US-Senatorin schlägt vor, eine Million Bitcoin für strategische Reserve zu kaufen
Cynthia Lummis. Bild von ihrer Senat-Seite, geteilt über Wikimedia, Rechte: Gemeinfrei.
Die Pro-Bitcoin-Senatorin Cynthia Lummis möchte mit dem BITCOIN Act die USA zur Bitcoin-Supermacht machen. Dazu plant sie den Aufbau eines neuen, dezentralen und transparenten Fort Knox.
Auf der Bitcoin2024 in Nashville vergangene Woche hat nicht nur Donald Trump gesprochen, sondern auch die republikanische Senatorin Cynthia Lummis. Lummis gilt seit langem als ausgesprochen Bitcoin-freundlich, weshalb es wenig wundert, dass ihre Bitcoin-Pläne die von Trump bei weitem überflügeln.
Konkret übersteigt der von ihr vorgeschlagene „BITCOIN Act“ alle Wünsche der Bitcoiner. Er ist ein großer Wurf – und, genau besehen, ein realistischer Plan für die dauerhafte finanzielle Vorherrschaft der USA.
Bitcoins, um die finanzielle Führung der USA zu stärken
Der „Boosting Innovation, Technology, and Competitiveness through Optimized Investment Nationwide Act of 2024“ – kurz: „BITCOIN ACT of 2024“ – soll „eine Strategische Bitcoin-Reserve aufbauen und mit weiteren PRogrammen sicherstellen, dass die Bitcoin-Bestände der Regierung transparent verwaltet werden.“
Der Senat solle, so der Entwurf, anerkennen, „dass die globale Finanzlandschaft sich rapide entwickelt und digitale Assets eine wachsende Rolle in der Weltwirtschaft spielen“. Bitcoin habe Resilienz bewiesen und etabliere sich seit einem Jahrzehnt als Zahlungsmittel und Wertspeicher.
So wie „eine Gold-Reserve historisch als Grundpfeiler einer nationalen finanziellen Sicherheit gedient hat, repräsentiert Bitcoin ein Asset des digitalen Zeitalters, das in der Lage ist, die finanzielle Führung und Sicherheit der Vereinigten Staaten in der globalen Wirtschaft des 21. Jahrhunderts zu stärken.“
Hui – und wie wahr. Eine Bitcoin-Reserve kann – womöglich muss sie sogar – die Basis künftiger globaler finanzieller Bedeutung sein. Aus diesem Grund fordert Lummis „den Erwerb und die langfristige Speicherung substanzieller Mengen an Bitcoins durch die Vereinigten Staaten.“
„Ein dezentrales Netzwerk sicherer Bitcoin-Speicherstätten“
Dazu soll ein Art neues Fort Know gebildet werden, „ein dezentrales Netzwerk sicherer Bitcoin-Speicherstätten, verteilt über die Vereinigten Staaten.“ Mithilfe des Verteidigungsministeriums sowie der Homeland Security sollen diese Lagerstätten mit allen zur Verfügung stehenden Maßnahmen gesichert werden.
Ein „Bitcoin Purchase Program“ soll diese „Strategische Bitcoin-Reserve“ füllen. Fünf Jahre lang sollen die USA jeweils 200.000 Bitcoins kaufen, so transparent und marktschonend wie möglich, um schließlich eine Million Bitcoins zu besitzen oder knapp fünf Prozent aller umlaufenden Bitcoins. Darüber hinaus wird sämtlichen staatlichen Behörden verboten, Bitcoins, die unter ihrer Kontrolle liegen, etwa durch Beschlagnahmungen, zu verkaufen oder zu verpfänden. Stattdessen werden sie, sobald sie rechtlich in den Besitz der Vereinigten Staaten übergehen, der strategischen Reserve zugeführt.
Die Bitcoins in der Strategischen Reserve sind mindestens 20 Jahre zu halten. In dieser Phase dürfen sie für keine Zwecke „verkauft, getauscht, verauktioniert, verpfändet oder sonstwie disponiert werden, außer um fällige Schuldinstrumente auslaufen zu lassen.“ Dieser Satz („… retire outstanding debt instruments“) ist etwas dunkel.
Transparenz soll ein System vierteljährlicher „Proof of Reserves“ schaffen, welches die Bestände mit kryptographischen Methoden verifiziert. Die Bitcoin-Adressen werden in Berichten auf einer Webseite veröffentlicht, die Verwalter signieren sie mit den Schlüsseln.
Damit wäre eine solche Bitcoin-Reserve die erste demokratisch verwaltete Reserve, welche vor dem Souverän vollständig transparent ist. Noch nie hätte eine staatliche Reserve so sehr dem Volk gehört wie diese.
Die Grenze des Sagbaren
Wirtschaftlich hätte diese Reserve den Effekt einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Wenn die USA Bitcoin zur Strategischen Reserve machen – dann wird Bitcoin zur Strategischen Reserve. Wenn Bitcoin für die USA einen solchen Wert hat, dass sie eine Million Bitcoin akkumulieren – dann hat Bitcoin diese Wert.
Als Pionier würde die USA in einem sagenhaften Ausmaß davon profitieren, dass Bitcoin zur neuen Reserveeinheit wird. Es würde alle anderen in eine Art Zugzwang setzen, nachzuziehen, nicht viel anders als bei Gold. Eine finanziell solide Nation muss heute Gold besitzen – und in Zukunft, geht es nach Lummis, auch Bitcoin.
Mit welchem Geld die USA jedoch eine Million Bitcoins kaufen, bleibt etwas vage. Der Gesetzesentwurf nennt Einnahmen der Federal Reserve Banks sowie Überschüsse aus Gold-Zertifikaten. Aber gerade am Anfang werden die USA das Geld schon zusammenbringen, insbesondere, da sie ja beinahe nach Belieben Dollar schaffen kann.
Aber der BITCOIN Act ist ohnehin bislang eher ein Wunsch denn eine reale Aussicht. Die Senatorin kann den Gesetzesentwurf zwar in den Kongress bringen – aber es ist, zumindest derzeit, sehr unwahrscheinlich, dass er verabschiedet wird. Aber wer weiß schon, was geschieht, und mehr als um das konkrete Gesetz geht es vermutlich darum, die Grenze des Sag- und Denkbaren zu verschieben. Gegenüber den Plänen von Lummis wirkt der Vorschlag Trumps, die konfiszierten Coins im Besitz der Staaten – derzeit etwa 200.000 – einer Strategischen Reserve zuzuführen, schon beinahe konservativ.
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Das habe ich (indirekt) bereits in 2012 vorausgesagt/erwartet.
Nicht umsonst haben wir Informatiker nicht nur das Internet aufgebaut, fortgeschrieben … Das Journalorientierte kommt logischerweise hinzu.
Hat sich jemand mit einer gigantischen Verzögerung daran erinnert…
Eine bewusste Maßnahme (?)
Sorry, aber Bitcoin ist lost und wird immer absurder.
Die selben Bitcoin „OGs“, die vor 10+ Jahren für eine strikte Trennung von Geld und Staat getrommelt haben, sehen in der US-Regierung ihren Heilsbringer, der ihre eigenen Bestände pumpt. Dabei ist das ein Spiel mit dem Teufel, welches gerade bei einem transparenten Ledger wie Bitcoin nur verloren werden kann.
Ich erinnere nur an die Geschichte von Fort Knox, aus Wikipedia:
Viel Spaß dabei, ich bin raus.
Also, mit Trennung von Geld und Staat war ja wohl immer gemeint, dass dem Staat die Macht genommen wird, (Fiat)-Geld aus dem nichts zu drucken und nicht, dass der Staat keine Bitcoin-Reserve bilden sollte…
Der Staat soll jetzt also auf Kosten der Bürger kreditfinanziert bzw. Geld drucken (wie auch sonst?), um den Bitcoin Preis zu pumpen. Willkommen in der neuen Bitcoin Welt!
In gewisser Weise ist es schon konsequent, wenn der Staat dabei mithilft, sich selbst abzuschaffen, oder?
Spieltheoretisch wäre das auf jeden Fall interessant, wenn ein Staat 5% hält, was real eher 8% sein dürften mit all den Patoshi & sonstigen verlorenen Coins… So eine „strategische Reserve“ könnte man kaum kurzfristig liquidiert bekommen, ohne den Preis ins bodenlose stürzen zu lassen.
Dass dies den gesetzgeberischen Prozess passiert halte ich ohnehin für wenig wahrscheinlich, eher wird es auf eine Besteuerung der Bestände hinauslaufen, bei ETFs und custodial Wallets vollautomatisch, bei unhosted aber KYC bezogenen durch manuelle Ansprache. Seine Bestände muss man in den USA afaik seit Jahren in die Steuererklärung packen, Exchanges dürften dahingehend abgeglichen werden. Analog zum Goldverbot welches zur strategischen Reserve geführt hat, wäre das nur konsequent.
So gestohlene Coins könnten dann eine Reserve bilden 😀
Eine Reihe früher Unterstützer von Bitcoin kommen aus der Cypherpunk Ecke („Therefore, privacy in an open society requires anonymous transaction systems. Until now, cash has been the primary such system. [..] We the Cypherpunks are dedicated to building anonymous systems.“ [1]). Frühere Versuche für elektronischem Cash kommen aus dieser Gruppe. Annonymität war eines der Ziele, auch wenn sich jetzt viele öffentlich davon etwas distanzieren, z.B. Zooko (ZCash). Früher stellte man Satoshi auch als Cypherpunk dar (, was so klar aber nicht ist). Viele frühere Bitcoinunterstützer sind Libertäre. Das Verhältnis zum Staat ist da eher distanziert.
Die Narrative um Bitcoin ändern sich mit der Zeit. Es kommen ja auch immer neue Unterstützer aus den unterschiedlichsten Denkrichtungen hinzu. Mglw. lockt auch der potenzielle Reichtum. Wenn die Staaten erstmal einsteigen… 😉
[1] https://www.activism.net/cypherpunk/manifesto.html
Ich glaube, dass sie nicht kurzfristig liquidiert werden kann, wäre genau die Idee. Deswegen auch die Verpflichtung die Reserve mindestens 20 Jahre zu halten. Das wäre ein extrem starkes Bekenntnis. Sowas hat geschichtlich gesehen auch Fiat erst die relative Stabilität beschert, die es heutzutage geniesst.
Das würde effektiv den Preis von Bitcoin stützen. Es kann dann davon ausgegegangen werden, dass eine so große Nation wie die USA, ein starkes Interesse an einem stabilen Preis hat – und zwar egal wer im Oval Office sitzt. Das würde in Folge ziemlich sicher zu einer self-fullfilling Prophecy.
Allerdings glaube ich auch nicht, dass das aktuell irgendeine Chance hat, realisiert zu werden. Sicher nicht unter den Demokraten aber auch nicht unter Trump.
Wer glaubt, dass Trump sich nach der Wahl an seine Wahlversprechen erinnern wird, die er so inflationär in alle Richtungen streut leidet definitiv unter Demenz. So viele eigene Aussagen wie Donald Trump schon gleich wieder vergessen hat.
Möglich, dass ein solche Reserve dem Markt Bitcoins entziehen würde, genau wie verlorenen Coins das ja auch tun.
Die noch im Umlauf befindlichen würden aber proportional an Wert gewinnen, da es in diesem Fall – anders als bei verlorenen Coins – zumindest transparent geschieht und wie Du richtig bemerkt hast nicht kruzfristig liquidiert werden könnte.
Würde im Vergleich zum stützenden Einfluss eines so großen NationWhale aber nicht viel ändern. Und anderseits könnte dieser NationWhale, weil er im Vergleich zu allen Marktteilnehmern insgesamt trotzdem noch relativ klein wäre, darüber trotzdem keine aggressive Geldpolitik betreiben (wie aktuell mit dem Dollar), nur stützen.
Allenfalls eine Weltregierung mit einer „strategischen Reserve“ könnte das, vielleicht.
Irgendwie scheinen die Befürworter von BTC als Reservewährung anzunehmen, dass es dann keinerlei Versuche geben würde, BTC auch für politische Ziele zu nutzen. Wenn Staaten (deren Akteure) können erhebliche Mittel einsetzen, um eigene Interessen durchzusetzen.
Abgesehen davon könnte man eine Aufhebung der Goldbindung sicher auch wiederholen.