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Wer gegen das Bitcoin-Mining wettert, aber keine konkreten Pläne für Tourismus und Landwirtschaft hat, ist ein Heuchler

Bild von Cory Hatchel via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Bitcoin verursacht viele Emissionen. Aber im Vergleich mit dem, was andere Branchen ausstoßen, ist das noch nicht einmal nennenswert.

Oh ja, Bitcoin verbraucht eine große Menge Strom, und ja, dieser Strom entsteht zu viel zu hohen Anteilen aus fossilen Brennstoffen.

Aber nein, davon wird die Welt nicht untergehen. Sie wird sich deswegen noch nicht mal um ein hundertstel Grad erhitzen. Die vom Bitcoin-Mining verursachten Emissionen sind verschwindend gering im globalen Bild. Laut den Daten des Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index (CBECI) verursacht das Mining gerade mal 0,14 Prozent der globalen Emissionen.

Natürlich wäre es gut, wenn dieser Anteil zurückginge. Aber dies wird nicht kriegsentscheidend sein. Kriegsentscheidend ist, dass man die anderen Sektoren kleinbekommt. Das CBECI zeigt in einer Grafik, welche Branchen wie viel Treibhausgase emittieren.

Während Bitcoin 67 Megatonnen CO2 verursacht, sind dies im Tourismus 4.500, in der Landwirtschaft 2865, in der Textilbranche 2106 und bei Klimaanlagen 1950. Die Daten sind, räumen die Cambridge-Forscher ein, nicht einfach zu ermitteln und nicht beliebig belastbare Schätzungen.

Aber angenommen, sie sind nicht ganz falsch: Dann zerfällt jede Klage über die Emissionen des Bitcoin-Minings in eine Blendgranate, solange es keinen Plan gibt, wie man die Emissionen in Tourismus, Landwirtschaft und Textilien kleinkriegt. Solange das nicht gelingt, haben wir verloren, und jeder, der ernsthaft gegen den Klimawandel vorgehen will, sollte alle Energie daran setzen. Wenn die aktuellen Warnungen der Klimaforscher richtig sind, wird alles davon abhängen. Buchstäblich alles.

Wie wäre es, für den Anfang, mit horrenden Steuern für Tourismus, speziell für Flugreisen? Was Lebensmittel angeht, ist seit langem bekannt, dass Fleisch und tierische Produkte je Gewicht, Kalorie und sogar Protein viel mehr CO2-Emissionen verursachen als pflanzliche Nahrungsmittel. Auch bei Textilien könnte man sicherlich dafür sorgen, dass Kleidung länger hält oder der teils suchtartige Klamotten-Konsum vieler Menschen durch besondere Steuern reduziert wird.

Es gäbe Möglichkeiten, in diesen Bereichen etwas zu ändern. Selbst kleinste Erfolge, nur eine Senkung von fünf Prozent der Emissionen, hätten in jedem dieser Sektoren einen Effekt, den man bei Bitcoin niemals erreichen kann. Es wäre hart und stört viele Leute. Aber es wäre nötig.

Doch die Realität ist, dass eine allgemeine Panik ausbricht, wenn die Tourismus-Branche oder der textile Einzelhandel wegen Corona kurz einknickt. Die Realität ist auch, dass eine niedersächsische CDU-Politikern sich öffentlich zu Fleisch bekennen muss, weil sie eine Kantine besucht hat, die einen Veggi-Monat machte, und der bayerische Ministerpräsident öffentlich sagt, dass ein Leben ohne Schweinefleisch möglich, aber sinnlos sei. Noch nicht mal die Grünen werben für konkrete Pläne, wie man die Emissionen dieser Branchen entschieden senkt.

Wer angesichts dieser Realität gegen die Emissionen von Bitcoin hetzt oder gar meint, man müsse Bitcoin und das Mining deswegen verbieten, kennt entweder die Fakten nicht – oder ist schlicht ein Heuchler, der weniger dem Klima helfen, sondern das eigenen Gewissen beruhigen will.

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