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Twitter führt Bitcoin-Trinkgelder per Lightning-Zahlungen ein

Ein blauer Vogel sitzt auf einem Ast. Bild von Becky Matsubara via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Twitter, das universelle soziale Netzwerk für kurze Botschaften, führt Trinkgelder ein. Erste User können per Strike mit dem Lightning-Netzwerk Bitcoins empfangen. Das ist aber viel weniger spektakulär, als es klingt.

Wenn Jack Mallers von Strike ein neues Produkt ankündigt, hört sich das meistens nicht groß, sondern riesig an.

„Yo. Heute bin ich unglaublich begeistert, die Strike API und den ersten Kunden der Strike API anzukündigen – Twitter. Ab heute erlaubt Twitter freie, augenblickliche, globale Zahlungen für seine Kunden durch die Integration der Strike API.“

In der Krypto-Szene wird das natürlich gefeiert. Twitter und Bitcoin passen ja eh schon gut zusammen. Die Krypto-Community diskutiert und zankt gerne über den Kurznachrichtendienst, und dessen Gründer und Boss, Jack Dorsey, gibt sich gerne und oft als Fan von Bitcoin und dem Lightning-Netzwerk. Es wurde Zeit, dass das, was zusammenpasst, auch zusammenkommt – und daraus entsteht dann etwas wunderbares: Globale Trinkgelder in Echtzeit für mehrere hundert Millionen Twitter-Nutzer!

Natürlich könnte man meinen, dass Twitter damit lediglich einen neuen Zahlungsanbieter zu den „Tips“ (englisch für Trinkgelder) hinzufügt. Twitter hat die Tips im Mai 2021 für eine begrenzte Anzahl von Usern eingeführt. Diese können sich einen Tip-Button ins Profil setzen und über externe Zahlungsdienstleister Geld empfangen. Zum Beispiel über Bandcamp, Cash App, Patreon, PayPal und Venmo.

Twitter hat sich, still und heimlich, auf den Weg gemacht, auch zur Plattform für Zahlungen zu werden. Eine Gebühr nimmt Twitter dabei nicht, eine Obergrenze gibt es ebenfalls nicht.

Aber Strike ist, schreibt Jack Mallers, mehr als nur ein weiterer Zahlungsdienstleister. „Das ist mehr als nur falsch. Die Integration von Twitter mit der Strike API, mit Bitcoin und dem Lightning-Netzwerk, geht viel tiefer, als das Auge sieht.“

Mit Twitter könne man, so Mallers, jemandem in Zentralamerika einen Tweet senden, und die Person in Zentralamerika könne einen Europäer antweeten, und der jemanden in Afrika und so weiter. „Twitter User können linguistisch kostenlos, in Echtzeit und grenzenlos kommunizieren.“ Doch finanziell können sie bisher nicht auf diese Weise kommunizieren.

Besser gesagt: Sie konnten. Denn die Strike-API erlaubt genau dies. Sie macht mit Zahlungen dasselbe wie Twitter mit Kurznachrichten. „Die Strike-API zu integrieren macht eine Plattform für soziale Medien zu einer der besten Optionen für weltweite Zahlungen.“

Aber bisher ist es noch längst nicht so weit. Nur ausgewählte User können sich einen Tip-Button ins Profil einfügen. Vermutlich muss man sich dafür auf irgendeine Weise bei Twitter verifizieren. Zumindest steht in den FAQ, man müsse mindestens 18 Jahre alt sein, um Trinkgelder anzunehmen oder zu senden. Wie es aussieht, muss Twitter also nicht nur den Empfänger kennen, sondern auch den Sender.

Unter diesen ausgewählten Usern, die Tip-Buttons benutzen können, können nur diejenigen Strike verwenden, die ein Apple-Gerät mit dem iOS-Betriebssystem benutzen. Die Spanne ist derzeit noch ziemlich klein.

Für deutsche User ist das alles zudem weitgehend irrelevant. Sie können Strike gar nicht verwenden. Zwar hat Jack Mallers schon im Januar dieses Jahres angekündigt, global zu gehen. Doch bislang können sich nur User aus den USA und El Salvador bei Strike anmelden, indem sie sich mit einer Mobilfunk-Nummer verifizieren.

Im Grunde wird die Twitter-Integration zu einer der umständlichsten und indirektesten Methoden, Bitcoin zu verwenden: Es gibt nicht nur einen Mittelsmann, sondern gleich zwei – Twitter und Strike.

Immerhin läuft nur das Empfangen von Tips über Strike. Wer ein Trinkgeld gibt, bekommt eine Lightning-Invoice, die er mit jeder Wallet bezahlen kann. Das ist schon mal ein Schritt in eine gute Richtung: Der Mittelsmann sitzt nur auf der Seite des Empfängers, während der Sender unabhängig bleiben kann.

Leichte Begeisterung erregt Twitter auch damit, dass der Betrag der Lightning-Tips in Satoshi anstatt Dollar oder Bitcoin angegeben wird. Damit springt Twitter, frohlocken manche nicht ganz ohne Übertreibung, auf den Bitcoin-Standard auf.

Aber zunächst einmal ist es noch ein ziemlich weiter Weg, bis die Lightning-Tips bei mehr als einer Handvoll ausgewählter User ankommen und wirklich global werden.

Über Christoph Bergmann (2141 Artikel)
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