Das Bitcoin-Ökosystem entwickelt sich weiter. Coinbase, mit 6 Millionen Usern die größte Wallet mit Wechselstube in den USA, reagiert auf den Gebührenmarkt, indem die Kosten für Transaktionsgebühren künftig an die Kunden weitergegeben werden. Offchain-Transaktionen von Coinbase zu Coinbase hingegen bleiben weiterhin kostenlos. Wandern Bitcoin-Transaktionen jetzt auf andere Kanäle aus?
Neben einigen eher nebensächlichen Updates hat Coinbase bei seinem Frühjahrsputz auch auf den sich in den letzten Monten verschärfenden Gebührenmarkt reagiert. Die Online-Wallet, Wechselstube und Börse, mit diesem Komplettprogramm und 6 Millionen Kunden absoluter Marktführer in den USA, erklärt:
Netzwerk-Transaktions-Gebühren: Wir werden ab dem 21. März 2017 keine Netzwerk-Transaktions-Gebühren mehr für onchain-Transaktionen bezahlen. Die Netzwerkgebühren gehen nicht an Coinbase, sondern an die Miner der Bitcoin- und Ethereum-Netzwerke. Seit unserer Gründung bezahlen wir die Netzwerkgebühren für unsere Kunden, um das Wachstum von Bitcoin und Ethereum zu unterstützen. Wir haben nun mehr als 6 Millionen Kunden weltweit, und daher wurde dies zu einem signifikanten Kostenfaktor. Die Gebühren werden dynamisch bestimmt werden, abhängig von den Netzwerk-Umständen, und vom Kunden selbst bezahlt, wenn er die Transaktion sendet. Transaktionen zwischen Coinbase-Accounts werden weiterhin offchain und kostenlos sein.
Damit passiert es also. Unternehmen stellen sich darauf ein, dass die Gebühren im Bitcoin-Netzwerk steigen. Es kann sein, dass dies für die Kunden nicht immer angenehm sein wird (immerhin werden Transaktionen damit zum Teil signifikant teurer), aber es muss deswegen nicht automatisch schlecht sein. Das Netzwerk reguliert sich selbst, und Transaktionen, die zu gering sind, um Gebühren in einer bestimmten Menge zu bezahlen, suchen sich andere Kanäle.
Der Idealfall wären dies dezentrale offchain-Lösungen, wie Lightning oder Sidechains. Allerdings sind diese weder verfügbar noch auch nur ansatzweise verbreitet. Für Transaktionen, die aus diesen oder jenen Gründen nicht in der Lage sind, die für Bitcoin notwendigen Gebühren zu bezahlen, gibt er derzeit nur drei echte Alternativen: Altcoins, zentralisierte Datenbanken wie die von Coinbase, und Fiatgeld.
Ob Altcoins genutzt werden, um für Transaktionen zu sorgen, weiß ich nicht. Die beiden hoffungsvollsten Kandidaten für eine Übernahme von kleinen Transaktionen sind Ethereum und Dash. Beide haben in den letzten Wochen ihren Marktwert erheblich erhöht – ohne dass es jedoch aussagekräftige Daten über ein im selben Maß erhöhtes Transaktionsvolumen gibt.
Den ersten ernstzunehmenden Weg hin zu zentralisierten offchain-Transaktionen beschreitet nun Coinbase mit der neuen Gebührenpolitik. Das Startup hat mit einem Investmentkapital von 117 Millionen Dollar ein so breites Service-Angebot entwickelt, das es einmal als AOL von Bitcoin beschrieben wurde: Die Firma betreibt eine Börse, bietet den US-Kunden eine benutzerfreundliche Wallet mit der Option, mit Dollar Bitcoins zu kaufen und wickelt für Händler Bitcoin-Transaktionen ab. Es war schon lange möglich, von Coinbase zu Coinbase zu bezahlen. Mit der Weitergabe von Transaktionskosten an Kunden potenziert sich nun jedoch die Nützlichkeit dieses Weges.
Dank der großen Anzahl an Kunden und der vertikalen Integration der Dienstleistungen, vom Kauf der Bitcoins über die Bezahlung im Shop bis zum Verkauf auf der Börse – hat Coinbase die Chance, seine eigenen offchain-Transaktionen attraktiv an den Mann zu bringen. Wenn Kunden 50 cent für eine Bitcoin-Transaktion bezahlen müssen, die möglicherweise Stunden dauert, um bestätigt zu werden, werden Coinbase-2-Coinbase-Transaktionen auf einmal recht attraktiv.
Wenn man dies langfristig weiterdenkt, sind auch Kooperationen mit anderen Firmen wie Blockchain.info, BitPay oder Circle möglich, um Offchain-Datenbanken zu synchronisieren. Dann würde ein Großteil der Bitcoin-Transaktionen in den internen Datenbanken von Firmen stattfinden.
