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Keiner wäre auf so etwas vorbereitet gewesen

Wenn sich der Erfolg zu hoch türmt

Als Mark Karpeles Mt. Gox übernahm, war alles noch überschaubar. Der Bitcoin war noch Spielgeld, es gab eigentlich keine Bitcoin-Wirtschaft, sondern nur ein großes Experimentierfeld. Ein BTC war bestenfalls einen Dollar wert, der gesamte Markt weniger als 10 Millionen. Bitcoin-Börsen flogen weit unter dem Radar von Behörden.

Mit dem Bitcoin zu handeln, kann man damit vergleichen, mit einem Teig zu backen, der einfach nicht aufhört, aufzugehen. Das ist natürlich gut, da man mit einer kleinen Menge viel machen kann. Aber es wird irgendwann zum logistischen Problem.

(c) Joujou / pixelio.de

Mitte 2011, also einige Monate, nachdem Mark Karpeles das Steuer von Mt. Gox übernommen hatte, blähte sich der Bitcoin zum ersten Mal auf. Im Juni türmte sich der Preis auf 30 Dollar auf, alle Bitcoins zusammen waren kurzzeitig 200 Millionen wert. Auf Mt. Gox wurden anstatt vorher 50.000 Dollar am Tag 2 Millionen gehandelt. Damit begannen die Probleme.

Zum einen kamen die Hacker. Für sie hatte es noch nie ein besseres Ziel gegeben: Bitcoins, die aus dem System geklaut werden, gehören dem Dieb. So, wie wenn man einen Geldschein stiehlt. Während ein virtueller Bankraub mit Euro oder Dollar oft zwecklos ist, weil virtuelle Guthaben wieder rückgebucht werden können, ist ein Bitcoin-Börsen-Hack das Äquivalent eines klassischen Bankraubs: man stiehlt die Scheine und flüchtet mit ihnen.

Als größte Börse war Mt. Gox das erste Ziel der Hacker. Es gab eine tagelange DDoS-Attacke, in der einige Coins gestohlen wurden, die Karpeles aber ersetzen konnte. Andere Börsen brachen in dieser Zeit zusammen. Bitomat aus Polen verlor im Juni 2011 durch einen Software-Fehler 17.000 Bitcoin. Mark Karpeles kaufte daraufhin Bitomat und zahlte die Kunden aus seinem eigenen Vermögen aus. Der bisher einzige Bailout der Bitcoin-Geschichte geschah ironischerweise durch jemanden, der heute selbst einen ungleich größeren Bailout gebrauchen könnte.

Dann kam es zum berüchtigten Bitcoinica-Hack sowie zu einem Passwort-Leak; im Zuge des Chaos hat ein Dieb 400.000 Bitcoins auf einen Schlag bei Mt. Gox verkauft und den Preis damit kurzfristig auf einen cent heruntergebombt. Bitcoin wäre damals fast gestorben, und vielleicht wäre er das, wenn Mt. Gox den Handel eingestellt hätte. Manche sagen heute, die Börse sei schon damals pleite gewesen. Karpeles hat jedoch weitergemacht. Aufzugeben, sagte er in einer seiner bisher letzten Äußerungen, gehöre nicht zu der Art, wie er Dinge handhabe.

Neben den Hackern machten die Banken und Behörden Mark Karpeles das Leben schwer. Ein französischer Bankenpartner verweigerte die Kooperation, Karpeles ging vor Gericht und führte den ersten Prozess um Bitcoins überhaupt. Er sagte damals, er beschäftige Anwälte aus verschiedenen Ländern, um die Rechtslage des Bitcoin weltweit zu verhandeln. Wie der Prozess ausging, ist nicht wirklich bekannt, Mark Karpeles ist verschwiegen.

Als der Bitcoin sich zum zweiten Mal aufblähte, wurde es für Mt. Gox wohl zu viel. Im April 2013 poppte die nächste Blase auf und katapultierte den Bitcoin kurzfristig auf 266 Dollar. Das gesamte Netzwerk war kurzzeitig mehr als 2 Milliarden Dollar wert. Damit ging die Phase des Spielgelds und Wilden Westens vorüber. Falls Mark Karpeles zu diesem Zeitpunkt Schulden in Bitcoins hatte, wuchs seine Schuld in Fiat ins Unermessliche.

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20 Kommentare zu Keiner wäre auf so etwas vorbereitet gewesen

  1. Franzmatikersprache // 28. Februar 2014 um 17:54 // Antworten

    Zitat:
    „Mark Karpeles war ein etwa 25-Jähriger Franzose, …“

    … und deshalb wird sein Nachname doch auch eigentlich Karpelès geschrieben, oder etwa nicht? Also MIT Accent.

  2. Naja. Insolvenz ist ja noch nicht das Ende. lt. Welt.de beläuft sich der Schuldenstand auf rund 46,6 Millionen Euro (habe ich nicht überprüft/gegengerechnet). Das lässt sich noch alles auffangen, wenn man einen entsprechenden Investor findet.
    Hier scheinen nicht die benannten 750.000 Coins verschwunden zu sein, oder der Bestand war seitens mtgox ausreichend groß, bzw. alternativ entsprechende Geldmittel vorhanden.

  3. Netter Text hab aber nicht verstanden was Mark Karpeles für den Bitcoin getan hat.
    Er hat in drei Jahren Mt.Gox an die Wand gefahren und in dieser Zeit bestimmt nicht schlecht gelebt.
    Er hat zugelassen das Leute weiter Geld in seine Börse einzahlen obwohl klar war das sie pleite sind, das ist für mich fast schon Betrug.
    Die ständigen Lügen und Vertröstungen, der kann sich seine Entschuldigung sonst wohin schieben.
    Dieser Mensch hat dem Bitcoin und der Idee die dahinter steckt mit seiner Unfähigkeit und seinen Lügen in einer Art und Weise geschadet das ist unglaublich.
    Ich war nie auf Mt. Gox angemeldet, mir tun aber die Leute leid die an die Idee des Bitcoin geglaubt haben und von Karpeles belogen und betrogen worden sind.

    • xxStaatsfeindxx // 2. März 2014 um 15:34 // Antworten

      Also ich würde jetzt nicht sagen das Karpeles die Leute Belogen oder Betrogen hat. Bis zum jetzigen zeit punkt steht nicht fest.

      Und Jeder auch ich weis auf was für ein Risiko wir uns beim Handel/Arbeiten mit BTC einlassen!

      Nicht Umsonst stehen diese Komentare Rot da…Der Handel mit Bitcoins birgt ein hohes Verlustrisiko für Ihr eingesetztes Kapital bis zum Totalverlust. Setzen Sie daher nur solche finanzielle Mittel ein, deren teilweisen oder vollständigen Verlust Sie sich leisten können.

      So Viel Nun mal dazu, sollte es an dem Sein das er es bedacht vor dem Baum gefahren hat, könnte es schon ein genialer Zug gewesen sein. Wie auch immer, bei so einer Riesigen Börse Kann man wenn dan nicht nur dem Gründer Bzw. Besitzer die Schuld geben. Klar wer will kein geld durch “Spielen“ verdienen.
      Aber So schnell wie man es verdient kann und ist es auch weg.

      Und jetzt heist es abwarten, bis jetzt kann noch keiner sagen bzw. beurteilen was passiert. Und der Todesstoß wird es auch nicht gewesen sein meiner meinung nach. Die zeit wird zeigen was passieren wird.

  4. Danke für den Artikel/Kommentar! Ich denke zwar auch, dass Karpeles eine Menge Fehler gemacht hat, was mir persönlich v.a. in Fragen der Kommunikation auffiel (technisch erlaube ich mir da kein Urteil… v.a. wo noch so wenig geklärt ist), aber ohne ihn wäre Bitcoin sicherlich nicht was es ist. Und bei aller berechtigter Kritik geht vieles was man die letzten Tage zu lesen bekommt deutlich zu weit. Bitcoin kann nur existieren, wenn jeder Verantwortung übernimmt oder sie sehr bewusst abgibt, dann aber auch mit den Konsequenzen lebt, wenn das schief geht.

    Karpeles ist ab jetzt auch nicht mehr der bedeutende Faktor. Die Frage nach den fehlenden BTC ist m.A.n. viel entscheidender, und zwar lange nicht nur für MtGox-Kunden die möglicherweise alles verloren haben was sie auf der Börse geparkt hatten. Ich kenne mittlerweile eine Menge Theorien – von der „offiziellen“, über ziemlich abgedrehte, bis hin zu wirklich beängstigenden. Für mich ist keine bisher wirklich zufriedenstellend.

  5. Ganz ehrlich? Bitcoin hat hier den Todesstoß bekommen.
    Jeder der in bitcoin investiert geht davon aus, dass Mißbrauch ausgeschlossen ist, gerade weil man sämtliche Transaktionen vom Urschleim an zurückverfolgen kann. Angeblich. Offensichtlich nicht, sonst wäre der Betrug längst aufgedeckt.

    • Todesstoß würde ich nicht sagen. Das Damokles-Schwert Mt. Gox hing in den letzten Wochen (zum Teil wohl auch schon länger) über dem Bitcoin. Man wird sehen, wie es weitergeht. Mit Sicherheit wird es auch wesentlich davon abhängen, wie mit der Insolvenz umgegangen wird.

    • Ganz ehrlich. Ihre Aussage ist doch ein Faschingswitz, oder?

      Nur weil eine grosse Firma(und seie es die grösste) „Mist“ gebaut hat, kann man doch nicht die Währung selbst dafür abstrafen und für tot erklären.
      Sicher werden andere die durch den Wegfall von MtGox entstehende Lücke sich händereibend füllen….

      Da kommt mir eine Analogie in den Sinn: Nur weil der frühe Autobauer des Goggomobils sich verrechnet hat und pleite gegangen ist, kann man doch nicht das Automobil an sich dafür verantwortlich machen und für tot erklären.

  6. Zitat: „Er hat drei Jahre lang einen der härtesten Jobs der Welt ausgeübt und mehr für den Bitcoin gegeben als jeder andere. Er hat Mt. Gox, diese unglaubliche Firma, durch eine Zeit geführt, die als stürmisch zu bezeichnen eine Untertreibung wäre.“

    Lieber Christoph, eine interessante Perspektive. Wenn man sich folgender Tatsache nicht bewusst ist.
    Die wichtigste Eigenschaft eines Managers ist es, zu erkennen und es zu schaffen von einem langsamer werdenden Zug auf einen schneller werdenden zu springen. Also möglichst immer die aufstrebender Firma zu finden und sie zu erobern.
    Die einfachere Aufgabe ist es diese ordentlich zu verwalten.
    Ersteres hat Mark Karpeles geschafft, zweiteres aber nicht.
    Daran erkennt man den unterschied zwischen einem Bluffer und Schaumschlaeger.
    Die einen erkennen die stärken des Unternehmens und die zukünftigen Chancen die der Markt bietet und FUEHREN ein Unternehmen.
    Die Versager scheitern an der simplen Verwaltung eines „Selbstläufers“.

    • Selbstverständlich sind Defizite von MK in der Führung von Mt. Gox unübersehbar. Aber keiner kennt die genauen Hintergründe, und ich würde Mt. Gox auch weniger als Selbstläufer, der verwaltet wurde, bezeichnen, sondern eher als Bombe, die zu balancieren ist, während sie wächst … bildlich gesprochen

  7. Christoph, Du liest eindeutig zu viel Stefan Zweig. Warum sparst Du Dir die Verbreitung solch euphemistischen „Nach“ruhms nicht auf, bis mehr Licht in der Angelegenheit ist. Ich persönlich würde eher dazu neigen zu schreiben, keiner hätte dem Bitcoin mehr geschadet als M.K. Er mag zu seiner schnelleren Verbreitung beigetragen haben, da kann man sich aber gleich darüber streiten, wie gesund so etwas angesichts der offensichtlichen Blasenbildung ist, bei der die daran verdienenden Plattformen aus den Nähten platzen, weil sie dem Wachstum, der Herausforderung – und: ja, auch der Versuchung – nicht standhalten.

    • Stefan Zweig habe ich schon lange nicht mehr gelesen, und eigentlich niemals besonders viel 🙂
      Ich möchte mit dem Artikel lediglich eine andere Perspektive anbieten, die es sich nicht so einfach macht, das Scheitern von Mt. Gox auf die Unzulänglichkeiten einer Person zurückzuführen. Kann sein, dass diese falsch und unzutreffend ist, und ich denke, jedem ist klar, dass hinter dem ganzen Debakel nicht nur ehrenwerte Absichten stecken.

  8. müssen sich die menschen die dort noch Geld, Bitcoin und/oder noch nicht prozessierte Abbuchungen liegen haben jetzt von selbst melden, oder läuft das ähnlich wie in Deutschland – das bekannte Gläubiger angeschrieben werden. Soweit ich das Verstanden habe unterscheiden sich die Insolvenzen nicht stark von der Deutschen, daas man hier wie Dort aber seinen Ansprch anmelden muss.
    Wo könnte ich nähere Angaben zu Gericht und Aktenzeichen bekommen.
    Überblick über Japan Bankruptcy (insbesonder der medial zitierte Part Liquidation under the Bankruptcy Code (Hasan) )
    http://www.jurists.co.jp/en/topics/others_4007.html

  9. Werner Müller // 1. März 2014 um 20:03 // Antworten

    Unbewusst haben Sie recht, Herr Bergmann, das Scheitern von Mt. Gox ist nicht auf eine Person zurückzuführen , sondern auf das System Bitcoin. Das kann nicht funktionieren und wird nie funktionieren. Und natürlich ist Herr Irgendwas ein Verbrecher, der viele Menschen um ihr Erspartes betrogen hat und dafür ins Gefängnis muß. Dummheit schützt vor Strafe nicht.

    • Heinz Schumacher // 2. März 2014 um 14:04 // Antworten

      Was für ein Quatsch… Haben Sie Sich schon einmal mit dem Fiat-Money Betrugssystem auseinander gesetzt? Nein ganz sicher nicht – sonst würden Sie so etwas nicht schreiben. Schon alleine die Tatsache, das man Bitcoins nicht beliebig vervielfältigen kann macht den Betrug mit dem Zisnsystem unmöglich. Im Fiat Money-System gehen durchschnittlich 50% des Bruttosozialproduktes leistungslos an Menschen, die mit der verkauften Leistung nichts zu tun haben. Alleine diese Tatsache werden die Menschen lieben, wenn sie sie einmal begriffen haben. Die Umverteilung von fleißig nach reich hat damit ein Ende. Das man mit Bitcoin heute durch Spekulation noch Gewinne machen kann, wird dann aufhören wenn Bitcoin von allen für die reale Wirtschaft genutzt wird. Einen technischen Grund warum Bitcoin nicht funktionieren sollte sehe ich nicht und das er nicht regulierbar ist ist ein weiterer Vorteil, den viele heute noch unterschätzen. Bitcoin ist gutes Geld für gute Arbeit.

    • Oh, was für ein differenzierte, fachlich qualifizierte und belegte Aussage….

      Danke dass Sie uns die Augen geöffnet haben.

  10. Heinz Schumacher // 2. März 2014 um 11:55 // Antworten

    Wenn ich wüsste wie, dann würde ich den Verlust von MTGox ungeschehen machen aber mal ganz ehrlich, wer hier viel Geld verloren hat gehört zu den Hütchenspielern, die versuchen leistungslos anderen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Jedem sollte das Risiko für den Totalverlust bekannt gewesen sein.
    Das das dem Bitcoin ansich geschadte haben soll sieht man ja… Spätestens in einer Woche weiß keiner mehr wer MtGox war – es ist Geschichte.

  11. Danke für diesen Artikel. Schön, das mal von dieser Seite beleuchtet zu bekommen. Die Meisten, die sehr sauer sind, sind Diejenigen, die Geld dabei verloren haben. Aber die sind ja auch irgendwie befangen und nicht neutral…

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