Ein neuer Bericht von Greenpeace erzürnt derzeit die Bitcoin-Community: Er enthüllt die engen Verbindungen zwischen Mining-Verbänden und der fossilen Lobby in den USA – und wie diese verhindern, dass Mining klimafreundlich reguliert wird. Der Zorn der Community richtet sich leider auf das falsche Ziel.
Manche Dinge wiederholen sich immer wieder: Greenpeace USA, bekannt für eine von Ripple finanzierte Kampagne gegen das Bitcoin-Mining, hat mal wieder einen Bericht herausgegeben, der ein negatives Licht aufs Mining wirft, und die Bitcoin-Community wütet.
Wer Lust hat, sich eine lange Kette an Vorwürfen und Beleidigungen gegen Greenpeace anzuschauen, sollte sich in den entsprechenden Thread auf Twitter einklicken. Bitcoin-Magazine und -Experten reagieren mit Faktenchecks und vernichtenden Gegenstatements, und alles in allem scheint sich Greenpeace erneut die Zähne auszubeißen.
BREAKING: @GreenpeaceUSA just released an explosive new report exposing the deep ties between the fossil fuel industry, right-wing climate deniers, and the growing lobbying network pushing a plan to save dirty coal and gas plants with #Bitcoin
READ NOW: https://t.co/zXpeHg6LkB pic.twitter.com/YXPrd3jIwF
— Greenpeace USA (@greenpeaceusa) March 19, 2024
Man macht es sich ja auch viel zu einfach, den hohen Stromverbrauch von Bitcoin pauschal anzuprangern. Entscheidend ist ja nicht, wie viele Giga- oder Terawattstunden die Miner verbrauchen – sondern durch welche Quelle diese entstehen und wie viel CO2 dabei emittiert wird. Darüber sind sich alle einig – selbst Greenpeace.
Bitcoin-Miner verbrauchen den Strom, der am günstigsten stabil verfügbar ist. Im Idealfall sind das erneuerbare Energien, und wenn nicht, dann ist dies auch ein Fehler der Politik. Eine gute Politik setzt Anreize dafür, dass Bitcoin-Miner keine schwarze, sondern grüne Energie verbrauchen, und sie sorgt idealerweise dafür, dass Mining sein Potenzial ausschöpft, den Ausbau erneuerbarer Energien zu befördern.
Im Schulterschluss mit der fossilen Lobby
Das Problem ist nun jedoch, dass die Miner in den USA alles tun, um eine solche Politik aktiv verhindern. Und genau das kann man im Greenpeace-Bericht nachlesen, auch wenn die meisten Bitcoin-Medien und Influencer versuchen, diese Information zu unterdrücken, indem sie ein Scheingefecht darüber führen, ob Greenpeace die richtigen oder falschen Zahlen und Werte verwendet.
Der Bericht von Greenpeace „enthüllt, wie die Bitcoin-Mining-Industrie mit fossilen und anderen schmutzigen Industriegruppen und Klimawandelsleugnern verbunden ist und Maßnahmen blockiert, die nötig sind, um die Klimakrise zu lösen.“
Die Miner behaupten zwar gerne, den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern und Stromnetze zu stabilisieren. Doch wehe der Gesetzgeber versucht, sie darauf zu verpflichten, indem er etwa Mining mit fossilen Energien verbieten oder auch nur mehr Transparenz über die genutzten Energiequellen herstellen möchte – dann gehen sie im Schulterschluss mit der fossilen Lobby auf die Barrikaden und tun alles, um solche Gesetze und Regeln zu verhindern.
Der Greenpeace-Bericht nennt dafür zahlreiche Beispiele: In Montana hat eine Mining-Gruppe zusammen mit Anwälten des „American Legislative Exchange Council (ALEC)“ ein Gesetz durchgesetzt, das die lokale Aufsicht über laute und energiehungrige Mining-Farmen verhindert. Der ALEC ist so sehr gegen Klimaschutz, dass es sogar dem Ölkonzern Shell zu weit geht.
In zahlreichen Bundesstaaten konnten die Lobbygruppen ein Gesetz für ein „Recht auf Mining“ durchbringen, welches vor allem verhindert, dass lokale Behörden gegen Lärmbelästigung und exzessiven Stromverbrauch der Miner vorgehen oder deren Energiequellen beschränken, etwa auf erneuerbare Energien.
Im Staat New York haben die Mining-Verbände gegen ein Moratorium für neue, mit fossilen Energien betriebene Mining-Farmen gekämpft. Vor kurzem gelang es ihnen, einen Vorstoß der US Energy Information Administration (EIA) aufzuhalten, durch den diese genauere Informationen über den Energieverbrauch der Miner einholen wollte, um zu verhindern, dass diese die Stromnetze destabilisieren.
Schon zuvor haben sie gegen ein Gesetzesvorhaben lobbyiert, mit dem die Regierung Biden die Miner dazu bringen wollen, ihre Energiequellen offenzulegen. Und so weiter. Jedes Gesetz, dass das erreichen möchte, was die Miner angeblich ohnehin wollen, wird bis aufs Blut bekämpft.
Eine Drehtüre zu Klimawandelsleugnern
Der Greenpeace-Bericht zählt darüber hinaus eine schlagende Menge an Verbindungen zur fossilen Industrie, zu Klimawandelsleugnern und der Regierung Trump auf.
Die Mining-Verbände arbeiten mit Gruppen wie dem ALEC, Organisationen aus dem Netzwerk der Koch-Brüder und zahlreichen republikanischen Politikern zusammen, die früher führende Jobs in der Ölindustrie bekleidet haben; sie beschäftigen Personal, das früher in der fossilen Industrie oder der Regierung Trump gegen Klimaschutzmaßnahmen gekämpft haben.
Einige Beispiele: In der „Chamber of Digital Commerce“, einem allgemeinen Lobbyverband für Kryptowährungen, hat die Vorsitzende Perianne Boring früher für RT America gearbeitet, während andere Mitglieder im Auftrag der Ölbranche tätig waren; der Präsident des Digital Energy Council (DEC), Thomas Mapes, hat füher in der Energiepolitik für Trump und für Initiativen gegen Umweltschutz gearbeitet; Mitarbeiter der Blockchain Association haben für die „National Cattlemen’s Beef Association“ Lobby für die Fleischindustrie gemacht; der Satoshi Action Fund (SAF) schließlich ist ein direkter Nachfolger einer Organisation, die für die Regierung Trump PR betrieb, um dessen Umwelt- und Klimapolitik schönzureden; in ihm finden sich zahlreiche Mitglieder der Regierung Trump sowie Klimawandelsleugner.
Und das sind nur einige Beispiele. Die gesamte Liste der Mining-Lobbyisten, die früher für die fossile Lobby gegen Klima- und Umweltschutzgesetze gearbeitet oder Zweifel am menschengemachten Klimawandel gestreut haben, ist ermüdend und schockierend lang.
Gerade als Bitcoiner sollte man dies nicht einfach so hinnehmen. Am allerwenigsten sollten man auf eine solche ausgiebige Recherche damit reagieren, dass man Greenpeace angreift.

