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Russischer Darknet-Marktplatz will durch ICO weltweite Expansion finanzieren

Bild einer Hydra aus einem alten Manuskript.

Der russische Darknet-Marktplatz Hydra veranstaltet eine ICO. Das gab es bisher noch nicht, und es ist kurios. Aber an sich ist es nur auf der Oberfläche originell.

Über die Legalität von Initial Coin Offerings (ICOs) wird gerne gestritten, und oft ist es schwierig, zu erkennen, ab wann eines dieser Projekte zum Betrug wird. Sehr viel einfacher lässt sich die Frage dagegen bei einer der jüngsten ICOs beantworten: Sie ist hochgradig kriminell, und vermutlich dürfte schon allein das Investment in sie strafbar sein.

Der russische Darknet-Marktplatz Hydra lädt Investoren ein, die globale Expansion der Plattform zu finanzieren. Auf einer nur durch den Tor-Browser erreichbaren Ausschreibung bietet Hydra Token im Wert von je 100 Dollar an, durch die insgesamt 146 Millionen Dollar zusammenkommen sollen. Besitzer von Paketen mit 100 Token sollen 0,00333333 Prozent am Gewinn des Marktplatzes erhalten.

Die Einnahmen durch die ICO möchte der bislang vor allem im russischen Bereich etablierte Darknet-Market dafür verwenden, um seine Plattform für anonymen und vertragsfreien Handel zur ganzen Welt zu bringen. „Wir werden eine neue Ära im Westen einläuten. Das Ausmaß der Expansion ist schwer vorzustellen.“ Der weltweite Marktplatz soll den Namen Eternos tragen und mit einem verschlüsselten Messenger, einer Krypto-Börse, einem Torartigen anonymen Browser sowie einer KI-basierten Streitschlichtung daherkommen. Was das Produkt genau sein soll, ist schwer zu sagen, da ein Browser geplant ist, könnte man vermuten, es wird ein Marktplatz ähnlich dem dezentralen Marktplatz OpenBazaar.

Hydra ist ein seit 2015 bestehender russischer Darknet-Marktplatz. Das russische Magazin Lenta.ru hat ein Dossier über ihn geschrieben. Darin stellt es die Nachfrage nach Drogen aus dem Darknet in Russland als „höher als nach Öl und Gas“ dar. Es sei ein „brutaler Krieg um den Drogenhandel im Darknet“ ausgebrochen, den Hydra gewonnen habe, um nun der Monopolist für den russischen Markt zu sein. Hydra betreibe Werbekampagnen auf Telegram mit einem „Milliardenbudget“ – gemeint werden wohl Rubel sein – und bezahle seinen Mitarbeitern Gehälter „ab einer halben Million im Monat“ (was etwa gut 7.000 Euro entspricht). Mehr als 800.000 Russen seien bei Hydra registriert, der täglichen Umsatz von illegalen Substanzen betrage 227 Millionen Rubel (etwa 3,25 Millionen Euro). Sollte dem so sein, ist Hydra längst über die kleine Szene-Plattform hinausgewachsen und wurde eventuell zu einem festen Teil der russischen organisierten Drogenkriminalität. Es gibt Angaben, dass Hydra allein am Tag 100.000 Transaktionen abwickle, wobei aber nicht ganz klar ist, ob es sich dabei um Bitcoin- oder Marktplatztransaktionen handelt.

Auf Hydra werden vor allem illegale Drogen gehandelt. Der Handel mit beispielsweise Falschgeld ist illegal. Um das Geschäftsmodell mit den illegalen Drogen auszubauen, sucht die Plattform derzeit einen eigenen Chemiker, der die Qualität der Drogen untersuchen soll.

Auf welcher Blockchain die ICO laufen soll, ist wohl nicht bekannt. Aber ist das überhaupt wichtig? Der Vorteil einer ICO ist, dass die Token, die dabei geschaffen werden, auf allen Börsen und Marktplätzen gehandelt werden können. Ein Darknet-Token dürfte kaum eine Chance haben, den Weg zu auch nur einer einzigen ernsthaften Börse zu finden. An sich wäre ein solches Token natürlich ein Paradefall für eine der dezentralen Börsen auf Ethereum. Wenn diese nicht imstande sind, ein so eindeutig kriminelles Token zu listen – verdienen sie es dann überhaupt, dezentral genannt zu werden? Steht und fällt die Akzeptanz eines Tokens weiterhin, trotz Blockchain und Dezentralität, mit der Legalität? Man sollte es meinen.

Wenn der plattformübergreifende Handel wegfällt, verkommen die ICO-Token zu nicht viel mehr als einem Eintrag in einer Datenbank bei Hydra. Damit ist die ICO lediglich alter Wein in neuen Schläuchen. Alle Darknetmärkte bisher hätten ihren Kunden anbieten können, Anteile zu kaufen, die in einer eigenen Datenbank registriert werden. Es wurde bisher kaum gemacht, vermutlich, weil die Darknetmärkte lukrativ genug sind, um keine weitere Finanzierung zu benötigen, und vermutlich auch, weil niemand anonymen Marktplätzen vertraut. Eine ICO täuscht darüber hinweg, indem sie durch die Blockchain die Illusion vermittelt, es sei ein unabhängiges Token.

Ohnehin hängen die Token vollständig von der Ehrlichkeit der Hydra-Administratoren ab. Diese können jederzeit den Exit-Scam machen, nachdem sie ihre Taschen mit 146 Millionen Dollar gefüllt haben.  Einigen Berichten zufolge hat der Darknet-Market Evolution auch Anteile angeboten – allerdings ohne ICO und Blockchain – bevor die Administratoren untergetaucht sein. Bei den anonymen Darknet-Marktplätzen ist der Exit Scam das natürlich Ende, sofern die Polizei nicht schneller ist. Oft versuchen die Administratoren kurz davor noch, möglichst viele Bitcoins auf ihre Plattform zu locken, die sie dann mit in die Anonymität nehmen. Beobachter wie das russische Forklog-Magazin vermuten daher auch, dass genau dies die Idee hinter der Hydra-ICO ist: Der Marktplatz will sich noch einmal die Wallets fühlen, bevor er dann in der Dunkelheit verschwindet, aus der er gekommen ist.

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