Eine Blockchain für faires Gummi

Ernste von Kautschuk an einem Gummibaum in Thailand. Bild von Quinn Comendant via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Goodyear, der weltweit größte Hersteller von Reifen, plant, mithilfe der Blockchain die Lieferkette von Kautschuk transparenter zu machen. Das Projekt passt gut zu der Verantwortung, die das Unternehmen für den nachhaltigen und fairen Anbau von Naturkautschuk übernehmen möchte. Technisch sind bisher aber nur sehr dünne Informationen verfügbar.

Die Science Application International Corp (SAIC) hat ein gemeinsames Pilotprojekt mit dem US-Reifenhersteller Goodyear angekündigt. Ziel ist es, die Lieferkette von Reifen durch die Blockchain besser abzubilden.

Die Pressemitteilung nennt wenig konkrete Fakten. Die Blockchain, ist in ihr zu lesen, sei „eine Technologie der Cybersicherheit, die auf einem verteilten Kontobuch beruht und die Sicherheit, Nachverfolgbarkeit und Unveränderbarkeit erhöht. Sie nutzt sichere, verschlüsselte Plattformen, um geteilte Kontobücher zwischen den Teilnehmern einer Lieferkette zu teilen und Transaktionen und Daten sicher aufzuzeichnen.“

Goodyear ist der größte Reifenhersteller der Welt und produziert am Tag mehr als eine halbe Millionen Reifen in mehr als 80 Produktionsstätten auf der ganzen Welt. Das Unternehmen dürfte der weltweit größte Abnehmer von Naturkautschuk sein, der zu einem großen Teil in den südasiatischen Ländern Thailand, Indonesien, Malaysia und Indien, aber auch in afrikanischen Ländern wie Elfenbeinküste, Nigeria und Liberia gezüchtet wird. Wie bei vielen Rohstoffen, findet der Abbau oft unter problematischen Bedingungen statt, und die dominante Stellung von Goodyear gibt der Rohstoffpolitik des Unternehmens eine besondere Bedeutung.

Es gebe, schreibt es auf seiner Webseite, „diverse soziale, ökologische und ökonomische Probleme und Chancen rund um die Produktion dieses wichtigen Rohstoffs. Die sozialen und landwirtschaftlichen Praktiken der Gummi-Produktion können erheblich variieren und einen signifikanten Einfluss auf die Lebensweise und rechtliche Lage der lokalen Einwohner haben, aber auch das lokale Ökosystem prägen, indem sie die lokale Faune ändern oder die Artenvielfalt durch Abwaldung beeinträchtigen.“ Goodyear selbst besitzt zwar keine Plantagen, hat aber einen Katalog von Forderungen für die nachhaltige Produktion von Kautschuk aufgestellt und gibt diesem durch industrieweite Initiativen und Gütesiegel mehr Gewicht. Das Unternehmen verlangt von Lieferanten unter anderem, dass sie nachhaltig wirtschaften, faire Arbeitsbedingungen gewähren und ihr Land verantwortungsbewusst erwerben.

Neben dem privaten Markt der Automobilhersteller beliefert Goodyear auch das US-Verteidigungsministerium. Dort ist es ein führenden Mitglied des Global Tire Programs (Globales Reifen-Programm). Dieses bezieht sich auf die Lieferkette von Reifen für die Airforce, die Armee, die Küstenwache, das Marinecorps und die Navy. Es stellt Anforderungen, dass die Lieferkette der Reifen für Flugzeuge und Fahrzeuge des Verteidigungsministerium verantwortungsbewusst und nachhaltig aufgestellt wird, aber gleichzeitig eine sichere, flexible und effiziente Versorgung der weltweiten Streitkräfte der US-Armee gewährt.

Um solche Vorgaben auch nur annährend durchzusetzen, benötigt der Reifenhersteller eine transparente und zuverlässige Lieferkette. Daher steht diese im Zentrum der Bemühungen von Goodyear. Das Unternehmen möchte „die Rechte der Menschen druch die Lieferkette schützen“.

Wie SAIC schreibt, konnte die Technologie zur Erfassung von Lieferketten nicht mit dem rasanten Wachstum globaler Lieferketten seit den 1980er Jahren mithalten. „Während die Lieferkette größer wird, wachsen auch die Gelegenheiten für Fälschungen, Diebstahl, Betrug“ und mehr. Die Blockchain gilt bei vielen Beratern und Unternehmen mittlerweile als Hoffnungsträger, um Lieferketten zu modernisieren: um sie mit weniger Mitteln besser zu kontrollieren. SAIC beschäftigt sich bereits seit 2016 mit dieser Anwendung von Blockchains und hat auch Prototypen für eigene, für diesen Zweck maßgeschneiderte Blockchains entwickelt.

Der Plan hierfür ist eine nicht-erlaubnisfreie Blockchain, also ein Netzwerk, bei dem nur Knoten mitmachen dürfen, die die Erlaubnis von einer zentralen Partei haben. Diese Blockchain soll in die bestehenden Werkzeuge der Logistik integriert und mit Software für das Lieferketten-Management kombiniert werden. Die konkreten Informationen für die geplante Blockchain sind aber äußerst dünn, so dass es schwierig ist, darüber irgendetwas zu sagen. Die Verschlüsselung der Daten scheint eine wichtige Rolle zu spielen; unklar bleibt aber, weshalb die Blockchain privat sein muss, wenn doch die Daten verschlüsselt sind, wie auch, weshalb Verschlüsselung eine Errungenschaft der Blockchain-Technologie sein soll, wie die Blockchain-Seite von SAIC nahelegt.

Auch von einer Auseindersetzung mit der Frage, warum die Blockchain nicht öffentlich für alle sein darf, und welche Nachteile dies mit sich bringt, ist wenig zu sehen. Vermutlich greift hier ein bei vielen Unternehmen bestehender Impuls, einerseits die Vorteile eines offenen, dezentralen Systems nutzen zu wollen, aber andererseits nicht bereit zu sein, die Kontrolle dementsprechend abzugeben. Das Ergebnis könnten dann seltsame Zwitter aus Datenbanken und Blockchains sein, die vielleicht Vorteile gegenüber herkömmlichen Datenbanken haben – aber vielleicht auch nicht wirklich.

Über Christoph Bergmann (1714 Beiträge)
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