitcoin-Speicherstätten“
Dazu soll ein Art neues Fort Know gebildet werden, „ein dezentrales Netzwerk sicherer Bitcoin-Speicherstätten, verteilt über die Vereinigten Staaten.“ Mithilfe des Verteidigungsministeriums sowie der Homeland Security sollen diese Lagerstätten mit allen zur Verfügung stehenden Maßnahmen gesichert werden.
Ein „Bitcoin Purchase Program“ soll diese „Strategische Bitcoin-Reserve“ füllen. Fünf Jahre lang sollen die USA jeweils 200.000 Bitcoins kaufen, so transparent und marktschonend wie möglich, um schließlich eine Million Bitcoins zu besitzen oder knapp fünf Prozent aller umlaufenden Bitcoins. Darüber hinaus wird sämtlichen staatlichen Behörden verboten, Bitcoins, die unter ihrer Kontrolle liegen, etwa durch Beschlagnahmungen, zu verkaufen oder zu verpfänden. Stattdessen werden sie, sobald sie rechtlich in den Besitz der Vereinigten Staaten übergehen, der strategischen Reserve zugeführt.
Die Bitcoins in der Strategischen Reserve sind mindestens 20 Jahre zu halten. In dieser Phase dürfen sie für keine Zwecke „verkauft, getauscht, verauktioniert, verpfändet oder sonstwie disponiert werden, außer um fällige Schuldinstrumente auslaufen zu lassen.“ Dieser Satz („… retire outstanding debt instruments“) ist etwas dunkel.
Transparenz soll ein System vierteljährlicher „Proof of Reserves“ schaffen, welches die Bestände mit kryptographischen Methoden verifiziert. Die Bitcoin-Adressen werden in Berichten auf einer Webseite veröffentlicht, die Verwalter signieren sie mit den Schlüsseln.
Damit wäre eine solche Bitcoin-Reserve die erste demokratisch verwaltete Reserve, welche vor dem Souverän vollständig transparent ist. Noch nie hätte eine staatliche Reserve so sehr dem Volk gehört wie diese.
Die Grenze des Sagbaren
Wirtschaftlich hätte diese Reserve den Effekt einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Wenn die USA Bitcoin zur Strategischen Reserve machen – dann wird Bitcoin zur Strategischen Reserve. Wenn Bitcoin für die USA einen solchen Wert hat, dass sie eine Million Bitcoin akkumulieren – dann hat Bitcoin diese Wert.
Als Pionier würde die USA in einem sagenhaften Ausmaß davon profitieren, dass Bitcoin zur neuen Reserveeinheit wird. Es würde alle anderen in eine Art Zugzwang setzen, nachzuziehen, nicht viel anders als bei Gold. Eine finanziell solide Nation muss heute Gold besitzen – und in Zukunft, geht es nach Lummis, auch Bitcoin.
Mit welchem Geld die USA jedoch eine Million Bitcoins kaufen, bleibt etwas vage. Der Gesetzesentwurf nennt Einnahmen der Federal Reserve Banks sowie Überschüsse aus Gold-Zertifikaten. Aber gerade am Anfang werden die USA das Geld schon zusammenbringen, insbesondere, da sie ja beinahe nach Belieben Dollar schaffen kann.
Aber der BITCOIN Act ist ohnehin bislang eher ein Wunsch denn eine reale Aussicht. Die Senatorin kann den Gesetzesentwurf zwar in den Kongress bringen – aber es ist, zumindest derzeit, sehr unwahrscheinlich, dass er verabschiedet wird. Aber wer weiß schon, was geschieht, und mehr als um das konkrete Gesetz geht es vermutlich darum, die Grenze des Sag- und Denkbaren zu verschieben. Gegenüber den Plänen von Lummis wirkt der Vorschlag Trumps, die konfiszierten Coins im Besitz der Staaten – derzeit etwa 200.000 – einer Strategischen Reserve zuzuführen, schon beinahe konservativ.

