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He’s back! Craig „Satoshi“ Wright kehrt zurück und kündigt mit nChain Alternative zu Core an

Der angebliche Satoshi, Craig Stephen Wright, verkauft seine Bitcoin-Patente an nChain und wird Chef-Entwickler der Firma. Der Gründer der Bitcoin Foundation, Jon Matonis, tritt der Firma bei, nachdem diese (angeblich) ein Investment im dreistelligen Millionenbereich erhält. Das Ziel ist es,  mit nChain eine Alternative zu Core zu entwickeln, die, wenn es sein muss, auch eine Fork der Blockchain einleitet. Alles nur ein Fake?

Man kann es sehen wie man will: Die Craig Wright Geschichte ist zu aufregend und spannend, als dass ich sie links liegen lassen kann. Selbst wenn Craig Wright uns alle nur zum Narren hält – was viele mit guten Gründen glauben – ist die Geschichte, die er dabei erzählt und konstruiert, phänomenal. So phänomenal, dass es ignorant wäre, ihn dafür nicht zu bewundern. Zumindest ein bißchen.

Die Vorgeschichte

Wer gleich zum Thema kommen will, kann gerne zur nächsten Headline scrollen. Hier für die, die es noch nicht wissen, die Vorgeschichte von Craig Stephen Wright (CSW), dem angeblichen Satoshi. Der Australier trat zum ersten Mal in einem Video des „Bitcoin All Star Panel“ mit rätselhaften Äußerungen auf. Ende 2015 gab es einen „Leak“ aus umfangreichen Materialien – Emails, Gesprächsprotokolle, archivierte Blogseiten – die eigentlich gar keinen Zweifel daran ließen, dass er Satoshi ist.

Allerdings kam rasch heraus, dass die Dokumente zum Teil gefälscht bzw. die Inhalte frei erfunden sind. Die Uni, an der CSW angeblich gelehrt hatte, kannte ihn nicht, der Supercomputer, den er angeblich für viele Millionen Dollar gekauft hatte, wurde niemals hergestellt, ein Blogbeitrag hatte ein manipuliertes Datum … die Geschichte ist großartig, ein Tulip Fund mit fast einer Million Bitcoins, an den CSW nicht vor 2020 herankommt, der verstorbenen New Yorker Dave Kleimann. CSW ist verwirrend, aber niemand glaubte wirklich, dass er Satoshi ist.

Wright selbst kommentierte den Leak nicht. Er war zum selben Zeitpunkt aus Australien geflohen, wo die Steuerfahndung sein Haus durchsuchte, und dem Vernehmen nach in London abgetaucht.

Irgendwann 2016 kam CSW aber wieder zurück. Und zwar mit einem mächtigen Rumms: Er signierte dem BBC – live – eine Nachricht mit einem Schlüssel, der Satoshi gehörte. Ein anwesender Kryptograph bestätigte dies. Er sagte dabei, dass er das nur einmal mache, weil er es nicht machen will, aber ihn Leute dazu zwingen. Kurz darauf signierte er jedoch in Anwesendheit von Gavin Andresen und Jon Matonis eine Nachricht. Beide waren überzeugt. Auch Ian Grieg und JVP (New Liberty Standard) – zwei langjährige Finanz-Kryptographen und, im Falle JVPs, ein Early Adopter – bestätigten, dass Wright Satoshi sei.

Die Beweise waren erneut überwältigend. Aber erneut entpuppten sie sich als Fälschung. CSW veröffentlichte ein Blogpost, in dem er ausführlich über kryptographische Signaturen dozierte, und kündigte darin an, ein Zitat von Sartre mit einem Schlüssel von Satoshi zu signieren. Bei genauerer Untersuchung zeigte sich jedoch, dass er lediglich eine Signatur darstellte, die Satoshi bereits benutzt hatte, um eine Transaktion zu signieren. Wright versprach zwar, einen endgültigen Beweis zu liefern, hielt dies aber (bisher) nicht ein.

Es schien klar zu sein, dass er ein Conman ist, ein Hochstapler. Er versteht es zwar, den Eindruck zu vermitteln, dass er Bitcoin und Kryptographie und andere Wissenschaften extrem tief kennt und versteht, und er muss tatsächlich auch ein Experte für Kryptographie und Hacking sein, um den Signatur-Trick durchzuziehen. Aber er hat erwiesenermaßen den einzigen Beweis, den es öffentlich gibt, gefälscht. Warum sollte Satoshi das tun?

Aber er kehrt erneut wieder!

nChain: 300 Millionen für Satoshis Patente?

Am 12. April hat die „High Tech Private Equity Fund SICAV plc“, ein in der EU beheimateter Investment-Fund von Accuro Fund Solutions, den „Blockchain Pionier“ nChain gekauft. Zwar hat bis heute noch kein Mensch von nChain gehört, und es gibt es keine Zeile Code, die von nChain produziert wurde, aber die Pressemitteilung von nChain schreibt:

nChain ist weltweit führend in der Forschung und Entwicklung von Blockchain-Technologie … Die nChain Firmengruppe ist auf ein Team angewachsen, das aus mehr als 60 weltklasse Wissenschaftler, Ingenieuren und anderen Experten besteht, die überwiegend in London, Großbritannien, und Vancouver, Kanada, arbeiten.

nChain hat dem Fund, der ansonsten ebenso unbekannt wie die Firma ist, wohl ein „Internet der Transaktionen“ versprochen. nChains Produkt soll, so die Pressemittelung, den Umlauf von Bitcoin maximieren. Also, mit anderen Worten, das Kapazitäts-Problem lösen, über das wir schon seit Jahren diskutieren. nChains Ziel ist es, das Blocksize-Limit aufzuheben, onchain zu skalieren, ohne die Dezentralität zu stören, und Smart Contracts in Bitcoin zu implementieren. Also das, was alle wollen.

Hierfür habe nChain, so die Pressemitteilung, „ein großes und wachsendes Portfolio von Patentanmeldungen“ mitgebracht, welches so die Patent-Anwältin der Firma, „einige der komplexesten Technologien beinhaltet, die wir jemals gesehen haben.“

Reuters weiß mehr: 300$, Gaming-Milliardär Calvin Ayre, über 80 Patente

Wieviel der Fund für nChain bezahlt hat, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor. Reuters weiß jedoch mehr: „Eine Firma, die um die Forschung von Craig Wright, der behauptet hat, die Kryptowährung Bitcoin erfunden zu haben, gebaut ist,“ so die Nachrichtenagentur, habe den, nach Angaben der Firma, bisher größten Investment-Deal der Blockchain Branche eingefahren. Eine noch nicht bestätigte Quelle von Reuters sagte, bei dem Deal sei es um 300 Millionen Dollar gegangen.

nChain ist, so Reuters, der Nachfolger der EITC Holdings, ein „Vehikel“, mit dem Wright versucht, hunderte von Patente um Bitcoin und Blockchain anzumelden. Quellen aus Großbritannien bestätigten, dass die Firma, sowohl als EITC als auch als nChain, bereits mehr als 80 Patente eingreicht hat.

Reuters hat zudem schon zuvor berichtet, dass Wright mit Calvin Ayre arbeite, einem kanadischen Online Gambling Milliardär, der in Antiqua lebt. Ayre ist eine schillernde, stinkreiche Persönlichkeit, Lebensmann und Playboy, aber zugleich knallharter und kühler Geschäftsmann, der ein Gambling-Imperium leitet.nChain teilte Reuters allerdings per Email mit, dass weder Ayre noch Wright vor oder nach dem Verkauf Anteilseigner der Firma gewesen seien. Die Firma habe die Assets und das intellektuelle Eigentum von Craig Stephen Wright erworben und diesen – obacht: zum Chefwissenschaftler (Chief Scientist) der Firma ernannt.

Die Verbindung zwischen Ayre und Wright hat glaube ich zum ersten Mal Andrew O’Hagan herausgebracht. Der Schriftsteller hat Wright in London einige Monate lang begleitet und darüber ein langes, faszinierendes, verwirrendes Essay geschrieben. Ihm war am Ende noch immer nicht klar, ob Wright Satoshi ist oder nicht. „Ich war ein williger Stenograph, der dachte, dass Wright auf irgendeine Weise größer als Satoshi ist. Er war die Neigung des Internets zur Selbst-Dramatisierung und Selbst-Verschleierung zugleich; eine neue Art von Persona. Was er tatsächlich getan hat, wird man womöglich niemals wissen. Entweder ist er einer der größten Computer-Wissenschaftler seiner Generation, oder er ist ein rücksichtsloser Opportuniest. Oder er ist beides. Wir können nicht sicher sein.“

Jon Matonis wird von nChain angeheuert

Eine der rätselhaftesten Aspekte von Craig Wrights Outing war, dass er Rückendeckung von einigen durchaus respektiverten Early Adoptern hatte.

JVP – Joseph Vaughn-Perling – war als New Liberty Standard 2010 einer der ersten, der einen Marktplatz für Bitcoins eröffnet hatte. Er twitterte kurz nachdem sich Wright offiziell als Satoshi bekannte, dass es wahr sei. Es würde sein Leben nicht einfacher machen, aber es sei wahr. Wright sei die Person, die ihm am Rande einer Konferenz in Amsterdam gesagt habe, dass er als Satoshi Nakamoto eine Kryptowährung gründe (etwa so).

Auch Ian Grigg ist kein Unbekannter. Der Finanzkryptograph kommentiert seit den 90ern in der Cypherpunk-Mailing-Liste Digitales Bargeld. Er kannte die möglichen Vorgänger von Bitcoin wie Wai Dais b-money. Er sagte, ja, Wright ist Satoshi, er ist Teil der Prometheus Gruppe, die Bitcoin gegründet hat, er war ihr Zentrum, jedes Mitglied hat für ihr Werk einen hohen Preis bezahlt.

Schließlich hatte Wright neben Gavin Andresen 2016 auch Jon Matonis eine Nachricht live signiert. Jon Matonis ist ebenfalls ein langjähriger Beobachter von digitalem Bargeld, der schon Ende der 90er zahlreiche Artikel und Blogposts über das Thema veröffentlicht hatte, und seit etwa 2012 für die Forbes und American Banker über Bitcoin berichtet. Matonis war zudem Mitgründer und zeitweise Vorsitzender der Bitcoin Foundation. Wie Andresen bestätigte er die Signatur, ohne sich danach nocht öfters darüber zu äußern.

Offenbar scheint Matonis weiterhin auf Wright zu setzen. Zumindest soweit, um sich nChain anzuschließen. Er wird „Vice President of Corporate Strategy“, wie eine Pressemitteilung am 2. Mai ankündigt. Matonis kommentiert:

Die Ressourcen und das Kapital von nChain bieten uns eine einzigartige Gelegenheit, die existierende Landschaft von Bitcoin Protokoll Einflüssen zu gestalten. Es ist wichtig, dass wir einen Status Quo erreichen, in dem der tatsächliche Protokoll-Standard von der wichtigsten Referenz-Implementierung getrennt ist, so wie die existierende Architektur des Linux-Kerne von den tiefer liegenden Abstraktions-Schichten.

Ein Gegenentwurf zu Core?

Gegenüber Coindesk erkärt Matonis, dass er sofort begriffen habe, dass nChain „ein effektiver Herausforderer von Blockstream“ sein werde, was etwas sei, das „in diesem Space definitiv gebraucht wird.“ Sein Ziel sei es mit nChain, Bitcoin wieder zu einem System zu machen, das mit fast gar keinen Gebühren funktioniere, und die Smart Contracts Skripte auszubauen.

nChain sei, so Matonis, kein direkter Angriff auf Blockstream. Aber es gebe eben „eine Menge Widerstand gegen das Modell von Blockstream, alles auf eine zweite Schicht zu stoßen, indem SegWit und Lightning als einzige Lösung gelten.“ Es sei nicht nötig, nur auf einen Ansatz zu setzen.

Laut Matonis plane nChain, ein Software Development Kit (SDK) für Bitcoin herauszugeben, „vermutlich umsonst“, um Alternativen zu Bitcoin Core anzubieten. Mit dem SDK können die User, so Matonis, „spezielle Nodes“ booten, mit denen sie etwa schneller Blöcke propagieren können, ein Feature, das helfen würde, die Größe der Blöcke leichter zu erhöhen. „Das SDK ermöglicht es, Bitcoin onchain zu skalieren, ohne die Dezentralisierung zu beeinschränken“, meint Matonis. Die Mission sei es, das Protokoll „von der einen, echten Referenz“ zu trennen.

Als Coindesk weiter nachfühlt, enthüllt Matonis einen verwegenen Plan. Ich muss das zitieren, weil ich mir nicht ganz klar bin, was er meint: „Sollte nChain es zu breiter Anwendung schaffen, meint Matonis, dann könnte es sein, dass die Miner und Node-Betreiber gezwungen werden, zwischen zwei konkurrierenden Versionen der Geschichte der Bitcoin Blockchainzu wählen – eine von Bitcoin Core und eine von nChain.“

Wie bitte? Ja. Dies sei, meint Matonis, das Governance Modell von Bitcoin, es gehe nicht anders. Wenn es nicht mit Pull Requests laufe, dann muss die Software gegeneinander kämpfen, und wenn eine Implementierung mehr Nodes und Miner habe, dann müsse sie das Netzwerk forken.

Wow.

Aber bislang hat nChain noch keine Zeile Code enthüllt und auch neben Matonis und Wright noch keinen einzigen Angestellten genannt. Insgesamt ist die Geschichte so verworren und auch unglaubwürdig, so dass man sich nicht einmal Sorgen machen muss, dass eine Firma, die alles patentieren lässt, was ihr in die Finger bekommt, die Bitcoin-Blockchain in eine Software presst, die „vermutlich umsonst ist.“ Aber wer weiß, wohin uns der Plan des angeblichen Satoshis führt.