Website-Icon BitcoinBlog.de – das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen

Die Midlife-Crisis von Ethereum

Der Kursverfall von Ethereum gegen Bitcoin setzt sich fort. Mit einem Preis von 0,019 Bitcoin erreicht Ethereum seinen tiefsten Punkt seit 2019 – und es gibt derzeit wenig, das Hoffnung auf eine Trendumkehr gibt.

Ethereum schlägt sich in dieser Marktphase so schlecht, dass schon die Banker spotten. Ethereum sei, sagte etwa Geoff Kendrick von Standard Chartered, in einer „Midlife-Crisis“. Was, genau genommen, eine eher optimistische Einschätzung ist, da eine Midlife-Krise üblicherweise abflaut, sobald man die 50 überschritten hat.

Bei Ethereum ist derzeit nicht zu erkennen, ab wann die Krise endet. Die Kryptowährung hatte 2017 mit 0,146 Bitcoin ihren Höhepunkt erreicht und hat nun, mit 0.019 BTC, fast 90 Prozent abgegeben.

Ethereum-Preis in BTC nach coinmarketcap.com

Und nein, in Dollar gesehen sieht es nicht sehr viel schöner aus. Zwar sitzt Ethereum immer noch deutlich über den Dollar-Preisen, die bis 2020 üblich waren. Doch den Höhepunkt von 4.666 Dollar hat der Coin in dieser Marktphase nicht wieder erreicht. Nun ist er mit 1.633 Dollar meilenweit von ihm entfernt, und selbst in einer sehr weiten Perspektive braucht man viel Phantasie, um den rasanten Kursverfall in diesem Jahr als Korrektur in einem langwährenden Aufwärtstrends zu lesen.

… und in Dollar.

Vielleicht drückt nichts deutlicher die Krise von Ethereum aus, als die Kurse der beiden Hauptkonkurrenten Solana und BNB in ETH. Solana ist derzeit auf einem Allzeithoch von 0,08 ETH, der Wert in ETH hat sich seit Anfang 2023 etwa verzehnfacht; BNB ist mit 0,36 ETH ebenfalls auf einem Allzeithoch und hat sich, seit Anfang 2021, verzehnfacht.

Solana-Preis in ETH nach coinmarketcap.com.

Dass Ethereum in der Blüte seiner Jahre so dermaßen gegen seine Konkurrenten abschmiert, kann man nicht ignorieren. Aber kann man benennen, was genau los ist?

Eigentlich läuft es richtig gut!

Fangen wir mit dem an, was nicht kaputt ist. Der Vergleich mit der Midlife-Crisis trifft auch dabei zu. Viele Männer scheinen aus heiterem Himmel in der Blüte ihres Lebens in eine Krise zu stürzen.

Sie führen eine erfolgreiche, stabile Ehe mit Kindern, ihre Talente und Fähigkeiten haben sie in eine gute Karriere geführt, in der sie frei von materiellen Nöten Ansehen genießen. Sie haben alles richtig gemacht und dürfen nun eigentlich gar keine Krise haben.

So auch Ethereum:

Ethereum hat seine Roadmap perfekt abgearbeitet:

Ethereum ist weiterhin die beliebteste Kryptowährung von Entwicklern:

Entwickler-Aktivität der verschiedenen Blockchains nach santiment.net

DeFi wird Wirklichkeit – und ist bombastischer als erwartet:

Die „Dezentralen Finanzen“, also die Abbildung von eher traditionellen, eigentlich zentralisierten Finanzoperationen durch Smart Contracts, sind seit 2021 einer der fulminantesten Trends des Ökosystems der Kryptowährungen.

Volumen auf dezentralen Börsen nach defillama.com

DeFi erlaubt es, ohne Mittelsmann zu handeln, zu leihen, zu verleihen, Optionen und Derivate zu bilden und mehr. Mit DeFi hat Ethereum ein machtvolles Ökosystem erschaffen und führt es weiterhin an. Ethereum sollte damit eine starke, handfeste Wertgrundlage haben.

DeFi auf verschiedenen Blockchains nach defillama.com

Die Banken und sogar Trump lieben DeFi und Ethereum

Als erste Wahl aller Smart-Contract-Blockchains findet Ethereum ein seit Jahren wachsendes Interesse von Finanzinstitutionen.

Stablecoins auf den verschiedenen Blockchains. Chart nach einem Dashboard auf dune.com

WLF-Schatzkammer nach Arkham

Eigentlich ist also alles gut. Technisch hat sich Ethereum exakt so entwickelt, wie geplant. Dabei entstand ein beeindruckendes Ökosystem, das auch durchaus das Gefallen von Finanzinstitutionen findet.

Alles richtig gemacht – und dennoch ist der Wurm drin. Aber wieso?

Woran hakt es?

Es gibt ein paar mögliche Antworten, und vermutlich wird am Ende eine Mischung aus allen zutreffen.

Kein DeFi-Siegeszug

Kein guter Narrativ

Das Opfer des eigenen Erfolgs

Gaspreise nach etherscan.io

Die aufstrebende Konkurrenz

Risse im Gefüge

Es ist also relativ zutreffend, von einer Midlife-Krise von Ethereum zu sprechen. Die Blockchain hat alles richtig gemacht. Sie ging ihren Weg, brachte ihre Talente und Fähigkeiten zur Entfaltung, machte Karriere, etablierte sich und brachte mit den Rollups zahlreiche Kinder zur Welt, die weiterhin zu ihr halten.

Und doch zeigen sich Risse im Gefüge. Die Entwicklung stagniert auf hohem Niveau, andere, jüngere, mutigere, hungrigere, weniger gebundene Konkurrenten sägen am Stuhl, während die Investitionen und Errungenschaften nicht die erhofften Dividenden ausschütten, sondern teilweise sogar Kosten verursachen, eben weil alles wie geplant ausgeführt wurde.

Das Gute an einer Midlife-Crisis ist, dass sie schon per Definition vorübergeht. Bei Menschen beginnt sie irgendwann in den späten 30ern und läuft in der Regel ab 50 herum aus. Wenn es also gut läuft, wird auch die Krise von Ethereum einmal ihr Ende finden. Denn die Entwicklung schreitet weiter voran, das Produkt ist weiterhin gut, und es gibt weiter einen Bedarf des Marktes. Eine Trendwende ist derzeit aber dennoch nicht wirklich zu erkennen.

Die mobile Version verlassen