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Geheimtreffen, Regulierung und ein Browser-Node

California State Capitol Building in Sacramento. Bild von Jeff Turner via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Endlich wieder Blocksize! In diesen Bitcoin-News der Woche geht es weder um Bitfinex noch Ethereum, sondern um ein geheimes Treffen zwischen Bitcoin-Entwicklern und Minern sowie einen Plan, Bitcoin ohne Mehrheit zu forken. Außerdem reden wir über Regulierungspläne in Australien und Kalifornien, über einen feinen neuen Full Node für den Browser – und natürlich über den Preis. Viel Spaß mit den Bitcoin News der Woche!

Wäre Bitcoin ein Lebenwesen, würde der Kurs dem Herzschlag entsprechen. Auch wenn alle sagen, dass es nicht ums Geld geht – es geht sehr wohl ums Geld. Denn der Preis ist ein Universalindikator – er zeigt an, wie sicher das Bitcoin-Netzwerk und wie mächtig das Bitcoin-Ökosystem ist. Ein Crash signalisiert, dass das System in Gefahr, eine Rally, dass es begehrt ist.

Als beispielsweise am 3. August Bitfinex gehackt wurde, stürzte der Kurs augenblicklich ab. Die Delle ist im 30-Tages-Kurs äußerst deutlich zu erkennen; sie reicht beinah bis 490 Euro hinab. Danach wurde dem Markt wohl klar, dass es nicht Bitcoin, sondern „nur“ die größte Bitcoin-Dollar-Börse war, die gehackt wurde, dass „nur“ 120.000 Bitcoins geraubt wurden – viel weniger als bei MtGox – und dass der Markt in der Vergangenheit bestens  in der Lage war, mit solchen Ereignissen umzugehen.

Dementsprechend ist der Kurs nach dem Einsturz recht schnell wieder gestiegen. Bei knapp 550 Euro wurde es vielen Marktteilnehmern aber wohl wieder mulmig; vielleicht, weil der Hack nach wie vor bedeutet, dass vermutlich in nächster Zeit 120.000 Bitcoins auf den Markt fließen und dort, (fast) egal zu welchem Preis, verkauft werden. Vielleicht haben sich viele aber daran erinnert, dass der Kurs bereits vor dem Bitfinex-Hack auf Talfahrt war, wenn auch längst nicht so aggressiv wir kurz nach dem Hack. Also sank der Preis wieder ein wenig, um jetzt bei etwa 530 Euro zu stehen.

Der Bitcoin-Kursverlauf im 30-Tages-Chart. Quelle: Bitcoin.de

Was genau den Kurs beeinflusst, ist schwer zu sagen. Es gibt sowohl gute wie auch schlechte Neuigkeiten. In diesen News der Woche präsentiere ich eine kleine Auswahl von Nachrichten. Es gäbe noch deutlich mehr zu erzählen, und wenn ich anfangen würde, auch Ethereum, andere Kryptocoins und Blockchain-Ideen hier mit aufzunehmen, würdet ihr bis Monat an den News der Woche lesen.

Blocksize-Debatte: Core und Miner treffen sich

Es ist schon relativ lange her, dass wir über das Blocksize-Drama geschrieben haben. Nun gibt es wieder ein paar Neuigkeiten:

Ende Juli fand ein nicht-öffentliches Treffen zwischen Core-Entwicklern und Minern statt, dieses Mal in Kalifornien. Im Vorfeld wurde explizit gesagt, dass dieses Treffen nur dem Austausch von Informationen diene und keine Entscheidung gefällt werden soll. Das Treffen fand in Ausschluss der Öffentlichkeit statt; der einzige Bericht, den es darüber gibt, ist ein langes Transkript von Diskussionen und Vorträgen, allerdings ohne Namen.

Ich habe es nur überflogen, finde aber zwei Abschnitte bemerkenswert. Zum einen den Abschnitt „Block Size and Hard Forks“, in dem es um das langumstrittene Thema geht. Hier finden wir ein wenig Klarheit darüber, was aus der Hongkong-Hardfork wurde. Wir erinnern uns: Die drei Core-Entwickler Luke Dashir, Peter Todd, Matt Corallo haben sich in Hongkong mit dem Minern getroffen, diesen das Versprechen abgewrungen, keine andere Software als Bitcoin Core zu verwenden, und habe im Gegensatz versprochen, eine Hardfork vorzuschlagen, die die Blocksize erhöht. Allerdings hat man danach zur allgemeinen Verwunderungen nichts mehr über die Hardfork gehört. Aufklärung bringt das neue Treffen.

An besagter Stelle im Transkript erinnert ein Miner, höflich, geradezu demütig, an das Versprechen und meint, die betreffenden Core-Entwickler sollten sich an dieses halten. Ein Entwickler – ich glaube, Luke Dashir – erzählt, dass diejenigen, die in Hongkong eine Hardfork versprochen hatten, sich ein wenig später für eine Woche in New York getroffen hatten. Dabei war man sich einig, dass ein vernünftiger Vorschlag für eine Hardfork „unglaublich unkontrovers“ sein muss, und dass es kaum möglich ist, dies zu erreichen. Zugleich waren sich die Entwickler höchst uneinig, wie man eine solche Hardfork in einer sicheren Weise ausführen sollte. Danach folgt sehr viel Blablabla, und wenn man aus diesem Abschnitt eine Essenz ziehen kann, dann die, dass es wohl keine Hardfork geben wird.

Der zweite Teil, der mir auffällt – negativ auffällt – sind die Abschnitte über die Ethereum-Hardfork. Zum einen werden hier – weiß der Kuckuck von wem – Falschaussagen über Ethereum gemacht, die sich so technisch nicht halten lassen. Zum anderen wird die Ethereum-Hardfork als abschreckendes Beispiel dafür hergenommen, wie man nicht forken sollte und warum eine Fork so gefährlich ist. Beides verbuche ich mal als „Politik“ oder „Spin Doctoring“ – als das Zurechtbiegen von Wahrheit, um eine eigene Agenda durchzusetzen.

Für die Lösung des Blocksize-Konfliktes oder eine bessere, ehrlichere „Regierung“ von Bitcoin spricht das, was man von dem Treffen in Kalifornien gehört hat, schon mal nicht.  Aber macht euch bitte selbst ein Bild und schmöckert in dem Transkript herum. Ich bin sicher, darin sind eine Menge Perlen versteckt.

Bitcoinforks! Wenn nötig, auch ohne Miner

Die „Big-Block“-Gemeinschaft, die seit längerer Zeit für eine Hardfork für größere Blöcke kämpft, hat die Ethereum-Hardfork relativ einseitig interpretiert. Als sie reibungslos zu gelingen schien, hieß es „Hei, lasst uns auch forken, es ist ist ja kein Problem“, und als Ethereum Classic aufstieg und die Fork problematisch wurde, hieß es „Hei, wenn ETC überlebt, kann auch eine BTC-Fork mit größeren Blöcken überleben.“ So oder so – die Big Blocker wollen forken.

Nun wollen sie ernst machen. Jemand startete ein Projekt, um Bitcoin zu forken. Soll es doch zwei Bitcoins geben, einen mit kleinen, einen mit großen Blöcken, und soll doch der Markt entscheiden, welcher davon der bessere Bitcoin ist. Auf der neuen Webseite bitcoinforks.org ist zu lesen: „Wir forken Bitcoin. Wir sind eine Gruppe von Bitcoin User, die Bitcoin zurück zur originalen Vision von on-chain scaling forken; mit oder ohne Mehrheit der Miner.“

Laut Roadmap der Webseite soll in den kommenden sechs Monaten eine Fork vorbereitet und geschrieben werden. Dann geht es los. Egal, ob die Miner einverstanden sind oder nicht.

Regulierung: Gerüchte aus Australien, unklare Pläne aus Kalifornien

Nun aber zu anderen Themen. In den letzten eineinhalb Wochen gab es nämlich einige Neuigkeiten zur Regulierung in Australien und Kalifornien. Nachdem die EU-Pläne bekannt sind, verdichtet sich damit das Bild der künftigen Bitcoin-Regulierung.

In Australien handelt es sich eher um ein Gerücht, das darauf zurückgeht, dass die AUSTRAC, Australiens Finanz-Geheimdienst, einen Anti-Terrorfinanzierungs-Gipfel auf Bali mitorganisiert und zudem, so die Business Review Australia, gesagt hat, dass virtuelle Währungen wie Bitcoin es ermöglichen, Geld anonym zu versenden. Aha.

Ein Bericht der AUSTRAC empfiehlt, auf diese Bedrohungen mit einem starken juristischen Rahmenwerk zu reagieren. Die Regierung debattiert derzeit über eine Anpassung der Anti-Geldwäsche-Gesetze, durch die virtuelle Währungen mit E-Geld gleichgesetzt und damit auch reguliert werden sollen. Alles weiter ist aber noch ziemlich vage.

Ein Stückchen konkreter wird es in Kalifornien. „Die Regierung von Kalifornien hat eine neue Version von AB 1326 veröffentlicht. Das ist eine schlechte Nachricht für jeden, der Bitcoin mag,“ schreiben Peter von Valkenberg und Jerry Dito auf der Webseite von Coincenter, einer in New York stationieren Lobby-Gruppe für Bitcoin. Der Gesetzesentwurf zu virtuellen Währungen (=AB 1326) sei nun in unklarer Sprache verfasst und habe so gut wie nichts mehr mit dem alten Entwurf zu tun, an dem das Coincenter mitgearbeitet hat. Laut Coincenter kann das Gesetz so gut wie jeden treffen und schafft damit massive Unsicherheit.

Das Gesetz betrifft Anbieter von Multi-Sig-Wallets und Schlüssel-Bergungen, obwohl sie nicht die nowendigen Schlüssel haben, um Transaktionen zu signieren. Es KÖNNTE diejenigen betreffen, die Full Nodes betreiben, die, die digitale Währungen minen, und diejenigen, die in Offchain-Payment-Channels wie Lightning teilnehmen. Es WÜRDE diejenigen betreffen, die neue Währungen entwickeln und neue Token „herausgeben“, oder Firmen, die dabei helfen, Scaling Lösungen wie Sidechains zu entwickeln …

Wenn man sich den Entwurf durchliest, erscheint die Reaktion des Coincenter etwas hysterisch. Denn im Entwurf steht auf S. 31 relativ klar, wer bzw. was nicht betroffen ist:

(1) Das Überweisen von digitalen Währungen, bei denen die Transaktion für nicht-finanzielle Zwecke gemacht wird und lediglich einen minimalen Betrag von digitalen Währungen enthält, der notwendig ist, um die Transaktion abzusenden. […]

(5) Eine Person oder Entität, die Software für digitale Währungen entwickelt, vertreibt oder benutzt

(6) Eine Person oder Entität, die ein Netzwerk einer digitalen Währung  mit Software, Internet-Verbindungen oder Computerleistung unterstützt

Also: Weder Token-Herausgeber, noch Nodes, noch Entwickler fallen unter das Gesetz. Sehr wohl aber die üblichen „digital currency business“. Damit ähnelt das geplante Gesetz sehr stark dem Kurs der EU, der eine relativ strenge Regulierung von Unternehmen, die mit digitalen Währungen arbeiten, vorsieht, und sich dabei neben Börsen auch jegliche Wallet-Anbieter zur Brust nimmt.

Update (15. August): Laut Coincenter wurde die Bill noch vor der finalen Abstimmung abgesetzt:

https://twitter.com/jerrybrito/status/764247487272087556

Bcoin.io – ein Node für Javascript

Zuletzt kommen wir zu ganz anderen Nachrichten. Zu Nachrichten, die weder etwas mit Politik, Forks, Gesetzen oder Hacks zu tun haben.

Kennt ihr schon bcoin.io? Auf dieser Seite findet ihr den Code für einen Node auf Basis von Javascript bzw. NodeJS, also einen Node, den ihr auch im Browser laufen lassen könnt. Vorgestellt hat ihn Purse.io, eine amerikanische Firma, auf deren Plattform man gegen Bitcoin günstige Amazon-Gutscheine kaufen kann, was in Deutschland, aus welchen Gründen auch immer, leider nicht zugelassen ist.

Wer sich mit NodeJS auskennt und die Library installiert, kann ein wenig mit dem Node herumprobieren. Wer ihn direkt im Browser öffnen will, kann dies auf bcoin.io/browser direkt machen. Was genau der Unterschied zu der bewährten NodeJS-Implementierung BitcoinJS ist, kann ich nicht genau sagen. Vielleicht, dass bcoin einen Full Node zulässt, aber die Wallet-Funktionalitäten noch in der Entwicklung sind, während BitcoinJS eine Wallet ohne Node ist. Sieht zumindest so aus, als könnte sich beides wunderbar ergänzen. Probiert es einfach mal aus.

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