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Pennsylvania verliert die Geduld mit den Bitcoin-Minern

Kohleabfälle in Pennsylvania. Bild von jakec via wikipedia.com. Lizenz: Creative Commons

Ökologische Bedenken setzen das Bitcoin-Mining immer weiter unter Legitimationsdruck. Wie sehr, erkennt man etwa im US-Bundesstaat Pennsylvania, eigentlich ein beliebter Standort für Miner.

In der Regel stellt sich die USA als ein Land dar, das dem Bitcoin-Mining gegenüber aufgeschlossen ist. Nicht ohne Grunde wurde die USA zum weltweit wichtigsten Standort fürs Mining, nachdem China es verboten hatte, Bitcoins zu schürfen.

Natürlich könnten die Pläne der Regierung Biden, eine Sonderabgabe fürs Mining einzuführen, den Trend wenden. Doch bisher scheint Mining überall, wo es Strom im Überfluss gibt, willkommen zu sein: Stromerzeuger freuen sich über die Nachfrage, Kommunen über Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, und in Texas hilft das Mining sogar, erneuerbare Energien auszubauen und das Stromnetz zu stabilisieren.

Ein Bericht der Forbes über das Mining aus Pennsylvania zeigt jedoch, dass man vielerorts auch lokal wenig Freude an der Branche hat, und, vor allem: wie sehr die Debatten um Umwelt- und Klimaschutz das Mining unter Legitimationsdruck setzen.

Der US-Bundesstaat war ein attraktiver Ort für die Miner, weil er etwa Steuernachlässe für Datencenter anbietet. Rund ein halbes Dutzend große Mining-Farmen haben sich dort niedergelassen und verbrauchen vor allem Kernkraft, Gas und Kohleabfälle als Energiequelle.

Nachdem aber im vergangenen Jahr die Demokrakten die Regierung des Bundesstaates übernahmen, warf ein Kommittee für Umweltschutz und Energie einen zunehmend kritischen Blick auf die Branche. So sollen die Steuerermäßigungen für Datencenter nicht länger für Miner gelten. Darüber hinaus plant das Kommittee unter seinem Vorsitzenden Greg Vitali ein Moratorium für die Inbetriebnahnme neuer Farmen.

Bestehende Farmen dürfen zwar weiter operieren, müssen aber Informationen über die verwendeten Energiequellen bereitstellen. Auf deren Basis soll dann entschieden werden, ob weitere Regulierungen notwendig sind.

Einer der Miner, der von den neuen Regeln betroffen wäre, ist TeraWulf. Das Unternehmen schürft Bitcoins mithilfe von Kernkraft. Ein Sprecher sagte, Mining könne „eine symbiotische Beziehung“ mit dem Stromnetz eingehen, etwa indem es „nicht verwendeten Strom durch erneuerbare Energien in Bitcoin fließen lässt, ein globales Asset mit unbegrenztem Volumen.“

Stronghold Digital Mining hingegen setzt auf Kohleabfälle. Das ist das Material, welches beim Abbau von Kohle übrig bleibt. Je Tonne Kohle fallen rund 400 Kilogramm dieser Abfälle an. Teilweise wird dieses Material als Energiequelle verwendet, doch wegen der vielen enthaltenen Schadstoffe gilt es als noch giftiger als herkömmliche, energiedichte Kohle. Modernere Verfahren können jedoch den dabei entstehenden Schaden reduzieren, indem die meisten Giftstoffe in der Asche verbleiben, die stabil ist und in den Gruben entsorgt werden kann.

Laut Stronghold-CEO Gregory Beard erweist sein Unternehmen der Umwelt einen Dienst. Es räumt die toxischen Kohleabfalls-Lager auf, die ansonsten oft den Boden und das Grundwasser verseuchen. Dem entgegnete jedoch ein Mitglied des Kommitees, dass das Verbrennen der Kohleabfälle die Verschmutzung lediglich vom Boden in die Atmosphäre verschiebe. Das Kommitee fügt hinzu, dass die Miner nur selten auf regenerative Energien setzen, sondern oft fossile Brennstoffe nutzen. Und selbst wenn – es gebe allerorten einen Mangel an regenerativen Energien.

Solche Diskussionen werden an vielen Orten geführt. Das Bitcoin-Mining rechtfertigt seinen hohen Stromverbrauch oft dadurch, dass dieser 1.) vor allem aus regenerativen Energien stamme, er 2.) den Ausbau erneuerbarer Energien fördere, 3.) das Stromnetz stabilisieren könne, 4.) durch das Verbrennen von Methan sogar CO2-negativ sein könne,  und 5.) im Vergleich zu anderen Industrien schon heute überdurchschnittlich grün sein.

Diese Argumente sind in der Theorie durchaus trifftig. Es gibt zahlreiche Szenarien, wie Mining helfen kann, den notwendigen Ausbau erneuerbarer Energien massiv zu beschleunigen. Einige Erfolgsgeschichten geben dem zwar recht – etwa das Mining in Texas oder die geothermischen Projekte in El Salvador und Kenia – doch zugleich bedienen sich die Miner weiterhin rege emissionsintensiven Stromquellen, wenn es günstig ist, und bringen die Stromnetze nicht nur im Iran, sondern auch in Texas an ihr Limit.

Die ökologische Bilanz des Minigs ist also, trotz eines vielversprechenden Potenzials, durchwachsen. Da sich gleichzeitig die gesellschaftliche Debatte um Klimawandel und CO2-Emissionen immer weiter verschärft, sollten sich die Miner beeilen, ihre Versprechen einzulösen. Ansonsten droht die Akzeptanz durch die Politik weiter zu schwinden.

Sollte, weiter gedacht, sich das Mining in fossile Schurkenstaaten wie Russland, den Iran oder Nordkorea flüchten, könnten die politisch-regulatorischen Konsequenzen sehr unangenehm werden. Dies wäre eines der Horrorszenarien für die Bitcoin-Akzeptanz in den USA und Europa.

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