Niederlande, Schweden, Ukraine, Großbritannien: Governance 3.0 dank Blockchain

Es wäre so schön in Schwedens Wälder, wenn nicht alles voll von Mücken wäre. Bild von Christian Theede Christianson via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Ein Campus in den Niederlanden, das Grundbuch in Schweden, die Sozialleistungen in Großbritannien, staatliche Versteigerungen in der Ukraine: Die Regierungen erkennen mehr und mehr, was die Blockchain der Staatsverwaltung bieten kann.

Es ist nicht ganz frei von Ironie, dass es vor allem die Banken und Staaten sind, die nun beginnen, die Technologie hinter dem Bitcoin anzuwenden. Während der Bitcoin als Anarcho-Goldstandard eher der Nachtmahr der Staaten und Banken ist, scheint die Blockchain für eben diese Institutionen eine Menge Potenzial zu bieten. Einige Meldunge aus den vergangenen Wochen zeigen, was einige europäischen Regierungen mit der Blockchain vorhaben.

Niederlande: Der frühere Minister und Staatssekretär der Finanzen, Willem Vermeend, hat kürzlich angekündigt, dass im September ein Spezial-Campus eröffnet wird, in welchem Banken und Finanzunternehmen gemeinsam an der Blockchain-Technologie arbeiten können. Vermeend, der als treibende Kraft hinter dem Campus gilt, verriet allerdings nicht, wo dieser eröffnet wird. Laut dem „Fintech Ambassador“ des niederländischen Finanzministeriums stellt das Fehlen einer zentralen Institution einen der großen Hemmschuhe in der Entwicklung von Blockchain-Anwendungen dar: „Es gibt eine Menge Kreativität in den Niederlanden. Das Problem ist, dass ich mit etwa zwanzig Parteien gesprochen habe, von denen keine weiß, was die andere macht.“ Das niederländische Finanzministerium geht davon aus, dass die Blockchain in den kommenden Jahren einen großen Einfluss auf die Finanzbranche nehmen wird.

Schweden: Schweden ist wie ein großer, von Kiefern und Birken bewachsener Sumpf, der bis über den Polarkreis reicht und wo alles einen komischen Namen hat. So ist „Lantmäteriet“ der Name einer Behörde, die für Vermessung und Kartographie verantwortlich ist und auch das Grundbuch führt. Wie nun Chromaway, eine Stockholmer Colored-Coins-Firma, auf ihrem Blog bekannt gibt, hat das Landmäteriet gemeinsam mit Chromaway und den Beratern von Kairos Future getestet, ob und wie man Grundstücksübertragungen auf der Blockchain abbilden kann. Die ersten Tests haben zu sehr zufriedenstellenden Ergebnissen geführt und ein Whitepaper sowie ein Proof-of-Concept hervorgebracht. Im nächsten Schritt werden die beteiligte Akteure eine Testumgebung einrichten und mit Immobiliengesellschaften und Banken zusammenarbeiten. Das mittelfristige Ziel ist es aber wohl nicht, Papier im Grundbuch zu ersetzen, sondern die Prozesse zu beschleunigen und zu verbessern.

Großbritannien: Um innovativ zu sein, muss manch ein deutscher Energieversorger ins Ausland gehen. Die britische Filiale von RWE arbeitet gemeinsam mit der Bank Barclays, dem Startup GovCoin, dem University College London sowie dem Ministerium für Arbeit und Rente daran, staatliche Sozialleistungen über die Blockchain auszuzahlen. Wie Coindesk berichtet, hat David Freur, ein Urenkel Sigmund Freuds und Minister für die Reform des Wohlfahrtsstaates, dies vor kurzem in einem Interview bekanntgegeben. Laut Freur habe man einen kleinen Test im Nordwesten gestartet, um zu sehen, ob es möglich ist und ob die Empfänger vom Einsatz der Blockchain profitieren können. Über das Ergebnis sagt er leider nichts.

Ukraine: Wenn die Medien über die Ukraine berichten, geht es meistens darum, dass Russland eine Stück Land im Osten besetzt hat (oder auch nicht), dass die Wirtschaft darniederliegt und die Korruption überhand nimmt. Gegen letzteres plant der Finanzminister, Oleksandr Danyljuk, auf eine Weise vorzugehen, die für viele außerhalb des Landes überraschend innovativ daherkommt: durch eine Blockchain. Um künftig Korruption bei der Versteigerung von Regierungsbesitzt zu verhindern, soll die auf der Blockchain von Stellar basierende Auktions-Plattform von Distributed Lab, einem ukrainischen Blockchain-Startup, verwenden werden. Das System „eliminiert“ (Danyljuk) die Möglichkeit, dass (korrupte) Regierungsbeamte in den Prozess des Bietens eingreifen und diesen manipulieren. Im Gegensatz zu Schweden und Großbritannien steht das Projekt in der Ukraine wohl schon kurz vor dem echten Einsatz: Ein Fonds, der 18 Milliarden Dollar an Regierungsbesitz vesteigert, soll die Plattform demnächst benutzen.

Über Christoph Bergmann (1522 Beiträge)
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