Website-Icon BitcoinBlog.de – das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen

In China werden ICOs verboten, und auf Kryptomärkten in der ganzen Welt bricht Panik aus

Hat nicht direkt etwas mit dem Thema zu tun, trifft es aber irgendwie: Ghost Street in China. Bild von Jonathan Kos-Read via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Nun hat die chinesische Zentralbank also ICOs verboten. Oder so. Wie immer bei den chinesischen Verboten ist die Lage nicht ganz eindeutig. Aber die Hinweise sind deutlich genug, um zu Panikverkäufen bei fast allen Kryptowährungen zu führen.

Ominöse, verschwurbelte, nebulöse, panikerregende, aufgeblasene, schreckenserregende Nachrichten aus China gehören seit Ende 2013 zum Tagesgeschäft eines Bitcoin-Bloggers. Auch diesmal ist es schwer, hinter die Schlagzeilen zu blicken und konkret zu sagen, was in China nun passiert ist.

So gut wie alle Nachrichten-Provider – Coindesk, ETHNews, Silicon Angle, CNBC – sind sich einig, dass China ICOs verbietet und kriminalisiert. Darüber hinaus sollen die bisherig geglückten ICOs den Investoren ihre Einlagen zurückerstatten, und es ist den Börsen nicht länger erlaubt, Token aus ICOs zu verkaufen oder auch nur Preisinformationen zu diesen bereitzustellen.

Bestätigt wird dies durch einen Tweet von Bitmains Boss Jihan Wu, der erklärt, dass Bitcoins weiterhin erlaubt, aber ICOs nun illegal sind:

Lasst uns dennoch an die Quelle der Nachricht gehen – an eine Mitteilung der chinesischen Zentralbank PBOC. Da ich des Chinesischen nicht mächtig bin, bleibt mir nur, auf Online-Übersetzungen zurückzugreifen. Ich habe dafür die Übersetzungen von Google, PROMT und Collins genutzt.

Der Überschrift der Nachricht zufolge wollen eine Reihe von Behörden der Volksrepublik China – die Chinesische Zentralbank (PBOC), das Minsterium für Industrie und Kommerz, sowie die Kommissionen für Banken- und Versicherungsregulierung – mit den neuen Maßnahmen verhindern, dass durch die Ausgabe von Token Risiken entstehen. Anlass war wohl, dass die per ICO herausgegebenen Token zu zügelloser Spekulation und illegalen Finanzgeschäften geführt und damit – nun kommt ein interessanter Punkt: „ernsthaft die finanzielle und wirtschaftliche Ordnung gestört haben“ (disrupt). ICOs machen demnach also genau das, was sie sollen: Sie stellen eine disruptive Innovation dar.

Die beteiligten Organe der Volksrepublik wollen nun verhindern, dass die ICO-Disruption eine lange Liste von Gesetzen überwiegend finanzieller Art brechen. Daher erlässt die PBOC sechs Anordnungen:

Erstens werden ICOs definiert – und zwar als „Finanzierung durch den illegalen Verkauf von Token an Investoren, um Bitcoin und andere virtuelle Währungen zu erhalten.“ Dies wird im wesentlichen als unerlaubte, illegale Finanzierungsart verstanden. Die relevanten Regierungsorgane werden die Märkte genau beobachten und kontrollieren, um Chaos zu verhindern.

Zweitens wird es niemandem gestattet, an unerlaubten Finanzierungsgeschäften teilzunehmen. Daher sollen mit dem Erscheinen der Nachricht alle Arten derartiger per Token getätigter Finanzierungen sofort gestoppt werden. Die Organisationen und Individuen, die Finanzierungen durch Token-Verkäufe bereits abgeschlossen haben, sollen die Investoren auszahlen. Die Behörden werden ernsthafte Untersuchungen einleiten.

Drittens sollen Plattformen zur Finanzierung per Token nicht länger Fiatgeld gegen Token verkaufen, nicht länger als zentrale Gegenpartei für den Verkauf von Token dienen und auch keine Informationen über Preise oder andere Dienstleistungen rund um Token anbieten. Die Nachricht nennt in diesem Zuge auch „virtuelle Währungen“ im gleichen Zug mit den Token. Wenn illegale Aktivitäten festgestellt werden, sollen die Plattformen sofort durch die Telekommunikations-Behörden geschlossen werden.

Viertens sollen weder Banken noch andere Finanzinstitute direkt oder indirekt Dienstleistungen rund um Token anbieten.

Fünftens soll die Öffentlichkeit ernsthaft über die Risiken informiert werden, die mit der Herausgabe von Token einhergehen.

Sechstens wird die Finanzbranche des Landes aufgerufen, sich selbst zu regulieren. Verbände sollen ihre Mitglieder auffordern, sich von Finanzierungen durch Token fernzuhalten.

Insgesamt ist dieses Statement relativ eindeutig: Die Projektfinanzierung durch die Ausgabe von Token (ICO) stellt eine illegale Art der Finanzierung dar und ist als solche verboten. Etwas unklar und beängstigend ist darüber hinaus, dass die Nachricht virtuelle Währungen im selben Atemzug wie Token nennt. Möglich, dass die PBOC dies macht, weil Token wie virtuelle Währungen funktionieren und keine saubere Trennung zu ziehen ist. Möglich aber auch, dass diese Nachricht noch wie ein Damoklesschwert über den chinesischen Bitcoin-Börsen hängen wird.

Die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen rauschte mit der Nachricht vom ICO-Verbot in China nach unten. Quelle: Coinmarketcap.com

Die Märkte haben auf die Mitteilung der chinesischen Zentralbank mit der gebührenden Portion Panik reagiert. Die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen brach von 179 Milliarden Dollar auf kurzzeitig weniger als 140 Milliarden ein, was einem Verlust von rund 20 Prozent entspricht. Derzeit steht sie jedoch wieder bei rund 150 Milliarden.

Kurs von Ethereum. Quelle: ebenfalls Coinmarketcap.com.

Ethereum, die Heimat der meisten ICOs, traf es besonders heftig: Der Kurs rutschte von 380 Dollar auf zeitweise etwa 271 Dollar ab und verlor damit bis zu 28 Prozent. Noch stärker erwischte es jedoch zahlreiche Token selbst. OmiseGo fiel von einem Höchststand von 12,37 Dollar auf bis zu 7,80 Dollar – was einem Verlust von mehr als 36 Prozent entspricht. Vielleicht am härtestens traf es Qtum, das von mehr als 18 auf weniger als 9 Dollar sank, sowie TenX, das ebenfalls fast 50 Prozent abgab. Dasselbe Bild findet man in so den meisten anderen Token wieder. Indem China die Token verbietet, bricht der vielleicht wichtigste Markt für sie weg.

Kurs von Qtum. Quelle: ebd

Ob diese Panik allerdings wirklich gerechtfertig ist, muss sich noch zeigen. Denn faktisch sind die meisten ICOs bereits in den USA so gut wie verboten. Zumindest verlangen die meisten ICO-Herausgeber, dass die Investoren erklären, kein Bürger der USA zu sein. Dies hat dem ICO-Hype jedoch keinen Abbruch getan – vermutlich weil es gerade das Wesen von Kryptowährungen ist, konventionelle Verbote und Regulierungen auflaufen zu lassen.

Man investiert in ICOs mit Kryptowährungen wie Ether oder Bitcoins. Transaktionen sind nicht eindeutig einer Nationalität zuzuordnen und können nicht verhindern werden. Sprich: Keine Regierung der Welt hat die Macht, ihre Bürger daran zu hindern, ihr Geld in eine ICO zu stecken.

Das Token, das die ICO den Investoren gibt, verhält sich genau wie eine Kryptowährung: Man besitzt es, wenn man die privaten Schlüssel besitzt, und niemand kann verhindern, dass man es von der eigenen Wallet irgendwo hin überweist. Auch nach dem Verbot durch die PBOC können Chinesen weiterhin Token von ICOs kaufen und diese bei Altcoinbörsen oder Wechselstuben wie ShapeShift gegen Bitcoin verkaufen. Es liegt, nochmal, im Wesen von Kryptowährungen und Blockchains, dass man finanzielle Aktivitäten weder regulieren noch verbieten kann.

Mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen hat sich China offenbar arrangiert. Die große Auseinandersetzung, die Schlacht Staat gegen Blockchain, wurde vertagt. Es ist eine interessante Wendung der Geschichte, dass dieser Kampf nun, mit den ICOs, beginnt. Die große Frage, die sich in den kommenden Monaten stellen wird, ist, ob es China gelingt, seine Bürger daran zu hindern, ihr Geld per ICO in Projekte zu investoren oder per ICO Geld einzusammeln.

Die mobile Version verlassen