Warum Banken der neue Markt für BitPay sind und was das für die Bitcoin-Wirtschaft bedeutet

BitPay, der Platzhirsch unter den Bitcoin-Zahlungsdienstleistern, hat ein Problem – und vielleicht auch eine Lösung. Das Unternehmen gewinnt zwar ständig neue Händler, die Bitcoins akzeptieren, doch die Akzeptanz unter den Konsumenten lässt zu wünschen übrig. Daher sucht BitPay nach neuen Märkten – und hat die Banken entdeckt.

BitPay überarbeitet derzeit sein Geschäftsmodell. In gewisser Hinsicht waren die vergangenen Jahre ein strahlender Erfolg, da BitPay 30 Millionen Dollar Investmentkapital eingesammelt hat und mehr als 60.000 Händler dazu gebracht hat, Bitcoins zu akzeptieren. Tatsächlich aber wird weiterhin viel zu wenig mit Bitcoin bezahlt. Der Geschäftsführer Stephen Pair brachte die Misere gegenüber dem Business Insider auf den Punkt: “Wir bedienen ständig neue Händler, aber es bezahlt der selbe Pool von Bitcoin Early Adopter.”

Während die Händler begeistert sind vom Bitcoin als ein schnelles, günstiges und betrugssicheres Zahlungssystem, hinkt die Akzeptanz unter den Konsumenten meilenweit hinterher. Die große Masse bleibt spektisch. Wie sollte sie auch anders? Man hat für den Alltag so viele Zahlungsmittel – EC, Bargeld, Kreditkarte, PayPal – die allesamt recht anständig funktionieren. Es hat bereits Jahre gedauert, bis die Menschen aufgehört haben, zu sagen “Die Brezel hat 50 cent, also eine Markt gekostet”. Wie sollten sie da innerhalb von ein, zwei Jahren auf eine neue Währung aufsteigen, die komplett anders ist? Die zwar rein digital ist, aber auf eine verkniffelte und schwer verstehbare Weise so echt wie eine reale Münze und – ogottogottogott! – auf acht Nachkommastellen teilbar ist? Warum sollten Leute, denen es sowieso ständig an Zeit und Geld mangelt, sich damit beschäftigen, welche Wallets zu benutzen sind, wie man Bitcoins kalt oder heiß speichert, was eine Adresse und eine Blockchain ist – nur um dafür ein Zahlungsmittel zu bekommen, das man erstens erst kaufen muss, man zweitens verlieren kann und mit dem man drittens kaum wo bezahlen kann? Nur um seine Privatsphäre zu wahren und ein digitales Geld zu haben, das man wirklich hat?

Die Masse ist langsam und träge. Die deutsche Presse prügelt dem deutschen Sparer seit bald zwei Jahren ein, dass er Aktien kaufen soll, und doch lässt der deutsche Sparer sein Geld auf dem Bankkonto, selbst wenn es dafür keine Zinsen mehr gibt. Damit sich die LED, eine überlegene Technik der Lichterzeugung, auf breiter Front durchsetzt, musste die EU erst Glühbirnen verbieten. Und so weiter. Die Masse ist eben nicht technikgeil, sondern gewohnheitsgeil. Sie will sich nicht mit den Dingen beschäftigen, sondern sie will, dass die Dinge funktionieren und einen in Ruhe lassen.

Für den Bitcoin an sich ist das nicht das geringste Problem. Satoshi Nakamoto hat ihn so geschrieben, dass er praktisch unverwüstbar ist und sein großer Zyklos erst im Jahr 2141 endet. Beim Bitcoin geht es nicht um Jahre. Es geht um Jahrzehnte. Er braucht keine Akzeptanz in der Masse, um eine Währung zu sein, die langfristig wertbeständig ist. Es muss nur da bleiben und seine Nischen abdecken.

Für BitPay – und alle anderen Bitcoin-Zahlungsdienstleister – ist die schleppende Akzeptanz bei der Masse dagegen ein großes Problem. Die Firma verdient ihr Geld damit, dass die Händler je Transaktion etwa 1 Prozent Gebühr bezahlen. Wenn aber die Anzahl der Transaktionen konstant bleibt, bleibt auch der Umsatz konstant. In einem ausführlichen und lesenswerten Kommentar zitiert Tim Swanson aus einem Video, in dem der ehemalige Europa-Direktor von BitPay erklärt, dass die Firma Mitarbeiter entlasse, weil die “Burn Rate” zu hoch sei und man ein wenig “zurück scalen” müsse. BitPay verbrennt das Investoren-Geld und macht viel zu wenig Umsatz.

Nun habe man aber, zum Glück, einen neuen Markt gefunden: die Banken. Pair erklärt dem Business Insider, dass man in der Branche realisiert habe, dass Bitcoin zwar eine unglaubliche Technologie sei, aber es noch lange brauche, damit sie reife und abhebe. Er schätzt, dass es noch rund 5 Jahre dauert, bis Bitcoin von breiten Schichten als Zahlungsmittel genutzt wird. Daher habe man den Fokus darauf verlegt, die Konsumenten anstatt die Händler für den Bitcoin zu begeistern. Das Unternehmen hat verschiedene Tools für die Infrastruktur gebaut. Tim Swanson zählt auf: ChainDB, eine Peer-to-Peer-Datenbank, Copay, eine Multisig-Wallet, Bitcore, ein Supernode mit API und Foxtrot, ein Blockchain-basiertes P2P-Routing-System.

Während dieser Entwicklung von Tools sei man, so Pair, auf einen neuen Markt gestoßen: die Großbanken. “Sie sind sehr begeistert. Wir haben begonnen, unsere Tools zu entwickeln, weil wir sie brauchen, um unser eigenes Accounting-System zu sichern. Wie sich herausgestellt hat, ist das dasselbe Problem, vor dem Banken stehen.” Die Blockchain kann Transaktionen zwischen Banken sehr viel schneller und sicherer machen. “Wir reden mit einigen Banken,” sagt Pair, “Sie meinen es sehr ernst und wollen Pilotprojekte starten.”

Eine überraschende Entwicklung. Man kann nur hoffen, dass sie BitPay hilft, ihr Geschäft aufrecht zu halten. Denn ohne jeden Zweifel gibt es keine Firma auf der Welt, die so viel dafür getan hat, dass man den Bitcoin als Zahlungsmittel benutzen kann. Und ohne Zweifel werden, zumindest für Online-Shops, Zahlungsdienstleister wie BitPay gebraucht.

About Rudi Seifert (35 Articles)
Ist seit mehreren Jahren ein Bitcoin-Fan. Der Student hat das Mining mittlerweile zwar an den Nagel gehängt, aber seit einigen Monaten dafür die Feder in die Hand genommen. Für unser Magazin schreibt er meistens über aktuelle News.

2 Comments on Warum Banken der neue Markt für BitPay sind und was das für die Bitcoin-Wirtschaft bedeutet

  1. Serpens66 // 18. June 2015 at 18:41 // Reply

    Wenn die Händler Teile ihrer Einsparungen an den Kunden weitergeben würden, würden sich sicher mehr Leute damit beschäftigen, um Geld beim Einkaufen zu sparen…
    Aber wenn es Sparmöglichkeiten gibt und es teilweise sogar teurer wird mit bitcoins zu bezahlen, braucht man sich nicht wundern.

    Ich selbst zahle natürlich auch wo es geht mit bitcoins, allerdings nicht, wenn es dadurch teurer werden würde.

  2. Die direkten Einsparungsmöglichkeiten sind für unser Online-Handelsunternehmen sehr gering. Z.B. zahlen wir für Paypal 1,2 % bzw. 1% für Zahlungen aus und nach Deutschland. Die Prozesse für Paypal sind seit Jahren etabliert und funktionieren, ohne dass wir dafür etwas investieren müssten. Die Akzeptanz und das Vertrauen unserer Kunden in Paypal ist sehr hoch. Trotzdem werden wir bald in mehreren Ländern einen größeren Versuch mit Bitcoin starten, denn er hat ein paar zusätzliche Vorteile (z.B. bei Zahlungen über Landesgrenzen hinweg und weniger Betrugsmöglichkeiten). Wir überlegen auch, ob wir, um die Bitcoin-Entwicklung zufördern für Zahlungen mit Bitcoin einen Zusatzrabatt geben werden, aber das ist dann keine Ersparnis, die wir an Bitcoin-User weitergeben, sondern eine Unterstützung für ein in unseren Augen sehr interessantes Projekt.
    Wir sind mit unserem Flash-Sale-Portal in mehreren europäischen Ländern aktiv und haben Europaweit mehrer Millionen Abonnenten für unseren täglichen Newsletter.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s