Dezentrale Börsen auf Basis von Ethereum: Es tut sich was!

RadarRelay, eine der dezentralen Börsen auf Ethereum.

Auf Ethereum gibt es immer mehr dezentrale Börsen, die allein auf Basis eines Smart Contracts laufen. Dank des 0x-Protokolls hat sich bereits ein Standard gebildet, der dafür sorgt, dass die Börsen miteinander kompatibel sind. Wir haben einige der dezentralen Handelsplattformen getestet.

Während Bitcoin eine dezentrale Währung ist, ist Ethereum ein dezentraler Computer. Hier werden nicht nur monetäre Transaktionen prozessiert, sondern auch komplexe Skripte, Algorithmen und Aufgaben. Unter den vielen Anwendungen, die daraus hervorgehen, könnten dezentrale Börsen am durchschlagendsten sein: Börsen, bei denen die Order und deren Ausführung über die Ethereum-Blockchain prozessiert werden, ohne von den üblichen Mittelsmännern beim Handel abhängig zu sein.

Man kann natürlich darüber diskutieren, ob so etwas nachhaltig ist. Blockchains skalieren ja nicht, und so, weshalb man die Idee, eine Börse auf der Blockchain aufzubauen, pauschal verwerfen könnte. Aber man kann es auch einfach nur geil finden, dass man digitale Assets handeln kann, ohne dass ein Mittelsmann im Spiel ist. Das trägt die Revolution, die Bitcoin begonnen hat, noch einen gewaltigen Schritt weiter.

Bislang funktionieren die dezentralen Börsen nur mit Token, die nativ auf der Ethereum-Blockchain sind – also Ether und ERC20-Token. Das Handelsspektrum ist also recht begrenzt. Dennoch lohnt es sich, einige der dezentralen Börsen auszuprobieren.

Das 0x-Protokoll

Zunächst aber widmen wir uns der unterliegenden Technologie. Denn fazsinierenderweise rödelt nicht jede dezentrale Börse auf ihrem eigenen Smart Contract, sondern viele benutzen gemeinsam das 0x-Protokoll. Das ist insofern spannend, als dass es zu einer extrem hohen Kompatibilität zwischen den Börsen führt. Hat man auf der einen ein Guthaben, hat man es gleichzeitig auch auf der anderen.

Um zu verstehen, was das 0x-Protokoll genau macht, muss man sich relativ tief einlesen (etwa ins Whitepaper). Hier nur soviel: Das Protokoll ist modular aus mehreren Smart Contracts aufgebaut, die im Lauf der Zeit auch aktualisiert werden. Einer regiert die Börsenlogik, der andere den Transfer der Token, und so weiter. Das Besondere an 0x ist, dass es onchain und offchain kombiniert: Man kann die Börsenorder offchain erstellen, ändern und löschen, aber ihre Ausführung findet als echte Transaktion statt.

Im Kern funktioniert das so ähnlich wie beim Lightning Netzwerk: Ein User, der etwa eine Kauforder für die BAT-Token abgibt, schreibt eine spezielle, von ihm signierte Transaktion, die jedoch erst gültig wird, wenn ein anderer User die Order annimmt und ebenfalls signiert. Die “Relayer” sorgen dafür, dass die Order Käufer bzw. Verkäufer erreichen, indem sie sie in ein Orderbook aufnehmen. Sie erfüllen eine ähnliche Funktion wie Börsen, allerdings mit dem Unterschied, dass sie nicht in der Lage sind, Order selbst auszuführen oder Guthaben zu beschlagnahmen. Sie stellen lediglich eine Benutzeroberfläche sowie ein Orderbuch bereit.

Das 0x-Protokoll hat die größten Chancen, sich im Wettbewerb einiger verschiedener Protokolle für dezentrale Börsen auf Ethereum durchzusetzen. Der Grund dürfte vor allem die Kombination von on- und offchain sein. Denn bisher war es recht störend, dass man je eine echte Ethereum-Transaktion gebraucht hat, um Order zu erstellen, zu ändern und zu löschen. Das offchain zu prozessieren, veringert die Reibungskosten durch Gebühren.

Mittlerweile nutzt bereits eine Reihe von Börsen 0x, und eine weitere lange Liste von Börsen ist noch im Aufbau oder im Beta-Modus. Es scheint, als sei 0x ein Glücksgriff gewesen. Manche meinen gar, das Protokoll für dezentrale Börsen habe mehr für Ethereum getan als alle ICOs des vergangenen Jahres.

Eine dezentrale Börse benutzen

Das 0x-Protokoll scheint zum Standard von zahlreichen dezentralen Anwendungen auf Ethereum zu werden. Mehr als 30 Dapps oder Börsen nutzen es bereits bzw. haben vor, es zu benutzen, wenn sie den Betrieb aufnehmen. Für diesen Artikel habe ich nur einen Teil davon ausprobiert, nämlich die Börsen RadarRelay, DDEX, ERCdEX und Paradex.

Die dezentrale Börse DDEX. Oben rechts sieht man das Metamask-Symbol für meinen Account.

Um die dezentralen Börsen benutzen zu können, muss man eine Wallet damit verbinden. Bei den von mir getesteten Börsen funktioniert das nur mit der Hardware-Wallet Ledger oder mit dem Browser-Plugin Metamask, das mittlerweile für alle Browser verfügbar ist. Warum genau MyEtherWallet oder Parity nicht zur Option stehen, weiß ich nicht. Für die Tests habe ich Metamask benutzt.

Alternativ könnte man sich mit Ledger einloggen.

Um sich einzuloggen, muss man eine Nachricht signieren. Die Börsen zeigen dann zwar das Guthaben, das ich in Metamask halte, also die ETH, doch um zu handeln, muss ich einen Teil davon noch in “Wrapped ETH”, also WETH, umwandeln. Dies geschieht durch eine Transaktion auf der Blockchain. Sobald diese bestätigt ist, kann man mit den WETH handeln. Eine angenehme Überraschung war für mich, dass die WETH, die man auf der einen Börse erzeugt hat, auch auf der anderen gelten. Nachdem ich auf DDEX Ethereum “gewrapped” habe, konnte ich mit diesen auch auf ERCdEX handeln. Das Guthaben ist also auf allen Börsen gleichzeitig da.

RadarRelay will, dass ich mit Metamask eine Aktion auf der Börse bestätige

Danach kann man wie auf anderen Börsen durch Market- oder Limitorder Token kaufen oder verkaufen. Die Benutzerführung ist bei den meisten dieser Börsen relativ ähnlich. Nicht so einfach wie bei den großen, zentralisieren Börsen, aber schon in Ordnung. Wer Übung hat, wird sich relativ rasch zurechtfinden. Mir kamen RadarRelay und Paradex am übersichtlichsten vor. Allerdings hat Paradex ein extrem dünnes Orderbook und so gut wie keine Trades, während bei RadarRelay immerhin etwas los ist und die Orderbücher relativ voll sind. Auch auf DDEX und ERCdEX wird einigermaßen aktiv gehandelt, auch wenn die Order, die ich testweise abgegeben habe, bislang noch immer nicht bedient wurden.

Coinmarketcap zeigt das Tagesvolumen einiger der Börsen. Mit 1,84 Millionen Dollar am Tag steht DDEX an erster Stelle, gefolgt von Radar Relay mit 0,5 Millionen Dollar, während Paradex mit etwa 150.000 Dollar relativ weit abgeschlagen ist. ERCdEX taucht noch nicht einmal auf. Die Tagesumsätze sind, verglichen mit den Umsätzen der großen Börsen, winzig – aber sie sind, immerhin, da. Die Bewegung hat begonnen.

Insgesamt könnte man sagen, dass die dezentralen Börsen auf Basis von 0x noch nicht mit dem Handelskomfort großer, zentraler Börsen aufwarten. Doch dafür, dass es sich um die ersten Handelsplattformen auf Basis von Smart Contracts und Offchain-Protokollen handelt, ist die Benutzererfahrung überraschend flüssig. Ausprobieren lohnt sich.

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11 Comments on Dezentrale Börsen auf Basis von Ethereum: Es tut sich was!

  1. Ich denke ein größeres Problem, als die Skalierbarkeit ist hierbei das Frontrunning. Weißt du oder jemand anderes, ob Schutzmaßnahmen getroffen wurden und wenn ja, welche?

  2. da 0x ja ein Protokoll ist, wofür gibt es dann noch den Coin dafür? Was genau macht dieser?

  3. Exakt. Die Miner können die Reihenfolge der Transaktionen in ihren Blöcken beliebig umordnen und sogar eigene Order davor setzen. Dadurch ist es relativ einfach sich einen finanziellen Vorteil zu verschaffen.

    • Ah, mist, das sollte zu dem Kommentar von moonishtt sein.

    • Wie wird daraus ein Gewinn? Die Order selbst gehen ja nicht in die Blöcke, sondern lediglich die Ausführung der Trades.

      • Mag sein. Ich habe mich selbst vor einiger Zeit mit dezentralen Börsen beschäftigt und das Problem ist, dass es keine globale Zeit in den Netzwerken gibt. In der Praxis spielt das oft keine Rolle, weil die Zeitstempel weit genug auseinander sind, als dass es dabei zu Problemen kommt, aber sobald es möglich ist die Reihenfolge der Transaktionen bevor sie ins Orderbuch geschrieben werden zu ändern sollte Frontrunning möglich sein.

        Das Orderbuch selbst ist zwar nach Preis sortiert, aber sobald ein Order kommt, der matchen würde, könnte der Angreifer einen Order davor schalten, der zuerst matcht und diesen dann gegen den ursprünglichen Order matchen lassen. Natürlich zu einem schlechteren Preis. Die Differenz der beiden Preise geht an den Angreifer.

        Zum Beispiel steht im Orderbook ein limit sell order@98. Nun kommt ein buy@100 herein, der matchen würde. Der Angreifer macht nun vor den buy@100 einen buy@98 und einen sell@100. Damit macht der Angreifer zwei Trades und einen Gewinn von 2 pro Stück.

        Hier noch ein Artikel, der das Ganze vielleicht etwas besser erklärt als ich: http://www.kkurokawa.com/2015/06/front-running-decentralized-exchanges.html

      • Ich hab hier noch eine Antwort von den 0x-Entwicklern gefunden. Ich finde sie nicht ganz zufriedenstellend, aber ist vielleicht für andere hier auch interessant.

        https://blog.0xproject.com/front-running-griefing-and-the-perils-of-virtual-settlement-part-1-8554ab283e97

  4. Bisq wäre auch interessant.. Hab mich noch nicht im Detail damit beschäftigt.. Artikel drüber wäre sehr willkommen

  5. Wie ist das mit den Gebühren? Fallen die üblichen Gebühren auch an, oder zahlt man nur Gas für die Transaktion?

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