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60 Bitcoin-Fans in Bolivien verhaftet

Zona Sur area of La Paz, Bolivia. Foto von Matthew Straubmuller via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Finanzaufsicht in Bolivien hat 60 Personen verhaften lassen, weil diese anderen Menschen beigebracht haben, wie man in Bitcoins investiert. Die Finanzaufsicht des eher schwach entwickelten südamerikanischen Landes verbietet jede andere Währung als den Boliviano und bezeichnet Bitcoin und andere Kryptowährungen als Pyramidenspiele.

Einer Mitteilung der Finanzaufsicht Bolivien zufolge (hier die Google-Übersetzung) wurden kürzlich 60 Menschen verhaftet, weil sie in der bevölkerungsreichsten Stadt des Landes, Santa Cruz de la Sierra, anderen Bürgern beigebracht hatten, wie man in virtuelle Währungen investiert. Eine Spezialeinheit zur Bekämpfung der Kriminalität hat letzten Mittwoch die Festnahmen an einem öffentlichen Platz im Zentrum der Stadt ausgeführt.

Ein Direktor der Finanzaufsicht ASFI, Lenny Valdivia Bautista, erklärte, dass man zudem „Pamphlete“ konfisziert habe, welche erläuterten, wie man virtuelle Währungen benutze. Die Aufsicht geht gegen die bolivianischen Bitcoiner vor, die sich in geschlossenen Whatsapp-Gruppen sowie auf Facebook verabreden. Valdiva sagte laut der bolivianischen Zeitung Hoy Bolivia, dass man digitale Überwachungstechnologien nutze, um diese Netzwerke zu analysieren und die Bitcoin-Evangelisten zu identifizieren.

Anlässlich der Verhaftungen erinnert die ASFI daran, dass diese Aktivität im ganzen Land verboten ist, und dass Kryptowährungen Pyramidenspiele seien, die nur dafür gemacht worden sind, um den Bürgern ihr Geld und ihre Ersparnisse zu nehmen. Gemäß einer Resolution von 2014 sei es „in unserem Land verboten, jegliche Art von virtueller Währung, ob sie nun Bitcoin oder anders genannt wird, zu benutzen und in Umlauf zu bringen.“

Die Regierung des südamerikanischen Binnenlandes hat als erste Nation der Welt bereits 2014 Bitcoin und andere Kryptowährungen verboten. Die Zentralbank des Landes, El Banco Central de Bolivia, erklärte damals, es sei illegal, „eine Art von Währung zu benutzen, die nicht von der Regierung herausgegeben und kontrollieren wird.“ Dabei wurden auch explizit Kryptowährungen wie Bitcoin und „Namecoin, Peercoin, Quark, Primecoin und Feathercoin“ genannt – Kryptowährungen, die 2014 noch relativ heiß waren, aber heute längst in der Versenkung verschwunden sind. Sowohl die tatsächliche Nutzung als auch die Angabe von Preisen in solchen Währungen wurde verboten.

Bolivien ist eines der ärmeren lateinamerikanischen Länder. Es liegt auf einer Hochebene in den Anden zwischen Argentinien, Chile, Peru, Brasilien und Paraguy. Mit dem 113. Platz im „Index der menschlichen Entwicklung“ liegt Bolivien eher am unteren Spektrum in Lateinamerika und zwischen Gabun und Moldawien. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 3.000 Dollar je Kopf und Jahr ist das Land in dieser Hinsicht global auf dem 122. Platz. Der Weltbank zufolge haben nur 40 Prozent der Einwohner ein Bankkonto und nur 20 Prozent haben ordentliche Ersparnisse oder Zugang zu Krediten.

Bitcoin könnte für das Land mit einer unterentwickleten Finanzstrukur nützlich sein, um die finanzielle Inklusion der Bürger zu befördern. Die vielen lateinamerikanischen Bitcoin-Startups könnten dazu beitragen, die eher kleine Volkswirtschaft Bolivien besser in die südamerikanische Wirtschaft zu integrieren. Anders als die südamerikanischen Länder Argentinien und Venezuela leidet Bolivien jedoch nicht unter einer Inflation der eigenen Währung.

Nachdem der Boliviano in den 80er und 90ern des vergangenen Jahrhunderts stark abgewertet und sich der Dollar als faktische Zweitwährung etabliert hat, gelang es er Regierung 2004 den Kurs zu stabilisieren, indem sie eine Steuer auf inländische Dollar-Transaktionen einführte. Diese Maßnahme drängte die Zirkulation des Dollars in Bolivien zurück und festigte den Kurs des Boliviano, der sogar stabiler als der Euro ist. Seit 2006 hat Bolivien mit dem Präsidenten Evo Morales eine stabile Regierung, welche durch die Verstaatlichung der Erdgasindustrie das vormals ärmste Land Südamerikas auf einen wirtschaftlichen Wachstumskurs führte. Anders als in Venezuela, in welchem der Sozialismus von Chavez das Land ökonomisch ausgeblutet hat, scheint die in Bolivien praktizierte mildere Variante des Sozialismus überraschend gut zu funktionieren.

Angesichts dieser monetären Geschichte wird der Bitcoin in Bolivien naturgemäß eher als Bedrohung wahrgenommen. Aufgrund der Verbote sei die Bitcoin Community in Bolivien klein und halte sich eher im Untergrund, berichtet der Administrator der „Bitcoin Bolivia“ Facebook-Gruppe, Alonso Vaca-Pareira. Da die Regierung Kryptowährungen in die Nähe des Drogenhandels und anderer illegaler Aktivitäten gerückt habe, hielten sich die meisten Leute davon fern.

Allerdings gab es kürzlich eine recht steile Spitze in der Anzahl von Google-Suchanfragen nach Bitcoin in Bolivien. Was genau sie ausgelöst hat, ist schwer zu sagen. Die Aufmerksamkeit ist in jedem Fall so hoch wie nie zuvor. Möglich, dass dies die Regierung aufgeschreckt hat und die Verhaftung der 60 Bitcoiner als abschreckendes Exempel dienen soll.

Update: Wie es aussieht, wurden die Bitcoin-Fans nicht wegen Bitcoin an sich verhaftet, sondern weil sie für ein Pyramidenspiel geworben haben, in das Bitcoin involviert war. Danke für den Kommentator, der mich darauf hingewiesen. Mehr Infos in den Kommentaren weiter unten.

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