Bitcoin verbraucht mehr Strom als 159 Länder – wirklich?

Die Innere Mongolei. In dieser chinesischen Provinz befindet sich irgendwo die größte Bitcoin-Mine der Welt. Bild von Neil Young via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Eine Webseite schätzt den Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks – und prompt heißt es, Bitcoin verbrenne mehr Strom als 159 Länder dieser Welt. Was ist dran?

Die Schlagzeile ist natürlich ein Selbstläufer: Bitcoin “frisst” mehr Strom als 159 Länder. Mit fast 30 Terawatt ist der Energiebedarf der dezentralen Währung etwa so hoch wie der der Slowakei und nur noch ein Stückchen tiefer als von Dänemark. Das ist natürlich nicht ganz optimal und macht Bitcoin zum Klimakiller Nummer eins unter den Zahlungssystemen.

Was ist dran an diesen Meldungen? Sie berufen sich auf eine “Studie” des britischen Strom-Vergleichsportals Power Compare. Dieses hat jedoch lediglich eine Schätzung des Crypto-Nachrichtenportals Digiconomist übernommen und durch Infografiken illustriert. Digiconomist führt einen “Bitcoin Energy Consumption Index“, der den Hunger von Bitcoin nach Strom in einem Chart wiedergibt. Derzeit steht der Index bei rund 30 Terawatt, was ungefähr so viel ist, wie der Staat Oman verbraucht und Bitcoin im Stromverbrauchs-Ranking der Staaten auf Rang 65 setzen würde.

Einen kritischen Blick auf die Methodik des Digiconomisten findet man leider in keinem Artikel. Wie kommt das Portal also auf diesen Wert?

“Auch wenn man leicht die absolute Hashrate des Netzwerks kalkulieren kann, ist es unmöglich, zu sagen, was dies für den Energieverbrauch bedeutet,” erklärt Digiconomist. Das Problem ist, dass verschiedene Mining-Maschinen einen verschieden hohen Stromverbrauch haben. Um den gesamten Stromkonsum von Bitcoin zu bestimmen, hat man daher in der Vergangenheit geschätzt, welche Maschinen in welchem Verhältnis im Netzwerk verteilt sind. Aufgrund eines Berichts über die größte Bitcoin-Mine der Welt, die von Bitmain in der Inneren Mongolei aufgestellt wurde, kommt Digiconomist aber zu dem Schluss, dass solche Schätzungen wichtige Faktoren vernachlässigen, wie etwa die Kühlung, weshalb die bisherigen Ergebnisse ungenau waren.

“Der Bitcoin Energy Consumption Index schlägt daher vor, das Problem auf den Kopf zu stellen, und den Energieverbrauch aus ökonomischer Sicht zu ermitteln.” Und zwar nimmt Digiconomist an, dass es eine Beziehung zwischen Einkommen und Kosten der Miner gibt. “Da Stromkosten ein wesentlicher Teil der Ausgaben der Miner sind, ist es logisch, dass der absolute Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks in Beziehung zu den Einnahmen der Miner steht.” Der Index nimmt also die Einnahmen der Miner zum aktuelle Marktpreis, schätzt, wie viel sie davon für Strom ausgeben (60 Prozent) und wie viel sie für den Strom bezahlen (5 cent), und ermittelt so, wie viel Strom Bitcoin verbrauchen dürfte.

Die Rechnung geht irgendwie so: Man nimmt die Belohnung je Block (12,5 Bitcoin + Gebühren), multipliziert sie mal 144 (so viele Blöcke werden am Tag etwa gefunden), und das wieder mit dem aktuellen Marktpreis (9.500 Dollar). Das rechnet man dann auf ein Jahr hoch, um zu erfahren, was die Miner im Jahr verdienen, nimmt davon 60 Prozent, was die jährlichen Stromausgaben sein können, und verrechnet das mit einem Strompreis von 5 cent je Kilowattstunden.

Das Ergebnis ist bekannt: 30 Terawatt-Stunden im Jahr, oder soviel wie Oman oder die Slowakei. Dieser Wert dürfte, ganz grob geschätzt, nicht unplausibel sein. Aber es gibt einige Gründe, ihn zumindest zu relativieren.

  • Erstens scheint der Ausgangswert zu hoch zu sein. Digiconomist geht von Stromkosten von 0,284 Watt je Gigahash aus. Der aktuelle Antminer, S9, benötigt hingegen nur knapp ein Drittel, nämlich etwa 0,088 Watt je Gigahash. Selbst der Vor-Vorgänger, der S7, hatte einen geringeren Verbrauch als 0,284 Watt je Gigahash. Man kann annehmen, dass die “Nebenenergiekosten” etwas zu hoch angesetzt sind.
  • Zweitens scheint auch ein Wert von 60 Prozent für Stromausgaben etwas zu hoch zu sein. Schauen wir uns mal zum Beispiel den Antminer S9 an. Er kostet 1.415 Dollar und verbraucht etwa 1,2 Kilowatt. Wenn man wie der Digiconomist nun von einem Strompreis von 5 cent je Kilowattstunde ausgeht, kostet der Betrieb des S9 7 cent je Stunde oder 613 Dollar im Jahr. Das Gerät muss also mehr als 2 Jahre laufen, damit die Stromkosten die angepeilten 60 Prozent des Gesamtkosten ausmachen.
  • Drittens geht der Digiconomist vom aktuellen Preis aus, und nimmt an, dass dieser sofort in Hashrate beim gegenwärtigen Stand der Technik umgesetzt wird. Tatsächlich aber hinkt die Nachrüstung der Miner in diesem wilden Jahr beinah permanent dem Steigen des Preises hinterher. Und selbst wenn sie hinterherkommt, geht der Aufbau der Hashrate meist mit einem technischen Upgrade hin zu effizienteren Minern einher. Anders gesagt: Wenn die Miner die derzeitigen Einnahmen des Netzwerks in Hardware investiert haben werden, wird sich die Rate von Gigahash je Watt weiter verbessert haben.

Ein interessantes Fallbeispiel ist die vom Digiconomist selbst beschriebene Mine von Bitmain in der Inneren Mongolei. Sie besteht aus 21.000 Minern, die in acht Gebäuden untergebracht sind. Anfang August, als die Mine von mehreren Medienvertretern besucht wurde, hat sie angeblich knapp 4 Prozent der gesamten Bitcoin-Hashrate erwirtschaftet und 40 Megawatt je Stunde verbraucht. Wenn man das hochrechnet, hatte das Netzwerk zu diesem Zeitpunkt einen Gesamtverbauch von 1.000 Megawatt je Stunde, was einen Jahresverbrauch von etwa 8,7 Terawatt ergeben würde. Dem Index zufolge hätte sich also der Stromverbrauch seit Anfang August mehr als verdreifacht (während sich die Hashrate selbst nicht mal ganz verdoppelt hat).

Der Bitcoin Energy Consumption Index ist nicht in der Lage, Konsistenz zu seinem eigenen Fallbeispiel zu wahren. Dies zeigt, dass man die Ergebnisse mit Vorsicht genießen muss. Ebenso gut wie 30 Terahash könnte das Netzwerk einen Verbrauch von 10 Terawatt haben – aber auch von 40 Terawatt. Eines ist aber klar – wir haben eine Größenordnung. Im günstigsten Fall verbraucht Bitcoin “nur” soviel Energie wie ein Land wie Uruguay (Rang 90), im schlimmsten kommt die Kryptowährung auf Stromkosten vom Format eines Staates wie Neuseeland (Rang 55).

Das klingt dramatisch, und ist es auch zu einem gewissen Grad. Allerdings relativiert sich dies, wenn man sich klarmacht, dass es vermutlich eher die großen Industrienationen sein werden, die überschüssige Energie ins Mining investieren. Man könnte etwa sagen, dass China nur 0,5 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs ins Mining stecken muss, um das komplette Bitcoin-Netzwerk mit Strom zu versorgen, oder 0,7 Prozent des US-Verbrauchs.

Darüber hinaus regt die Statistik des Digiconomist zu einem viel interessanteren Gedankengang an als die reine Empörung: Wenn die durchschnittlichen Stromkosten des Bitcoin-Minings etwa 5 cent betragen, und wenn die Miner 30 Terawatt im Jahr verheizen – dann bedeutet dass, das es auf der Welt 30 Terawatt überschüssigen Strom gibt, der es nicht schafft, mehr als 5 cent je Kilowattstunde zu erwirtschaften. Die Hashrate von Bitcoin wird, so gesehen, zu einem Indikator dafür, wie lukrativ Strom ansonsten verwendet wird.

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54 Comments on Bitcoin verbraucht mehr Strom als 159 Länder – wirklich?

  1. Hier(tm) z. B. wird mit Energie aus 100 % lokaler Wasserkraft gearbeitet. Da ist es, ökologisch betrachtet, relativ egal, wie viel Energie dafür “verschwendet” wird. Auch Umstände dieser Art sind im ursprünglichen Artikel vernachlässigt worden.

  2. Oder man geht davon aus, daß der Großteil der Miner die aktuell effektivsten sind, dann kommt man auf ca. 900MW…

  3. Letztlich muss man sich auch vor Augen führen, was für Mengen Energie durch die “herkömmlichen” Transfers via Fiat verbraucht wird und welche Mengen (und Rohstoffe) bei der Erzeugung des Fiatgeldes gefressen werden. Da dürfte der Bitcoinverbrauch in keinem Verhältnis (weil nur ein Bruchteil) zu stehen.

  4. Wie viel Energie verbraucht eigentlich die Eisenerz und Stahlindustrie …oder Kohleförderung ? Wie viel Strom verbraucht das Internet und bsp.weise Amazon oder Google?
    Alles nur Effekthascherei.
    Ein sinnvoller und nachhaltiger Umgang sollte immer das Ziel sein. Wie viel Strom könnte man ökologischer und z.b. in 3. Weltländern produzieren ?

  5. Wie neu und ich dachte die Banken brauchen für die Fiat Währungen keinen Strom.
    Allein das Personal bei den Banken … kostet wohl auch nichts – oder?
    Bin zwar kein großer Fan von BTC – aber Blockchain und Tangle, daran sollten sich die Banken langsam gewöhnen – das ist die Zukunft – da fährt der Zug.

  6. Spannendes Thema. Ich hoffe, es kommen bald noch schöne Vergleiche, die den Verbrauch oder die Umweltverschmutzung diverser Industriebereiche, Förderung, Städte (Las Vegas), Länder (USA) aufzeigen. Ich habe selbst schon vor einiger Zeit diesbezüglich recherchiert, bin aber nur schwer bis gar nicht fündig geworden.

    Ich finde auch die echten Goldminen fragwürdig, da hierbei ebenfalls Unmengen an Energie (nicht nur Strom) und Wasser verbraucht werden. Von den dadurch verunreinigten Flüssen und anderen katastrophalen Umweltverschmutzungen und -zertörungen mal abgesehen. Ein Vergleich zu Diamanten wären auch interessant, man denke an Blutdiamanten, mit denen Kriege finanziert werden. Und hier in Europa freuen sich die Frauen mehr über Gold- oder Diamantschmuck, als über eine Paper Wallet. 😉

  7. Man sollte bei solchen Rechnungen aber auch bedenken, dass die Herstellung von einem Miner auch Rohstoffe und Strom benötigt.

  8. Ja, spannendes Thema, doch machen sich viele einen Kopf um Dinge, die schon von Anfang an geklärt sind. Energieerhaltungssatz, die Menge an Energie im Universum bleibt immer konstant. Sie kann unterschiedliche Formen annehmen wie kinetische energie etc, und kann auch Masse werden (e=mc²), aber kann nie zerstört werden. Also, wo ist das Problem? 🙂

    • Da gibt es mehrere. Ganz wesentlich ist, daß es nicht nur den ersten, sondern auch den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik gibt. Dieser ist viel wichtiger. Der besagt nämlich, daß man jede Energie in Wärme, aber nicht wieder zurück in höherwertige Energie umwandeln kann.

      Die Idee, Energie in Masse zu verwandeln, finde ich übrigens sehr interessant. So weit mir bekannt ist, geht das nur theoretisch. Aber gibt es dafür irgendein Beispiel aus der Praxis? Vielleicht geht es ja doch nicht. Aber falls schon, dann dürfte digitales Gold in Zukunft ganz anders aussehen.
      乱馬

      • Name required // 28. November 2017 at 15:42 //

        Vielleicht sollte man die Regeln der Thermodynamik bald umschreiben und einen neuen Satz hinzufügen:

        Energie wird in Kapital umgewandelt. Und zwar nicht in Papier, sondern in virtuelles Gut.
        So gesehen könnte der Bitcoin (auch) die Physik revolutionieren …

  9. Wenn alle sterne erloschen sind und diese Energie als kaum mehr messbare IR-Hintergrundstrahlung im Raum umherirrt nützt sie einem nicht mehr. 0 K° ist ziemlich kalt.
    Dann kann einen nur noch eine neue Singularität retten.

    Bzgl. Cryptowährungen ists mir egal welche Staaten da von den Coins übertrumpft werden, der Verbrauch ist gigantisch und unvorstellbar. Strom wird zum Großteil nach bedarf produziert, überschüssig ist da nix.

    Eine Suche nach alternativen Lösungen ist daher m.E. sehr wichtig. Ethereum geht da mit einem guten Beispiel vorran.
    Man darf gespannt sein, welche Blockchains sich langfristig durchsetzen. I.d.r. ist einer Bevölkerung ja die einfachste Lösung am liebsten, unabhängig vom Ressourcenverbrauch oder dem Nachteil dritter.

    • Ja, wahrscheinlich wird kein überschüssiger Strom für Bitcoin verwendet, sondern der dafür gekaufte Strom extra produziert. Also treiben Bitcoin-Minen den Strompreis nach oben, so wie sie das bereits mit dem Preis für Graphikkarten gemacht haben. Das wird mir jetzt erst so richtig klar. Falls es in der Bitcoin-Welt wirklich Anhänger von Sozialem und Gerechtem geben sollte, dann dürfen zukünftige Modelle für Rewards Preistreiberei nicht mehr belohnen!
      乱馬

    • Name required // 28. November 2017 at 15:49 // Reply

      Ethereum geht mit gutem Beispiel voran?
      Also ehrlich, wenn dann Coins wie Reddcoin (RDD) (einer der ersten mit PoS/Proof of Stake, als energiesparendem Verfahren –> https://en.wikipedia.org/wiki/Proof-of-stake ) oder Stratis (STRAT) als PoS-Coin der neueren Genereation.

      Ethereum will doch nur auf den PoS-Zug aufspringen und hat dabei noch Probleme mit der durch Smart Contracts völlig aufgeblasenen und total ineffizienten Blockchain.

      • RDD und STRAT gehören warscheinlich zu den Coins, die gleich mit PoS losgelegt haben.

        Bitcoin müsste als Milliardenschwere Blockchain einen Umstieg riskieren. Genau das hat man bei Ethereum vor – neben zahlreichen weiteren eingeplanten Skalierungstechniken.

        Bei Bitcoin sehen ich dahingehend leider keinerlei Ambitionen, bzw. auch keine Chance für überhaupt irgendwas sinnvolles einen Konsens zu finden.

        Mit jedem stabilen Kursanstieg steigt auch die Hashleistung und damit der Energeiverbrauch. Es muss ja auch ein höherer Wert abgesichert werden, kann man argumentieren – tatsächlich liegt es einfach daran, dass das Mining bei höheren Kursen attraktiver wird…bis zum nächsten Halving.
        Ein Umstieg auf Alternativen wie PoS oder andere Verfahren wäre daher um so wichtiger.

      • Die Ethereum-Blockchain ist nicht durch Smart Contracts aufgeblasen, sondern sie ist die Blockchain der Smart Contracts. Streng genommen hätte eigentlich alles, was KEIN Smart Contract ist, dort nichts verloren.

        Auf den PoS-Zug aufzuspringen ist für Ethereum allerdings schon seltsam, weil die Ethercoins dafür gedacht sind als Gas für die Smart Contracts ausgegeben zu werden. Andererseits wurde der Fehler seitens der Entwickler bereits gemacht als die dafür gesorgt hatten, daß man auch Ethercoin beliebig lange halten kann, so daß Ether für Spekulanten geeignet ist, die an der Ausführung von Smart Contracts nicht interessiert sind. Das ist deshalb ein Fehler, weil Ethereum kein Klon von Bitcoin sein will, sondern die Blockchain für Smart Contracts.
        乱馬

  10. Was haltet ihr von einem POS System?
    Also nicht Arbeiten, sondern Besitzen (zeitweises einfrieren von Coins oder “Staken”) erzeugt die Netzwerksicherheit und neue Coins.
    So, wie es z.B. bei NAV gelöst ist, und bei ETH geplant ist.

  11. Es gibt schon länger ressourcenschonendere Altcoins, aber der Bitcoin wird ja eh in verschiedenen Bereichen von anderen Coins übertroffen – ohne dass das eine Auswirkung zu haben scheint auf seine Beliebtheit und seinen Wert, er ist halt die Nummer Eins und alles springt auf den Zug (bis die Kursgewinne nachlassen und sich die Spekulanten verabschieden, was noch ein Weilchen dauern kann). Der Wirrwarr unter den Altcoins und die damit verbundene Unsicherheit (und ebenfalls Spekulation) ist halt blöd, aber eigentlich sollte ein anderer Coin Sieger sein. Wird aber vermutlich nicht oder nicht so schnell geschehen.

    Wahnsinn auch, dass eine riesige Mine in der Mongolei steht, wo Sommertemperaturen über 30° C herrschen (siehe Link im Artikel oben). Eigentlich sollte das in einem kalten Land geschehen und dann sollte die Wärme nicht einfach rausgeblasen sondern zum Heizen verwendet werden. Aber auch das sind wohl unerfüllbare Träume. Der freie Markt ist halt nicht umweltfreundlich.

    Selbst wenn wir eines Tages die Sonnenenergie gut ausnutzen können (davon ist genug da), denke ich nicht, dass Energie sparen vollkommen bedeutungslos werden wird. Aber auch bei diesem Zustand sind wir ja noch lange nicht angekommen.

  12. “Stromkosten von 0,284 Watt je Gigahash”
    das ist Quatsch! Wir hatten das hier im Blog schonmal: Energie wird in Joule bzw Wattstunden also Leistung mal Zeit gemessen. Ein Miner mit 1kW Leistung braucht in einer Stünde also 1kWh Energie. Kosten in Watt pro Hash anzugeben, ohne einen Referenzzeitraum, ist also eine sinnlose Aussage.

    • Ich bin kein Experte, aber soweit ich es verstehe, bedeutet watt generell “je Stunde”.

      • Nein. Eine einfache Einheitenrechnung entlarvt eigentlich saemtliche falschen Formulierungen in dem Artikel. Zum Beispiel sind GH/s statt GH gemeint.

      • Genau das ist gemeint. Wenn es rechnerische Fehler wegen Begriffsverwirrungen gibt, her damit!

      • Bitte: mach einfach alle Rechnungen nochmal neu anstatt jetzt einzelne Passagen auf Zuruf zu korrigieren. Selbst wenn ein Affe die Einheiten auswürfeln würde wäre es richtiger.
        Watt = Joule / Sekunde
        Leistung = Energie / Zeit
        Wattstunde = Watt*Stunde = 3600 Joule
        Verbrauch kann man je nach Einheit als Leistung oder mit Bezugszeitraum als Energiemenge angeben.

    • pebwindkraft // 28. November 2017 at 23:27 // Reply

      Mamamia, mit dem Satz meinst Du hoffentlich nich Christoph 🙂 Also, ja, der erste richtige Einwand, um diese Effekt Hascherei mal mit richtigen Zahlen zu untermauern. Sonst bleibt es wie immer: wer misst, misst Mist.
      Ein Antminer S9 braucht also 1,2kW Leistung, macht also 1,2 KiloWattStunden. Kompliziert wird es, weil er angegeben wird mit 0.1 Joule pro Gigahash. Oder auch mit üblichen 13TH/s, und dann gerne noch 0.098 Watt/GH. Also, alles weglassen, und schauen, was er die Stunde verbraucht (1,2kWh), mit 24 multiplizieren und mit 365 – dann habe ich den Jahresenegerieverbrauch in KWh (so rund zehntausend). Mit dem KWh Preis multipliziert komme ich also auf einen Wert in Euro/Dollar/Pfund was auch immer. Jetzt kann ich also ins Bitcoin Netzwerk gehen, und schauen, welche Leistung da gerade abverlangt wurde. Bei Blockchain.info steht gerade was von 10,445,729,472 GH/s, umgerechnet 10’445’729 TH/s. Teile ich also mal durch die Leistung eines Antminers S9 mit seinen 13 TH/s, und komme auf rund 800’000 Antminer S9. Die verbrauchen im Jahr (1,2KWh mal 24 Stunden mal 365 Tage) so rund 10’000 KWh, und wenn ich davon 800’000 brauche, sind das (10’000 mal 800’000) also 8’000’000’000 KWh, sind also 8’000’000 MWh (Mega Watt Stunden), sind 8’000 TWh (Tera Watt Stunden). Wir liegen also im Terwatt Stunden Bereich, haben aber nicht alle S9, sondern auch andere langsamere, schlechtere, oder inzwischen auch bessere Miner.
      So, wer baut das jetzt in eine Tabellenkalkulation und veröffentlicht das?

      • pebwindkraft // 28. November 2017 at 23:35 //

        oops, letzte Satz unterschlagen: ein Wasserkocher/Fön/Waschmaschinenheizung liegen im selben Leistungsbereich (2kW ist da schon sehr viel). Also statt mal hier das nächste mal Wäsche zu waschen oder Tee zu kochen, oder vielleicht auch mal die langen Haare zu trocknen – lieber zur Abwechslung mal ein Bitcoin minen 🙂

      • pebwindkraft // 28. November 2017 at 23:53 //

        update 2 dazu: 800’000 Bitcoin Miner mit 1,2kW Verbrauch brauchen als auf der anderen Seite der Steckdosen ein Kraftwerk, welches so knapp 1.000 MegaWatt liefern kann. Das ist die Grössenordnung von einem Atomkraftwerk. Oder 500 Windkraftanlagen der 2MegaWatt Klasse. Solar müsst ihr jetzt mal selber ausrechnen. Was sind jetzt also die 30Terawatts aus dem Artikel? 159 Länder? Jahresverbrauch? Die Hashrate von Bitcoin war Anfang des Jahres Faktor 5 (!) kleiner…

  13. Die Meldung vom gewaltigen Stromverbrauch war also ziemlich reißerisch und ich ziemlich naiv, darauf reinzufallen.

    Trotzdem ist der Hinweis auf den Stromverbrauch des Bitcoins mehr als nur Effekthascherei. Es ist nämlich nach wie vor kritikwürdig, daß die Berechnungen für den Proof-of-Work völlig sinnfreie sind. Mit 0,7% des Stromverbrauchs der USA könnte man immerhin auch sinnvolle Berechnungen durchführen. Weil es Alternativen zum Proof-of-Work gibt, die sogar Akzeptanz finden, könnte man den Strom vielleicht sogar für etwas anderes als für Berechnungen verwenden und die Rewards daran koppeln.

    Obwohl heutzutage jedes Gerät zum Sammeln von Daten gemacht ist und die meisten Leute ihre Daten fröhlich als gäbe es kein morgen in alle Richtungen herausschleudern, scheint das Sammeln von ein paar Basisdaten zum Bitcoinnetzwerk ziemlich schwierig zu sein. Es sollte beispielsweise möglich sein, die Minen zum sammeln von ökologischen (Temperaturen usw.) und ökonomischen (vor allem über das verwendete Stromnetz und das verfügbare Internet) Daten zu verwenden und über die Blockchain zu übermitteln. Diese Daten ließen sich dann beispielsweise für genauere Klimamodelle verwenden oder für ein Internet-of-Things auswerten. Ein Internet-of-Things könnte noch viel mehr Daten sammeln. Langsam sehe ich ernsthafte Anwendungsmöglichkeiten eines Internet-of-Things, obwohl es weiterhin keinen Grund gibt, beispielsweise einen Kühlschrank daran anzuschließen, denn was sich darin befindet könnte Leute interessieren, die nicht in meinem Interesse handeln.

    Auch diskussionswürdig wäre die Frage, wieviel das Schürfen von Bitcoin kosten sollte. Oder wieviel elektrischer Strom kosten sollte und welchen Einfluß Bitcoin darauf hat. Neuere Modelle für Rewards könnten berücksichtigen welchen Einfluß eine Mine auf die Stabilität des Stromnetzes, auf den Strompreis und auf die Umgebungstemperatur hat.
    乱馬

    • Die Alternative, die fast 100% der Berechnungen für sinnvollere Dinge wie Forschung in Sachen Krebs, Aids, Zika, Ebola, oder generell der Forschung dient, gibt es schon seit Jahren: Gridcoin
      Christoph hat früher schon mal darüber berichtet.

      • Ja, einmal. Gridcoin ist ein gutes Konzept schlecht umgesetzt. Wieso zählt Gridcoin nicht zu den Altcoins über die es ständig etwas zu berichten gibt? Wieso ist Gridcoin eher unbekannt statt immer vorn dabei? Aber sogar wenn es eine gute Umsetzung des Konzeptes gäbe, dann wäre es trotzdem nicht damit getan, daß es das gäbe. Die anderen Blockchains hätten immernoch einen großen Anteil am Markt und für die würde weiterhin sinnlos Strom in Wärme verwandelt. Die Verschwendung würde also nur etwas verringert. Es ist nicht nur eine Verschwendung von Energie, sondern die Verschwendung von Computerpower, die für die Wissenschaft verwendet werden könnte, ist mindestens genauso tragisch.
        乱馬

  14. Potatoehead // 28. November 2017 at 8:57 // Reply

    Hallo,

    im drittletzten Absatz wird von Terahash gesprochen:

    “Ebenso gut wie 30 Terahash könnte das Netzwerk einen Verbrauch von 10 Terahash haben – aber auch von 40 Terahash.”

    Hashes werden ja nicht verbraucht sondern erzeugt. Es geht doch aber eigentlich um Energie, richtig? Müssten es nicht Terawatt sein? So wie im letzten Absatz? Mal abgesehen, dass die Hashleistung des Netzwerks ja relativ genau gemessen werden kann.

  15. Zum Artikel: “Bis zu 3,79 Millionen Bitcoins sind unwiderbringlich verloren. Sagt zumindest eine Untersuchung.”

    Ob die Bitcoin verloren sind ist nicht ganz sicher. Sicher ist jedoch, dass der Artikel verloren ist. –> 404.

    • Hallo, seltsam, ich kann den Fehler nicht reproduzieren. Welchen Browser benutzen Sie?

      • Ich hatte einmal den Effekt, dass der Artikel mit 10(?) Interviews für/gegen Segwit2x in unfertiger Form in meinem RSS-Reader auftauchte. Die Interviews waren einfach Untereinander und ohne weiteren Kontext aufgeführt – am Ende ein “Wegwerf-Interview”.

        Stunden später war der Link im RSS-Reader dann ungültig (404) und ein Refresh brachten den Finale Artikel zutage.
        Vielleicht war das auch hier der Fall?

      • Ah, nein, bei den Interviews gegen 2x habe ich die Reininterviews gepostet, um auf sie zu verlinken, aber zunächst vergessen, das Tag zu entfernen, das sie auf die Startseite bringt. Vermutlich war der Artikel deswegen im RSS, und danach, als ich das Tag entfernt habe, nicht mehr drin.

        Der Fall hier war anders. Ein Kollege hat gemeint, er wäre im Entwurfsmodus gepostet, was aber zu dem Zeitpunkt bei mir nicht war. Es war ein wenig, als wären die Uhrzeiten zwischen WordPress und verschiedenen Browsern / Betriebssystemen nicht mehr synchron. Eventuell die Matrix 🙂

      • “Edit”: mit Refresh war ein Refresh des RSS-readers gemeint, der dann den alten Link rausgeworfen und den Artikel-Eintrag für den Finalen Link entdeckt hat.

  16. Der selbstkühlende Antminer S9 ist seit fast 18 Monaten der ungeschlagene Primus Inter Pares der SHA-256-Rechenmaschinen und ist für eine KONSERVATIVE Berechnung sicherlich richtig heranzuziehen. Bitmain und Co. setzen diese in grossen Mengen selbst in ihren Miningzentren ein und ich gehe davon aus, dass sie dort noch effizienter arbeiten (gemeinsame Kühlung etc).

    Die Hashrate im BTC-Netzwerk liegt derzeit bei 10 Exahash/s (10 000 000 TH/s), würde also ca 800 000 Stück S9 á 12.5 TH/s entsprechen. Die Leistungsaufnahme eines S9 liegt bei 1370 W, macht ca. 10 000 kWh pro Jahr pro S9 => 8 TWh insgesamt.

    @pebwindkraft ist daher der Antwort am nächsten gekommen, aber auch er hat einen entscheidenden Fehler im letzten Satz gemacht: 8’000’000 MWh (Mega Watt Stunden) sind nur 8 TWh (es sind 8’000 GWh!). Dänemark zum Beispiel vebrauchte laut Wiki ca 33,9 TWh im Jahr 2013, also sind alle Referenzen im Artikel weit gefehlt.

    Der Artikel verwirrt mit der Bezugnahme auf Elektrizitätspreise, welches für diese Rechnung völlig irrelevant ist. Ich glaube auch nicht, dass die Angaben von Bitmain mit ihren 1,9 kW pro Miner (die mit 4% von 7 EH/s im August geteilt durch 21 000 Miner = 13,3 TH/s arbeiten) ganz ehrlich sind, sie würden ja deutlich ineffizienter arbeiten als ich mit meinen S9 im Keller.

    Des Weiteren stimme ich Rudolf E. Steiner völlig zu, der meiste Strom, ob in China, Mongolei oder Island, kommt von nicht genutzten lokalen Kapazitäten von Stromkraftwerken die mit erneuerbaren Energien arbeiten.

    Nichts desto trotz ist PoW auf Basis von Hashberechnungen Murks, aber leider sehe ich es als äusserst unwahrscheinlich, dass das BTC-Netzwerk mit ihren Konsensusregeln dies je ändern werden kann (siehe SegWit x2), daher wird es früher oder später zu einen riskanten Hard Fork führen.

    • danke Dir, da hat wohl zuviel Rotwein einen Faktor 1000 Fehler reingesetzt – ob Christian das wohl noch updaten/ändern kann?

  17. Nochmals ein Hinweis zu den Energieeinheiten – im Text steht ” einen Gesamtverbauch von 1.000 Megawatt je Stunde, was einen Jahresverbrauch von etwa 8,7 Terawatt …”. Korrekt sollte es heissen: “einen Gesamtverbrauch von 1.000 MW, was einem Jahresverbrauch von 8,7 Terawattstunden entspricht”. (Berechnung: 1000 MW mal 8760 Stunden ergibt 8,760 Terawattstunden). (Hinweis: alternativ könnte man auch sagen “Gesamtverbrauch von 1000 Megawattstunden pro Stunde”).

  18. Kann man sich alles schön reden, oder? Ich gehe mal nicht davon aus, dass alle Miner die neueste Technik am Start haben. Auch sind in diesen Berechnungen die Kosten für die nötige Klimatisierung der Technik nicht aufgeführt. Ich China wird der Strom ja auch richtig ökologisch produziert, versteht sich. Leute, hier ist was faul. Hier muss man doch mal ehrlich sein.

  19. By the way, was ist mit den Produktionskosten der benötigten Hardware, der Entsorgung, Infrastrukturkosten…. Also, ich bin kein Hellseher, aber das kann doch nur schiefgehen. Viel Erfolg und erzählt euren Kindern, wie toll ihr zur Zerstörung der Welt beigetragen habt.

  20. und es geht ja noch weiter, die Transaktionen kosten ja auch noch viel Energie …jede Steinzeitwährung ist ökonomischer. Hier wird auf Kosten der Umwelt persönlicher Reichtum geschürft!

    • Ich will jetzt hier BTC nicht verteidigen, aber unser Kapitalismus ist per se schlecht für die Umwelt, das ist keine spezielle Eigenschaft des BTC. Eher ist es ein Anzeichen dafür, dass BTC viel mehr ein Teil des Problems als eine Lösung darstellt.

  21. Zumindest Ethereum sollte eine bessere Möglichkeit haben als Proof-of-Work oder Proof-of-Stake. Wenn man das Abschließen von Smart Contracts für sinnvoll hält, dann sollte man auch deren Ausführung für sinnvoll halten. So wie Gridcoin für manche Wissenschaftsprojekte Rechenleistung zur Verfügung stellt, so könnte Ethereum blockchain-intern Rechenleistung für das Abarbeiten von Smart Contracts verteilen und die Reward an die Zurverfügungstellung dieser Rechenleistung koppeln. Das sollte nicht nur den Energieverbrauch senken, sondern auch die Ethereum-Blockchain insgesamt schneller machen. Das wären dann gleich zwei Gründe, um Ether zu bevorzugen.
    乱馬

  22. Steem wäre auch ein Vorbild, wenn dessen Blockchain nicht fast ausschließlich von Bots genutzt würde.
    乱馬

  23. Warum korrigiert ihr die Einheiten nicht endlich. Der Grundaussage des Artikels wird der Leser nicht zustimmen, wenn der Autor Leistung und Energie nicht auseinander halten kann.

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