600 Bitcoin-Miner in Island gestohlen

So schön, aber leider zapfig-kalt: Sonnenuntergang an Strand in Island. Bild von Giuseppe Milo via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Laut der Polizei ist es der größte Diebstahl, der jemals in dem kleinen Land im Nordatlantik geschah: 600 Bitcoin-Miner im Gegenwert von rund zwei Millionen Dollar wurden gestohlen. Einige Verdächtige wurden bereits verhaftet, wo die Geräte sind, ist aber noch ein Rätsel.

Eine Bande von Dieben hat im Dezember und Januar auf Island 600 Mining-Geräte für Bitcoin und andere Kryptowährungen gestohlen. “Das ist ein Diebstahl in einer Größenordnung, die wir bisher nicht kennen,” zitiert die Presseagentur AP Helgi Kjartansson, den Polizeikommissar der südwestlichen Reykjanesskagi-Halbinsel, auf der der Diebstahl wohl stattfand. “Alles deutet darauf hin, dass das organisierte Verbrechen seine Finger im Spiel hat.”

Die Polizei hat mittlerweile 11 Menschen verhaftet, darunter auch einen Sicherheitsmann eines namentlich nicht erwähnten Datencenters. Für zwei Personen hat ein Richter Untersuchungshaft angeordnet. Wo die Mining-Geräte – die derzeit einen Marktpreis von rund zwei Millionen Dollar haben – sind, ist nicht bekannt. Es wird befürchtet, dass es den Dieben gelingen wird, mit den Minern höhere Erträge als zwei Millionen Dollar zu erzeugen, indem sie diese einfach arbeiten lassen. So müssten sie die Beute nicht verkaufen, und die neu erzeugten Bitcoins wären absolut rein. Um den gestohlenen Minern auf die Spur zu kommen, beobachtet die Polizei landesweit den Verbrauch von Strom. Eine ungewöhnliche Verbrauchsspitze könnte ein Hinweis auf illegales Bitcoin-Mining sein.

Island wurde durch sein großes Angebot an günstiger, nachhaltiger Energie aus vor allem Geothermie, den klimatisch bedingten geringen Lüftungskosten und der guten IT-Infrastruktur zu einem der begehrtesten Standorte fürs Mining. Einem Bericht zufolge haben die Bitcoin-Minen des Landes im vergangenen Jahr mehr Strom verbraucht als die 340.000 isländischen Haushalte, was die in dem Land starke Piratenpartei schon auf die Idee gebracht hat, eine spezielle Steuer für Bitcoin-Miner einzuführen.

Die von dem Diebstahl betroffene Reykjanesskagi-Halbinsel dürfte eine der attraktivsten Regionen für Bitcoin-Miner sein. Sie liegt nahe an der Hauptstadt Reykjavík, ist dank der hohen vulkanischen Aktivität die Heimat mehrerer großer Erdwärme-Kraftwerke und ist für isländische Verhältnisse relativ dicht besiedelt (was bedeutet, dass es immerhin einige Dörfer und Gemeinden gibt).

Dass Bitcoin-Miner gestohlen werden ist kein vollkommen neues Phänomen. Erst im Februar wurden in Malaysia neun Verdächtigte verhaftet, nachdem es mehrere Berichte über insgesamt 153 gestohlene Bitcoin-Miner gab. Immerhin 57 davon konnten mittlerweile gefunden werden. Auch Bitmain hat im vergangenen Jahr im Zuge der AntBleed-Kontroverse erklärt, dass es dann und wann vorkomme, dass Miner gestohlen bzw. vom Service-Provider zurückgehalten werden. Dies sei 2014 in China mit 1.000 Antminern und 2015 mit 2.000 Geräten in Georgien geschehen. 2017 sei es sogar vorgekommen, dass ein kanadisches Rechenzentrum die Miner von Bitmain ohne Zustimmung der Firma verkauft habe.

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5 Comments on 600 Bitcoin-Miner in Island gestohlen

  1. Um an frisch geschürfte Bitcoins zu kommen, muß man doch den Private Key deren Adresse kennen, oder? Was bringt es also, Hardware zu stehlen? Die Minen zu betreiben bedeutet doch nur die Stromrechnung für den Inhaber des Private Keys, also für den rechtmäßigen Eigentümer, zu übernehmen?
    乱馬

    • Sobald ein Dieb im Besitz der Hardware ist, wird er die Auszahlungsadresse / Pool entsprechend ändern, um für sich zu schürfen. In Island ist das auch durchaus profitabel, bei Stromkosten von wenigen Cent / kWh.

    • Die Mining-Geräte haben keine fest einprogrammierten Adressen, sondern man kann sie an jede Adresse minen lassen, die man möchte.

  2. Der Dieb kommt also immerhin nicht an die vorher von der Mine geschürften Coins. Dann hat er noch zu berücksichtigen, daß auf der Bitcoin-Blockchain alles zu hundert Prozent zurückverfolgbar ist. Wenn nach dem Diebstahl eine neue Adresse langsam mit neuen Coins aufgefüllt wird, dann ist diese Adresse verdächtig und niemand will Coins von dort haben.
    乱馬

    • Es wird ja nicht explizit von Bitcoin Minern gesprochen, sondern auch “anderen” Cryptowährungen, was darauf schließen lässt, dass zumindest ein Teil dessen aus GPU Rigs bestanden hat und z.B. für das Mining von Monero komplett anonym und nicht rückverfolgbar einsetzbar ist…

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