… und ist auf gutem Weg, sich mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu einigen. Dort scheint ein Umdenken zu Bitcoin stattzufinden. Zumindest im Ansatz.
Sich zu irren ist nur eine Etappe auf dem Weg zur Erkenntnis. Wer meint, er irre sich niemals, wird niemals aus dem Sumpf des Irrtums herausfinden.
Der Internatinale Währungsfonds (IWF), seines Zeichens eines der wichtigsten Organe des globalen Währungssystems, hat El Salvador vielfach gescholten, kritisiert und mit Konsequenzen bedroht, wenn es an seiner Bitcoin-Strategie festhält.
Präsident Nayib Bukele ließ sich davon nicht beeindrucken. Er hatte 2021 Bitcoin per Gesetz zum offiziellen Zahlungsmittel gemacht und eine nationale Bitcoin-Reserve gegründet. Allen Unkenrufen zum Trotz ging das Land nicht pleite, sondern steht heute in den reinen Wirtschaftsdaten stärker da als je zuvor. Wenn Bitcoin nicht die Lösung ist, dann ist es zumindest auch nicht das Problem.
Das scheint mittlerweile auch der IWF zu akzeptieren. Er gab kürzlich ein Statement zum Verlauf monatlicher Verhandlungen mit der Regierung von El Salvador über neue Kredite und Maßnahmen – und die Töne zu Bitcoin wurden auffallend moderat: Man habe „Fortschritte gemacht“ für ein Programm, das vom IWF unterstützt wird, um „die öffentlichen Finanzen zu stärken, die Bankreserve zu boosten, Transparenz und Governance zu verbessern und die Risiken durch Bitcoin zu minimieren.“
Insgesamt spricht der IWF El Salvador bei allen Punkten gute Fortschritte und Bemühungen zu. Was Bitcoin angeht, räumt er ein, dass „viele der Risiken sich noch nicht materialisiert haben.“ Es gebe jedoch „eine gemeinsame Anerkennung, dass weitere Bemühungen notwendig sind, um die Transparenz zu erheben und potenzielle Risiken für die fiskalische und finanzielle Stabilität abzumildern.“
Man kann zwar kaum von heller Begeisterung sprechen, doch alles in allem hat sich der Ton des IWF deutlich gewandelt. Vor allem aber ebnen El Salvador und der IWF derzeit eine Blaupause für die ordentliche Integration von Bitcoin ins Staatswesen.
Die Bitcoin-Reserven El Salvadors
Auch wenn Bitcoin in El Salvador nicht so weitläufig zirkuliert, wie viele es erwartet hatten, erweist sich die Bitcoin-Strategie als Erfolg.
Präsident Bukele blieb seinem Versprechen treu, jeden Tag einen Bitcoin zu kaufen, weshalb der Chart mit den Bitcoin-Beständen des Landes wie ein diagonal aufwärts steigender Sägezahn aussieht.
Mittlerweile verfügt El Salvador über 5.840,76 Bitcoin, was etwa 335 Millionen Dollar entspricht. Bei einem durchschnittlichen Kaufpreis von 43.746 Dollar ist das Land mit rund 35 Prozent im Plus. Es hat also, auf dem Papier, einen Gewinn von gut 110 Millionen Dollar gemacht.
Die Risiken um Bitcoin haben sich damit nicht nur „nicht materialisiert“, wie der IWF es ausdrückt – Bitcoin hat die finanziellen Reserven des Landes gestärkt und hilft ihm damit auch, die mit dem IWF vereinbarten Ziele zu erreichen.
Aber El Salvador versucht, Bitcoin auch darüber hinaus zu nutzen – nämlich im internationalen Handel.
Bitcoin für Importe
Vor kurzem hat die Regierung von El Salvador offenbar Russland vorgeschlagen, den gegenseitigen Handel in Bitcoins auszugleichen. Sowohl Russland als auch die Ukraine ringen derzeit, so ein russischer Diplomat, darum, das Land auf ihre Seite zu ziehen, während El Salvador es vorzieht, neutral zu bleiben.
Der Handel zwischen den beiden Ländern war in den Jahren vor dem Beginn des Angriffskrieges sprunghaft angestiegen, von 6 Millionen Dollar 2018 auf angeblich 100 Millionen Dollar vor der Invasion. Seitdem ist er jedoch wegen der Sanktionen drastisch eingebrochen.
Zwar blieben die russischen Exporte nach El Salvador auf demselben Niveau, doch „die Importe sind auf beinahe Null gefallen“, so der Diplomat. Sowohl russische als auch salvadorianische Unternehmen würden dies gerne ändern, haben aber Probleme wegen des Dollars, der in El Salvador die offizielle Währung ist. Unternehmen des Landes wollen in Dollar bezahlt werden, und dies kann Russland wegen der Sanktionen nicht.
„Als Alternative bietet El Salvador an, Kryptowährungen im Handel zu verwenden“, genauer: Bitcoin. Doch Russland lehnt dies ab. „In unserem Land ist Bitcoin nicht so weit verbreitet, daher schauen wir nach anderen Wegen, den Handel wiederzubeleben.“ Der Diplomat meint, es sei „ideal“, eine Bank in El Salvador zu gründen, „die Transaktionen in verschiedenen Währungen prozessiert, Yuan, Rupie, Rubel.“ Doch El Salvador halte an seiner Verbindung zum Dollar und zu europäischen und US-amerikanischen Banken fest und schrecke daher vor einem solchen Schritt zurück.
Die Finanzsanktionen schmerzen offenbar, und Russland möchte die offensichtliche Antwort, Bitcoin oder andere Kryptowährungen, nicht akzeptieren.

